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Der Ton macht die Musik
© Filmladen FilmverleihEine verhinderte Musikerkarriere und ein Mädchen, das die Schuldige dafür zu kennen meint. Oder: Wenn Kleine groß werden und sich rächen.


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gesehen von Gisela Säckl

Kritik

Die Spannung in der Luft ist beinahe unerträglich, die Bewegungen scheinen in Zeitlupe abzulaufen und das Herz schlägt wie verrückt. Eine Prüfungssituation. Ein Vorspielen vor der alles entscheidenden Jury. Der Tag, der das weitere Leben unabänderbar bestimmen wird. Der Tag an dem beurteilt wird, ob das Konservatorium die Aufnahme gestattet oder eben nicht. Im Falle der ruhigen zehnjährigen Melanie Prouvost (Julie Richalet) ein „eben nicht“. Ein Mitglied der Jury, die Pianistin Ariane Fouchecourt (Catherine Frot), schreibt lieber Autogramme als zuzuhören. Eine kurze Unsicherheit, ein kleiner Patzer und binnen kurzer Zeit ist er aus, der Traum vom Leben als geachtete und berühmte Pianistin.

Regisseur Denis Dercourt spinnt die Geschichte des gescheiterten Mädchens weiter und lässt sie nach Jahren auf die persona non grata treffen. Aus dem ruhigen Mädchen ist eine kleine Lolita geworden. Durch ihr Schweigen und das gezielte Einsetzen ihrer weiblichen Reize besitzt sie eine Aura, der sich niemand entziehen kann. Aber diese Lolita will nicht nur verführen und begehrt werden, sondern primär eines: Rache. Selbst wenn es langsam vorangeht. Sie hat Zeit und Muße, nach und nach immer weiter in das Leben von Ariane einzudringen und diese von sich abhängig zu machen. Ohne Gewalt, ohne Waffen, dafür aber mit reichlich Psychologie und Erotik. Wie es eben so ist bei Filmen in klassisch französischer Manier. Amouröse Gefühle quer durch alle sexuellen Ausrichtungen. Alles ist möglich. Jeder mit jedem. Chacun à son goût. Muss aber nicht sein. Und vor allem: darf meistens nicht sein.

Dercourt bedient sich in seinen Filmen meist der Musik als verbindendes Element. Ebenso in La Tourneuse de Pages: Der Grund für alles Gute und Schlechte, das den Charakteren widerfährt, hat mit Musik zu tun. Mit der Passion, Klavier zu spielen, Menschen damit zu bezaubern, sich selbst zu überwinden und vielleicht auch daran zu scheitern. All die versteckte emotionale Spannung innerhalb der Figuren, überträgt sich aber leider nicht so recht auf den Zuseher. Die ruhige dahin plätschernde Erzählweise wirkt in vielen Momenten eher verstörend und langatmig, die aufkeimende Begierde unglaubwürdig. Das Mädchen, das die Seiten umblättert (so der alternative und etwas holprig eingedeutschte Filmtitel) wird so zu einem wenig in die Tiefe gehenden und reichlich vorhersehbaren Werk.