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Es wird einmal gewesen sein
Emanzipation in Taten: Von persönlicher Freiheit, der moslemischen Frau und fliegenden Pferden erzählt Boulem Guerdjou in seinem Wüstenmärchen.


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Ansichten von Thomas Taborsky

Kritik
Es fällt ein bisschen schwer, Zaïna – Königin der Pferde in eine Reihe mit aktuellen Filme zu stellen, die ein neues Bild der moslemischen Frau zeigen – Filme wie Osama oder Offside. Einerseits, weil entgegen all der Meldungen, die zu uns gelangen, hier ein Durchbruch in ihrer gesellschaftlichen Wertschätzung geschieht. Andererseits natürlich, weil Bourlem Guerdjou und seine Drehbuchautorin Juliette Sales für ihre Erzählung die Märchenform wählten: Es war einmal – Es wird einmal vielleicht so sein.

© Filmladen Filmverleih

Von einem Mädchen, das vorrangig nicht um den Respekt ihres Volkes kämpft, sondern um den ihres Vaters, handelt diese Geschichte. Zaïna (Aziza Nadir) fürchtet am Grab ihrer Mutter um ihr Leben. Vor dem Stiefvater Omar (Simon Abkarian), einem finsteren Mann, flüchtet sie sich zu Mustapha (Sami Bouajila),ihrem leiblichen Vater. Der ist gerade mit seinen Stammesgenossen auf Durchreise, zum großen Pferderennen, das nur alle vier Jahre stattfindet und die besten Pferde und mutigsten Reiter nach Marrakesch bringt. Widerwillig nimmt er das halbe Kind mit. Kurz darauf wird das Häufchen bereits von Omar und dessen Leuten verfolgt. Das soll aber nicht die einzige Gefahr bleiben: Pferdediebe lauern in der unwirtlichen Landschaft, und Mustaphas Gefährten lehnen sich gegen ihn auf. Bald ist das Schicksal von Vater und Tochter auf Leben und Tod miteinander verstrickt.

Dass Zaïna hierzulande als Jugendfilm in die Kinos kommt, wird ihm nicht gerecht: Mit wundervoll opulenten Bildern karger Regionen, aus denen sich nur das türkisfarbene Kopftuch des Mädchens abhebt, zeichnet Guerdjou Kontakte zwischen Menschen, die in einer harten, unbarmherzigen Umwelt Sanftheit als Luxus betrachten müssen – einen Luxus, den sie oft nur ihren Pferden zuteil werden lassen. Legendengut und Weisheiten schaffen eine vage Ahnung, welchen Stellenwert diese Tiere, besonders die Vollblüter, bei den Nomaden und im Maghreb überhaupt haben. Zu fliegen scheinen sie, und Guerdjou lässt sie fliegen. Und seine Figuren ehrhaft handeln.

Ehre. Noch ein Begriff, der zunehmend ins Märchenhafte verdrängt wird. Aber das ist dann schon wieder eine Sache abseits der Leinwand.

Trivia - Geschichten und Gschichterln
Aus dem Film:

Bei den schönsten Pferden müssen drei Dinge breit sein: Die Stirn, der Bug, die Nüstern.
Drei Dinge müssen kurz sein: Der Rücken, der obere Teil des Beines, die Ohren.
Drei Dinge sollen lang sein: Der Hals, die Schulter, der untere Teil des Beines.
Und drei Dinge müssen rein sein: Die Haut, die Hufe und die Augen.


© Filmladen Filmverleih