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301 nackte Männer - Die Sparta Chippendales
Kriegsverherrlichung für Anfänger. 480 vor Christus: Spartanerkönig Leonidas und seine 300 Bodyguards werfen sich gegen halb Persien in eine Schlacht, die so aussichtslos ist, dass sie nach Hollywood-Logik nur gewonnen werden kann.


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Nichts gegen Legenden. Immerhin hat sogar Frank „Sin City“ Miller einen wilden Comic darüber gezeichnet. Aber ist das Grund genug, dass man daraus mit ein paar Muskelpaketen und viel Blue- und noch mehr Green-Screen etwas Bronzefarbenes bastelt? Zach Snyders 300 ist ein FX-Blut- und Boden-Film der übelsten Sorte.

„Remember why we died“. “Aber nur bis zum DVD-Release“, dachte Julia Pühringer

Kritik
Da haben wir zuerst mal den Werdegang von Jung-Leonidas im üblichen Sparta-Verfahren. Getrennt von der liebenden Mutter im zarten Alter von sieben Jahren, dann Ausbildung zum Einzelkämpfer mit Peitsche und in Eiseskälte. Jugendlicher Initiationsritus in der klirr-kalten griechischen (?) Einsamkeit inklusive eines absurd animierten Säbelzahnwolfes, im Hintergrund Choräle á la Carmina Burana.

© Warner Bros.
Gerard Butler als König Leonidas. Er wollte nicht auf seine Bauchmuskeln reduziert werden.

Aus dem kleinen Kämpfer wird ein großer König mit vielen Bauchmuskeln (Gerard Butler). Wenn er seinen stählernen Blick über die endlosen Korn-Ähren der Heimat schweifen lässt (und ich habe mir gerade Heimkehr gesehen), ist sofort eine Windböe oder ein überdimensionaler Mond zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Die attraktive, fast (aber nur fast) gleichberechtigte Königin (Lena Headey) - die einzige Frau im Film außer einem von leprösen Mönchen missbrauchten Orakel im Teenie-Alter mit strammen Brustwarzen, und ein paar Nutten - wird sofort feucht zwischen den Beinen, wenn sie ihn nur sieht, und kommt bei ihm immer. Mehrfach. Doch dann fordert die persische Übermacht Unterwerfung und ein paar politische Verräter verhindern einen groß angelegten Feldzug. Also geschwind die Boten mit der schlechten Nachricht in den Brunnen geworfen, 300 Türlsteher geschnappt, dem eigenen Sohn ein paar kluge Worte für die Ewigkeit mitgegeben und die verständnisvolle Frau verabschiedet. Schon geht’s auf zu den Thermophylen, um den Feind in die Enge zu treiben - denn erst beim Sterben fürs Vaterland hat ein richtiger Spartaner seinen Spaß.

Sprich: auf gegen Xerxes (Rodrigo Santoro), der mit Lidschatten und viel Metall im Gesicht aussieht wie eine Punk-Tunte (sollte es so was geben). Und bei allen erzieherischen Mankos der Spartaner sind sie nun mal die Guten – Gegen die haarsträubenden Grausamkeiten der Perser haben sie keine Chance. Ganze Dörfer wurden ausgerottet und alle Leichen auf Bäume aufgespießt – aus Gründen der Ästhetik oder doch weil irgendein Drehbuchautor „De Bello Gallico“ lesen musste? Bei der Schlacht liefert uns Zach Snyder das Übliche: Abstechen per Pfeilhagel in Zeitlupe und, sobald das fad wird (bald!) auch noch Monster asiatischer Herkunft, einen buckligen (!) Verräter und Nashörner, um die Schlachtszenen aufzupeppen. Dazu noch frühzeitliche Handgranaten, animierte Blutfontänen, die wir so ja NOCH NIE gesehen haben. Und abgetrennte Köpfe ohne Ende. Sowieso klar, dass ein Spartaner noch im Todeskampf mindestens drei Feinde ersticht. Eigentlich hätte man die Schauspieler auch gleich animieren können, dann hätte sich Gerard Butler auch nicht darüber beschweren müssen, nur auf seinen Körper reduziert zu werden. Und darüber, warum Männer, die so gut wie nackt miteinander ringen müssen, so gerne Körperkontakt haben, wollen wir ja sowieso nur in Problemfilmen nachgrübeln.

Aber so ein Kampf ist ja ohne die richtigen Sprüche nix, schon gar nicht ohne tontechnische Nachbearbeitung, die unter jedem Kinosessel einen Sub-Woofer vermuten lässt. Kostproben gefällig? „For the army, for Sparta, to death“, oder, noch viel schlimmer, “We march for our country, our family, our freedom“. Hilf Himmel. Oder wer auch immer dafür zuständig ist.

Gäbe es das Wort „einbödig“, es fände hier seine perfekte Entsprechung. Das wäre ja noch irgendwie zulässig für einen Action-Blockbuster, der für Buben unter 17 gedacht ist. Doch andererseits: Darf man zu Zeiten des Irak-Krieges einen Film auf jene jungen Besucher von Multi-/Megaplexxes loslassen, deren 18- bis 20-jährige Freunde gerade ihr ganz reales Blut in einem völlig absurden Kampf fürs Vaterland (jaja, und die Familie und die Freiheit) lassen müssen? Es ist ja nur ein Film – einerseits. Andererseits: denken wird man ja noch dürfen.

© Warner Bros.
Der künstliche Leichenbaum in ebensolchem Gegenlicht..

Trivia - Geschichten und Gschichterln
Der Film wurde vor Green und Blue-Screen (wer hätte das gedacht?) in Montreal gedreht. In 60 Tagen.

Einen ganzen Tag (!) lang wurde on location gedreht. Wegen der Pferde-Szenen (!!).

Von den 1500 Shots des Films involvieren 1300 visual effects.

6 Wochen Training für die nackten Oberkörper, 60 Tage Drehzeit, ein Jahr Post-Produktion.

Zitat
König Leonidas: “Only Spartan women give birth to real men.”

Königin Gorgo beim Abschied: “Come back with your shield. Or on it.”

König Leonidas: “This is where we fight! This is where they die!”

König Leonidas: “Remember this day, men, for it will be yours for all time.”

König Leonidas: “Spartans! Enjoy your breakfast, for tonight we dine in Hell!”

König Leonidas: “A new age has come, an age of freedom. And all will know that 300 Spartans gave their last breath to defend it.”

Persischer Bote: “This is madness!”
König Leonidas: “Madness? This is Sparta!”

König Leonidas: “We only regret that we have so few to sacrifice.”

König Leonidas: “No prisoners, no mercy. A good start”.
Die deutsche Filmseite
http://www.300-derfilm.de