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| So mit 60 aussehen, das wär schon was... |
Leise, traurig, spielt ein Klavier das
Rocky-Thema. Der Champ hat nichts mehr, auf das es sich lohnen würde, vorauszuschauen, also pflegt er den Blick zurück. Rocky (
Sylvester Stallone) trauert um seine Adrian, die ihm der „Frauenkrebs“ genommen hat. Er sitzt an ihrem Grab, hat eigens dafür einen Klappstuhl deponiert. Für einen Moment, wenn er ihn zurück auf den Baum hängt, sieht es aus, als wolle er ihn jemandem über den Schädel ziehen, aber das täuscht. Die Plätze seiner Vergangenheit, sie verschwinden: Der Eislaufplatz ist abgerissen, die Schilder der Tierhandlung und der Boxhalle verwittern. In seinem Restaurant, Adrian's Restaurant wohlgemerkt, hat er seiner Frau einen Bilderschrein eingerichtet, den kann ihm keiner nehmen. Auch nicht, dass er dort die Gäste selbst bewirtet, ihnen Schnurren seiner großen Kämpfe erzählt. Die Leute kommen deshalb zu ihm, sie hören sie gern, obwohl sie jede davon längst kennen.
Für die Leute in Philly ist er noch immer jemand. „Yo, Rocky!“, grüßen ihn die einen, bitten ihn um Autogramme, die anderen feixen ihn an, wenn er ihnen kein Bier spendiert. Der Sohn (
Milo Ventimiglia) wird damit nicht fertig: Baby Rocky nennen ihn die Kollegen. Egal was er tut, er steht im Schatten seines Vaters. Nie ist er sich sicher, ob es seine Leistung ist, die ihn auf seinem Weg weiterbringt, oder sein Name. Den Computervergleich, dass sein Erzeuger Mason „The Line“ Dixon (
Antonio Tarver), den regierenden Weltmeister, schlagen würde, nimmt er nicht gut auf, die Nachricht vom Ansuchen nach einer Boxlizenz noch schlechter. Denn: Irgendwo tief drinnen will Rocky Senior es noch einmal wissen. Er knüpft eine Freundschaft mit Marie (
Geraldine Hughes), einem Mädchen, auf das er früher aufpasste, das schon lange eine Frau ist und selbst einen fast erwachsenen Sohn hat, hilft ihr freigiebig weiter. Er holt sich einen struppigen Hund aus dem Tierasyl, dem er als einziger noch eine Menge Meilen zutraut – wie sich selbst. Er kämpft gegen die Entscheidung, als die Kommission seine Lizenz verweigern will. Und er steigt auf den Schaukampf gegen Mason Dixon ein, beginnt zu trainieren. Mit ein paar Wehwehchen, aber mit Herz.
Da ist es wieder, das Rocky-Thema, in all seinem Glanz.
Macht es nicht unheimliche Freude, wenn ein älterer Mann einen jungen, überheblichen Großkotz verdrischt? Abgesehen davon ist
Rocky Balboa im Grunde das, was die meisten
Rockys vor ihm waren: die Mär eines Underdogs, den niemand auf der Rechnung hat, Quatschen und in Erinnerungen schwelgen, Philadelphia. Atmosphäre. Charakter. Seinem rostigen Rocky hat
Sylvester Stallone viel davon gegeben, ein einfaches Gemüt wie in den besten Filmen, saftige Monologe und Alterswitz. Die Kamera kostet sie aus, genießt die Ansichten der Stadt, der Menschen. Von Stallones Krampfadern auf den Muskeln. Keine Kampfmaschine, die sie zeigen soll, sondern einen großen Mann. Keinen Gewinner, einen Sieger. Und das schafft sie: Geht es nur um die ernstzunehmenden, ist dieser Film nach dem Ur-
Rocky der beste der Reihe, nimmt man alle, quetscht sich nur noch
Rocky IV dazwischen. Verziehen die letzten Jahre, in denen Stallone meist dürftigste Rollen spielte: Mit
Rocky Balboa erreicht er das, was kaum ein Filmemacher, geschweige denn ein Boxer vollbringt: ein würdiges Ende, einen Abtritt in Würde für eine große Figur. Die letzte Runde in die Unvergessenheit.
Rocky zu Marie: „Great insults last a long time.“
Pauly: „Italian food cooked up by a bunch of Mexicans ain't so special.“
Pauly, als er Maries Sohn Steps sieht: „Who's the criminal?“
Rocky zu Pauly, als der wegen seiner Entlassung aus der Fleischfabrik lügt: „So when do they start giving retired people meat instead of a golden watch?“
Rocky: „It ain't about how hard you hit but about how hard you can get hit!“
Marie zu Rocky: „Tomorrow you're gonna prove that the last thing to age on someone is their heart.“
Pauly: „Rocko! The last round of your life!“