Suche: Suche abschicken


Abenteuer inklusive Alptraum
Selten aber doch: ein Film über Afrika, der nicht nach einer Universum-Folge aussieht. Kevin Macdonald bringt eine Geschichte über die politischen Machtverhältnisse im Uganda der 70er-Jahre auf die Leinwand.


Werbung


Gespannt wie ein Gummiband war Miriam Daill

Was macht man, wenn man gerade sein Medizinstudium beendet hat und neugierig ist auf die große, weite Welt? Richtig: der junge Schotte Nicholas Garrigan (James McAvoy) beschließt, sich ins Abenteuer Afrika zu stürzen und landet bald darauf mitten in Uganda, wo er Erfahrungen für den Beruf sammeln und einfach eine schöne Zeit haben will. Ein Zufall führt dazu, dass er den mächtigsten Mann Ugandas (Forest Whitaker) kennen lernt, was sich schon bald als großes Unglück herausstellen soll.

Kritik
Politische Themen Afrika betreffend befinden sich außerhalb der täglichen Alltagsrealität der allermeisten Menschen der westlichen Welt was oft daran liegt, dass sie in den Medien – wie das bei vielen anderen Ländern auch der Fall ist – einfach kaum behandelt werden. Wenn man dann doch etwas von der „Wiege der Menschheit“ hört, ist es fast immer nur Negatives: Mit Afrika assoziiert man hauptsächlich Kriege, Hungersnöte und Krankheiten – kurz gesagt eine einzige, umfassende Katastrophe. Dass Afrika gesellschaftspolitisch aber um ein Vielfaches mehr hergibt und unter anderem auch für die Filmindustrie ein noch unausgeschöpftes Potential bereit hält, beweist Macdonald mit Der letzte König von Schottland. In jüngerer Vergangenheit gab es in dieser Richtung zwei vergleichbare Filme (Hotel Ruanda 2004, Der ewige Gärtner 2005), die sich mit den sonstigen Politthrillern, die sich in letzter Zeit natürlich aus gegebenen Anlass mehr mit der Problemachse USA-Arabien auseinandergesetzt haben, messen konnten. Den sozialpolitischen Abgrund und die damit eng verwobenen Menschenschicksale treffen mit Der letzte König von Schottland in Afrika auf mindestens genauso guten filmischen Nährboden.

© 2006 Twentieth Century Fox
Ein junger Arzt (James McAvoy, r.) wird zum Zeugen, Mitwisser, Mittäter des Regimesvon Idi Amin (Forest Whitaker, l.)

Der Film ist bei genauerer Betrachtung sozusagen ein Thriller im Halbdokuformat: Idi Amin ist an der ganzen Filmgeschichte das Faktum. Forest Whitaker erfindet ihn auf Furcht erregende und gleichzeitig vereinnahmende Weise neu, womit spätestens am Ende des Films fest steht, dass er einer der ernstzunehmendsten Anwärter auf den Oskar für die beste männliche Hauptrolle ist. Whitaker, der in der in den USA äußerst umstrittenen aber gleichzeitig beliebten Krimiserie The Shield, die auf Pro Sieben allerdings einen TV-Bauchfleck hingelegt hat, als Lt. Jon Kavanaugh zu sehen ist, packt in der Darstellung des Idi Armin sein ganzes Können aus: Charismatisch und humorvoll zu Beginn, entpuppt er sich im Laufe der Zeit als vollkommen gestörter und wahnsinniger Mensch. Whitaker entblättert Amins Persönlichkeit scheibenchenweise, und das ziemlich gekonnt. Die Interpretation der psychischen Anatomie von Amin wird durch ihn zu einer Art gruseliger und gleichzeitig beeindruckender Offenbarung. Vergleicht man Whitakers Darstellung des Idi Amin mit der von Bruno Ganz als Adolf Hitler in Der Untergang vor zwei Jahren, dann fällt auf, dass Whitaker - und die Gestik und den Habitus von Amin nicht perfekt nachahmt, sondern vielmehr eine eigene Figur entwickelt und sie unverwechselbar macht. Bruno Ganz blieb trotz allem schauspielerischen Könnens doch insofern erfolglos in der Darstellung des Hitlers, als er ihn einfach nur immitiert aber nicht interpretiert. Whitaker hingegen ist weit über das Maß der Imitation hinausgekommen.
James McAvoy versteht es sehr gut, den zunächst lässigen, sorglosen Schotten Nicholas zu spielen, dem nach und nach klar wird, in welcher Situation er hineingeraten ist. Etwas verwirrend ist die Tatsache, dass eigentlich sowohl Whitaker als auch McAvoy irgendwie eine Hauptrolle inne haben. Eine kleine Überraschung im Film ist Gillian „X-Akte“ Anderson, die einen vergleichsweise kleinen Part über hat: Man braucht so manche Minute, bis man sie erkennt.
Bleibt zu sagen, dass Fans von oben genannten Filmen sicherlich auf ihre Kosten kommen werden. Whitakers.

© 2006 Twentieth Century Fox
Website von Der letzte König von Schottland
http://www.foxsearchlight.com/lastkingofscotland/