Das Auge ist unschuldig; Der Verstand ist der Täuschkörper. In seinem Thriller
Verführung einer Fremden weiß
James Foley (
Fear,
Die Kammer,
The Corruptor) den Geist gehörig zu narren. Aus der Sicht, nicht aber mit dem Wissensstand seiner Heldin baut er ein Geflecht aus kantigen Psychogrammen, mondänen, farbgebadeten Settings, harter Sprache und Flashbacks. Hier lässt er
Heidi Klum erscheinen, da den Namen einer großen Schuhmarke fallen; Fertig ist eine große, schicke Welt, in der sich nur Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit wohl fühlen werden. Mittendrin:
Halle Berry als Zielfixierte,
Bruce Willis als Typus aggressiver Macher/Schwerenöter mit ungebändigtem Kreativ-Haarschöpfchen und schließlich
Giovanni Ribisi, der die Rolle des halb alkoholischen, halb obsessiven Hackers von ihrer zwangsweisen Peinlichkeit weitgehend befreit.
So zeitgemäß der Film auch mit seinem Look und seinem Irak-Verweis sein will: Vor allem im Cyber-Anteil hängt er Jahre zurück. Private Sex-Chats, die rasenden Bits auf der Daten-Autobahn... Wie ungern Hollywood Neuerungen aus der Obskuritäts-Ecke entlässt, hier wird es deutlich. Weitaus erfolgreicher weiß die Geschichte hinter den Windungen und Wendungen ihre finale Auflösung zu verbergen - wenngleich das Ende viel mit einem Luftballon gemeinsam hat, dem gerade die Luft ausgegangen ist. Die Spannung davor, das Faktum, dass einfach alle Handelnden Dreck am Stecken haben und die aufrissfreundliche Kleidung von
Berry tragen jedoch viel dazu bei, dass
Verführung einer Fremden letztendlich doch etwas mehr als nur Durchschnittsware ist.