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2 Tage Kulturschock
© 3L FilmverleihJulie Delpy zerschlägt erfolgreich ein Klischee, das sich schon zu lange und zu hartnäckig in den Köpfen der Menschen gehalten hat: Paris ist NICHT die Stadt der Liebe.


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Gut amüsiert hat sich Miriam Daill


Nach einem Aufenthalt in Venedig, der als Liebesurlaub geplant war, aber in einer Beziehungskrise geendet ist, entschließen sich die Französin Marion (Julie Delpy) und ihr Freund Jack (Adam Goldberg), auf der Heimreise nach New York noch für 2 Tage bei Marions Eltern in Paris vorbeizuschauen. Eine schlechte Idee.

Kritik

2 Tage Paris ist das Regiedebüt von Julie Delpy, die die meisten wegen ihrer Romanzen-Reihe Before Sunrise und Before Sunset mit Ethan Hawke kennen, und wer nun meint, Delpy würde in ihrem neuen Film versuchen, die Linklater-Linie fortzusetzen, liegt falsch. In 2 Tage Paris wird eine Beziehung skizziert, die sich ständig am Abgrund bewegt und in der alle vorigen Beziehungen aufgearbeitet werden. Delpy spielt nicht nur mit Urängsten, wie der übermäßigen Konfrontation des neuen Partners mit scheinbar noch nicht ganz abgeschlossenen Beziehungen mit Ex-Freunden, sondern thematisiert auch die Amerika-Frankreich-Beziehung und ihre wechselseitigen Vorurteile bissig und pointiert. Das Schöne an Delpy und ihrer Interpretation von Franzosen ist, dass sie in der Lage ist, alles aus der Distanz zu betrachten und damit zu spielen. Chauvinistisch-nationalistische Taxifahrer, obszöne Verflossene und schräge Freunde finden sich in ihrem Film genauso wie Delpys wirkliches Elterpaar.
Adam Goldberg wurde von Delpy sorgfältig für den männlichen Part im Film ausgewählt. Er mimt den neurotischen neuen Freund von Marion beinahe immer perfekt, ohne zu übertreiben, und bekommt den Balanceakt zwischen Zuneigung zu seiner Freundin und massiver Abneigung und Unsicherheit gegenüber ihrer Wurzeln gut hin. Zu kleine Kondome, der penetrante Umgang der Franzosen mit Sex, Wutanfälle in Restaurants – alles Dinge, die Jack den letzten Nerv kosten. Goldberg, der demnächst auch in Zodiac im Kino zu sehen ist, ist auf alle Fälle eine gute Wahl gewesen.

Julie Delpy offenbart sich spätestens bei genauer Betrachtung des Abspanns als Alleskönnerin: Abseits von Schauspielen und Regie führen ist sie in 2 Tage Paris auch noch für sämtliche andere Dinge verantwortlich gewesen, wie z.B. den Schnitt, den halben Soundtrack und das Drehbuch. Dass die Finanzierung dieses -sympathischer Weise politisch nicht immer ganz korrekten - Films nicht einfach gewesen ist und den Sponsoren die Geschichte im vorhinein in einer klein wenig anderen Version von Delpy verkauft werden musste, um überhaupt akzeptiert zu werden, liegt nicht nur wegen der problematischen Amerika-Frankreich Ressentiments auf der Hand. 2 Tage Paris ist eine geistreiche, leicht romantische Dramödie, garniert mit einigen scharf beobachteten Details über die Liebe, das Leben und scheinbar (un)überwindbare Kulturunterschiede - und das ganze ohne falscher Sentimentalität.

Trivia - Geschichten und Gschichterln
Die Katze im Film gehört auch wirklichen Leben Julie Delpy.
Website zum Film:
http://www.2tage-paris.de/