Zwei Männer, die zueinander passen wie die Faust aufs Aug. Der eine, Jacob (Mads Mikkelsen), hat sich mit seinem humanitären Engagement in Indien einen Kokon gebaut: Aufopferung für Waisenkinder, gleichzeitig Flucht vor Verantwortung gegenüber Freunden und Familie, die er in der Vergangenheit vor den Kopf gestoßen hat. Der andere, Jørgen (Rolf Lassgård), dreifacher Familienvater und erfolgreicher Geschäftsmann hat sich alles aus dem Nichts aufgebaut und pocht darauf, dass die Welt ihm gehört.
Eine Spende und eine Hochzeit bringt die beiden zusammen: Jørgens Tochter Anna (Stine Fischer Christensen) heiratet. Bei der Hochzeit erfährt Jacob, dass Anna seine leibliche Tochter aus der Beziehung zu Jørgens Frau Helene (Sidse Babett Knudsen) ist.
Die dänische Regisseurin Susanne Bier schildert in Nach der Hochzeit den plötzlichen Zusammenbruch familiärer Idylle von heute auf morgen. Die Ausgrabung eines jahrzehntelangen Geheimnisses erschüttert mit einem Ruck ein harmonisches und gleichzeitig zerbrechliches Band. Durch das Eindringen Jacobs gerät im feudalen Familienanwesen alles durcheinander. Beziehungen werden in Frage gestellt, bisherige Auffassungen hinterfragt.
Und es kommt noch schlimmer: Jørgen ist schwer krank. Er hat Jacob auserkoren, seine Stelle in Familie und Beruf zu übernehmen.
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| Jacob (Mads Mikkelsen) bei der Aussprache mit seiner Ex Helene (Sidse Babett Knudsen) |
Das Dogma-Abenteuer von Open Hearts ist überwunden. Nach der Hochzeit ist eine Hochschaubahn der (stillen) Emotionen. Mit präzisen Naheinstellungen, behutsam geführter Handkamera und einem Minimum an Dialogen bringt Bier in ihren Schauspielern – allen voran Bond-Schurke Mads Mikkelsen – mehr Ausdruck und Gefühl zutage, als andere (deutschsprachige) FilmemacherInnen mit noch so viel Sprache nicht auszudrücken vermögen. Ein Stirnrunzeln da, ein Streichen über die Haut dort. Freude und Trauer, Bestürzung und Hoffnung.
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| Regisseurin Susanne Bier |
Nicht nur zwei ökonomische Welten, sondern auch zwei völlig konträre Verständnisse von Glück stellt sie einander gegenüber und lässt diese sich gegenseitig vermischen. Jørgen erkennt, dass seine Allmacht vor der Gesundheit kapituliert, und Jacob muss sich endlich seiner Verantwortung stellen. Es zeugt von Biers Einfühlungsvermögen, dass selbst das Begräbnis Jørgens nicht zu einem Kitschmanifest verkommt, sondern ein Moment berührender Offenheit ist.
Große Tragödie eben.