Es fällt ein bisschen schwer,
Zaïna – Königin der Pferde in
eine Reihe mit aktuellen Filme zu stellen, die ein neues Bild der moslemischen
Frau zeigen – Filme wie
Osama oder
Offside.
Einerseits, weil entgegen all der Meldungen, die zu uns gelangen, hier ein
Durchbruch in ihrer gesellschaftlichen Wertschätzung geschieht. Andererseits
natürlich, weil
Bourlem Guerdjou und seine Drehbuchautorin
Juliette
Sales für ihre Erzählung die Märchenform wählten: Es war einmal – Es wird
einmal vielleicht so sein.
Von einem Mädchen, das vorrangig nicht um den
Respekt ihres Volkes kämpft, sondern um den ihres Vaters, handelt diese
Geschichte. Zaïna (
Aziza Nadir) fürchtet am Grab ihrer Mutter um ihr
Leben. Vor dem Stiefvater Omar (
Simon Abkarian), einem finsteren Mann,
flüchtet sie sich zu Mustapha (
Sami Bouajila),ihrem leiblichen Vater.
Der ist gerade mit seinen Stammesgenossen auf Durchreise, zum großen
Pferderennen, das nur alle vier Jahre stattfindet und die besten Pferde und
mutigsten Reiter nach Marrakesch bringt. Widerwillig nimmt er das halbe Kind
mit. Kurz darauf wird das Häufchen bereits von Omar und dessen Leuten
verfolgt. Das soll aber nicht die einzige Gefahr bleiben: Pferdediebe lauern in
der unwirtlichen Landschaft, und Mustaphas Gefährten lehnen sich gegen ihn auf.
Bald ist das Schicksal von Vater und Tochter auf Leben und Tod miteinander
verstrickt.
Dass
Zaïna hierzulande als Jugendfilm in
die Kinos kommt, wird ihm nicht gerecht: Mit wundervoll opulenten Bildern karger
Regionen, aus denen sich nur das türkisfarbene Kopftuch des Mädchens abhebt,
zeichnet
Guerdjou Kontakte zwischen Menschen, die in einer harten,
unbarmherzigen Umwelt Sanftheit als Luxus betrachten müssen – einen Luxus, den
sie oft nur ihren Pferden zuteil werden lassen. Legendengut und Weisheiten
schaffen eine vage Ahnung, welchen Stellenwert diese Tiere, besonders die
Vollblüter, bei den Nomaden und im Maghreb überhaupt haben. Zu fliegen scheinen
sie, und
Guerdjou lässt sie fliegen. Und seine Figuren ehrhaft handeln.
Ehre. Noch ein Begriff, der zunehmend ins Märchenhafte verdrängt wird.
Aber das ist dann schon wieder eine Sache abseits der Leinwand.