Was wäre, wenn...? Das ist immer die große Frage, die das Kino stellt.
Was wäre, wenn einer der britischen Prinzen schwul wäre, beispielsweise? Diese Frage stellt der studentische Film
Surveillance. Mit der Info, dass Großbritannien das Land der Welt mit den meisten Überwachungskameras pro Einwohner ist, bekommt der Film etwas mehr Aktualität, als uns lieb ist: Ein junger Mann, Beruf Lehrer, lernt auf einer seiner ausgedehnten Touren durch die Londoner Nachtklubs einen hübschen Society-Fotografen kennen. Die beiden verbringen eine heiße Nacht miteinander. Und am nächsten Tag ist der Fotograf tot. Wie sich im Laufe des Films herauskristallisiert, war der Mann liiert mit dem britischen Thronfolger – und wurde offenbar zum Schweigen gebracht.
Was wie eine spannender Verschwörungsgeschichte klingt, entpuppt sich als mühselig unruhiger Möchtegernthriller, der vor lauter Begeisterung für technische Spielereien die Story vergisst. Der Schwerpunkt liegt auf animierten Kinkerlitzchen, durchsetzt mit Überwachungskamera-Perspektiven, auch formalen Meta-Ebenen durch das Abfilmen von Fernsehbildern – Schade, aber leider nein, das war keine Entdeckung.
Viel besserer Sex war in
Itty Bitty Committee zu sehen, dem zweiten Spielfilm von
Jamie Babbit (nach
But I’m A Cheerleader). Zwischen Untergrundfeminismus, Straßenkampf und Mädchenliebe entwickelt sich hier ein gelegentlich zuckerlrosaner, aber immer überaus witziger Film über die Liebe, Selbstentfaltung, Phallozentrismus, politisches Engagement, Freundschaft und die Kompromisse zwischen alldem. Ein sehr schöner Film für Frauen, die eine Brustvergrößerung überlegen! - denn sie werden das Geld vermutlich nachher für etwas Vernünftigeres ausgeben.
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Selbstfindung auf radikale Art: Itty Bitty Titty Committee (im Bild Nicole Vicius (l.) und Melonie Diaz (r.)) |
„Was wäre, wenn..?“ fragt auch
Teeth, die erste Regiearbeit von Schauspieler
Mitchell Lichtenstein. Was wäre, wenn sich Frauen nicht vor physischer Vergewaltigung fürchten müssen? Ausgehend von dem Urmythos der „Vagina Dentata“, der gezähnten Vagina, die als männliches Angstbild in vielen Kulturen zu finden ist, entwickelt
Teeth die Geschichte der jungen Dawn, die als aktivstes Mitglied in der lokalen Keuschheits-Gruppe überzeugte Jungfrau ist und das auch noch lange zu bleiben gedenkt. Doch als sie sich verliebt und ihren Freund etwas zu nahe an sich heranlässt, verliert der die Selbstbeherrschung und vergewaltigt sie – und plötzlich schreit er, und hört nicht mehr auf zu schreien – denn Dawns Vagina kann kräftig zubeißen...
Völlig geschockt versucht Dawn, ihren Körper zu erforschen – doch zuvor müssen noch die Finger eines zudringlichen Gynäkologen dran glauben. Und endlich erkennt Dawn, dass sie durch ihre besondere Eigenschaft auch besonders geschützt ist.
Letztlich ist
Teeth ein seltsamer Coming-of-Age-Film, der Körper- und Lustfeindlichkeit auf witzige und grausig-gruselige Art anprangert. Horror- und Sexfilmelemente verbinden sich mit der Geschichte zu einem organischen Ganzen, das endlich einmal mit einer weiblichen Hauptfigur, die eben kein Opfer ist – wie das sonst so gern im Genre gehandhabt wird. Die brave Blondine
Jess Weixler als Dawn ist trotz des komplett überdrehten Scripts eine überzeugende Hauptfigur, die sich von kompletter Unschuld zu selbstbewusster Weiblichkeit entwickelt. Ihren bösen Stiefbruder spielt übrigens
Josh Hensley aus
Nip/Tuck.
Und am Ende ist das doch ein schönes, wenn auch für Männer wohl beunruhigendes Bild: Was wäre, wenn Sex für Frauen völlig angstfrei wäre? Es wird wohl Zeit, dass wir ein wenig bissiger werden.
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| Zeigt Zähne: Jess Weixler in Teeth |