Wer es simpel hält mit der Erklärung, wer der Feind ist und warum, der hat schon immer das Volk für sich gewinnen können - bei Wahlen, auf der Straße oder eben an den Kinokassen. Auf der Leinwand bedeutet das in Zeiten des Kriegs gegen den Terror anscheinend ein Wiederaufleben der Comichelden. Allen voran natürlich Spider-Man, dem seine Gegner im dritten Abenteuer ihre Beweggründe bequemerweise gleich mitliefern: Ein panisch besorgter Vater auf der schiefen Bahn, ein Papa-Rächer und ein gehörnter Mistkerl auf Vergeltungstrip sind die Kontrahenten, die auf beide Seiten von Peter Parkers Doppelleben losgelassen werden. Ganz zu schweigen von neuem Ärger mit der Holden.
 |
| Bröselnder Widersacher für Spider-Man (Tobey Maguire): Sandman (Thomas Haden Church) |
Es hat sich also nichts geändert: Auch
Spider-Man 3 ist ein Schwergewicht an tragischen Missverständnissen, unverdauten Schicksalsschlägen, Pathos und Konflikten, das durch Action, Spezialeffekte und Humor ausbalanciert werden soll, so weit das bei Sprüchen wie
Aus großer Macht folgt große Verantwortung überhaupt geht - Schauderts? Keine Sorge, der kommt diesmal nicht vor. Aber auch dieser Teil hält sich nicht mit plakativen Lektionen zurück:
Verständnis und Zurücknahme, Peter. Wir haben immer eine Wahl. Et cetera, et cetera, und so weiter, immerfort. Sogar ein winziges Plädoyer gegen die Todesstrafe bekommen vorrangig die US-Zuschauer geliefert.
Allerdings: Eines der beiden Ventile öffnet nicht. Während die Technik für spannende Szenen sorgt und vor allem das Sounddesign Herausragendes leistet – allein der Effekt im Kiesbassin bei der Schöpfung von Sandman ist Oscar-verdächtig – versagt gerade der Humor
Sam Raimi den Dienst. Nicht auf voller Länge – noch immer gibt es herrliche Screwball-Einlagen im Daily Bugle, wo die Sekretärin mit einem Erdbeben-Knopf regiert, den sich wahrscheinlich jeder unter seinem Schreibtisch wünschen würde. Vieles jedoch funktioniert gar nicht: der erhoffte Auftritt von
Bruce Campbell zum Beispiel, der in seiner Forciertheit zur Qual gerät. Richtig schlimm wird es aber erst beim Schurken in Peter Parker, mit dem
Tobey Maguire eine komödiantische Katastrophe sondergleichen baut.
Gar nicht fern davon steht der Erkenntnisstrauch: Dass es gut ist, wenn
Sam Raimi mit
Spider-Man 3 einen Abschluss für all die offenen Punkte findet. Dass die Spinnen-Geschichte mühsam wird, wenn die Mischung nicht stimmt. Und dass
Thomas Haden Church in einem quergestreiften Pulloverleibchen wie ein muskulöser und viel zu alter Rotzbengel mit abstehenden Ohren aussieht. Aber letzteres nur nebenbei.