Suche: Suche abschicken


Ventilstau
Peter Parker darf nicht glücklich werden: Im dritten – wohl nur vorübergehend finalen – Teil der Saga gerät Sand ins Superhelden-Getriebe.


Werbung


Beobachtungen von Thomas Taborsky

Sein bester Freund Harry (James Franco) will ihn töten, Mary Jane (Kirsten Dunst) ist auch auf ihn sauer und eine schwarze Substanz aus dem All wartet nur darauf, ihn zu einem grundbösen Wesen zu transformieren: Peter Parkers (Tobey Maguire) Probleme möchte man nicht haben. Das sind aber noch längst nicht alle: Eddie Brock (Topher Grace), ein neuer Fotograf, will Peter den Job beim Daily Bugle mit allen Mitteln streitig machen. Und dann ist da der entflohene Verbrecher Flint Marko (Thomas Haden Church), der durch einen Unfall in Sandman, halb Mensch, halb Sand, verwandelt wurde. Während er mit seinen neuen Fähigkeiten New York unsicher macht, erfährt Peter, dass Marko der Mörder seines Onkels Ben ist.

Kritik
Wer es simpel hält mit der Erklärung, wer der Feind ist und warum, der hat schon immer das Volk für sich gewinnen können - bei Wahlen, auf der Straße oder eben an den Kinokassen. Auf der Leinwand bedeutet das in Zeiten des Kriegs gegen den Terror anscheinend ein Wiederaufleben der Comichelden. Allen voran natürlich Spider-Man, dem seine Gegner im dritten Abenteuer ihre Beweggründe bequemerweise gleich mitliefern: Ein panisch besorgter Vater auf der schiefen Bahn, ein Papa-Rächer und ein gehörnter Mistkerl auf Vergeltungstrip sind die Kontrahenten, die auf beide Seiten von Peter Parkers Doppelleben losgelassen werden. Ganz zu schweigen von neuem Ärger mit der Holden.

© 2007 Sony Pictures Releasing GmbH
Bröselnder Widersacher für Spider-Man (Tobey Maguire): Sandman (Thomas Haden Church)
Es hat sich also nichts geändert: Auch Spider-Man 3 ist ein Schwergewicht an tragischen Missverständnissen, unverdauten Schicksalsschlägen, Pathos und Konflikten, das durch Action, Spezialeffekte und Humor ausbalanciert werden soll, so weit das bei Sprüchen wie Aus großer Macht folgt große Verantwortung überhaupt geht - Schauderts? Keine Sorge, der kommt diesmal nicht vor. Aber auch dieser Teil hält sich nicht mit plakativen Lektionen zurück: Verständnis und Zurücknahme, Peter. Wir haben immer eine Wahl. Et cetera, et cetera, und so weiter, immerfort. Sogar ein winziges Plädoyer gegen die Todesstrafe bekommen vorrangig die US-Zuschauer geliefert.

Allerdings: Eines der beiden Ventile öffnet nicht. Während die Technik für spannende Szenen sorgt und vor allem das Sounddesign Herausragendes leistet – allein der Effekt im Kiesbassin bei der Schöpfung von Sandman ist Oscar-verdächtig – versagt gerade der Humor Sam Raimi den Dienst. Nicht auf voller Länge – noch immer gibt es herrliche Screwball-Einlagen im Daily Bugle, wo die Sekretärin mit einem Erdbeben-Knopf regiert, den sich wahrscheinlich jeder unter seinem Schreibtisch wünschen würde. Vieles jedoch funktioniert gar nicht: der erhoffte Auftritt von Bruce Campbell zum Beispiel, der in seiner Forciertheit zur Qual gerät. Richtig schlimm wird es aber erst beim Schurken in Peter Parker, mit dem Tobey Maguire eine komödiantische Katastrophe sondergleichen baut.
Gar nicht fern davon steht der Erkenntnisstrauch: Dass es gut ist, wenn Sam Raimi mit Spider-Man 3 einen Abschluss für all die offenen Punkte findet. Dass die Spinnen-Geschichte mühsam wird, wenn die Mischung nicht stimmt. Und dass Thomas Haden Church in einem quergestreiften Pulloverleibchen wie ein muskulöser und viel zu alter Rotzbengel mit abstehenden Ohren aussieht. Aber letzteres nur nebenbei.

© 2007 Sony Pictures Releasing GmbH

Zitat
Flint Marko: „Ich bin kein böser Mensch. Ich hatte nur Pech, sonst nichts.“

Krankenschwester: „Sehr liebe Freunde, die Sie da haben.“
Harry Osborn: „Meine besten Freunde. Ich würde für sie sterben.“

Peter zur sauren MJ: „Los schnapp sie dir, Tiger?“

Stan Lee als Times-Square-Passant zu Peter Parker: „You know I guess one person can make a difference. Nuff said.“

Harry im Kampf gegen Peter: „In der Schule hab ich dich beschützt, aber jetzt reiß ich dir deinen kleinen Arsch auf!“

Chefredakteur Jameson zu seiner Sekretärin, als Peter Parker mit ihr schmust: „Miss Brent! Für diese Stellung hab ich sie nicht engagiert!“
Die offizielle Webseite (Englisch)
http://spiderman3.sonypictures.com/