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„Na, fremder Mann?“
Drei Selbstmordversuche, drei Hitparaden-Songs, drei Menschen: Valeska Grisebachs Brandenburger Elegie, eine Untersuchung unheilvoller emotionaler Barrieren.


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Beobachtungen von Thomas Taborsky

Kritik
Die Lebenslust droht den Schlosser Markus (Andreas Müller) von innen zu sprengen. Eigentlich ist er ein stiller Zeitgenosse, lebt scheinbar glücklich mit seiner Jugendliebe Ella (Ilka Welz) in einem kleinen Dorf in Brandenburg, setzt sich nebenbei in der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr ein. Auf Besuch bei der Partner-Feuerwehr landet er mit der Kellnerin Rose (Anett Dornbusch) im Bett. Wider besseres Wissen macht er aus dem One-Night-Stand eine Beziehung, lässt auch die andere sich Hals über Kopf in ihn verlieben. Beide Frauen wollen ihm nun nahe sein, können aber nicht zu ihm durchdringen. Umso mehr fühlt er sich erdrückt. Die Katastrophe naht.

© Peter Rommel Filmproduktion
Ich möchte ein Eisbär sein...
Markus (Andreas Müller) und Ella (Ilka Welz), zwei unglückliche Seelen
„...I got too much life going through my veins...“ - Was in Sehnsucht gesagt werden soll, hat Robbie Williams zu trällern. Oder die Grauzone: Filmfiguren heimorgeln davon, dass sie gern Eisbären wären - Eisbären müssten nie weinen – um ein paar Einstellungen später von einem unvermittelten Heulkrampf gebeutelt zu werden. Valeska Grisebach kann sich damit ebensowenig den Parallelen zu ihrem Erstling Mein Stern entziehen wie jenen zur Arbeit ihrer Co-AbsolventInnen an der Wiener Filmakademie. Wieder sind wir bei den obligatorischen Tanzszenen gelandet, beim kollektiven Versuch, Verité und Musical zu einer neuen Schule der Realität zu paaren. Wen wundert's da noch, dass Jessica Hausner am Film beteiligt war, dass COOP 99 gedankt wird.
An gesprochenen Worten wiederum wird gespart: Dialogfragmente sind es, Sätze in Vereinsamungsgefahr, jedes einzelne, schmallippige Wort überbläht in seiner Bedeutungsvölle. Im Dreieck Dogma-Dardenne-deutsche Hitparade driftet Grisebachs handwerklich makellos gemachte Brandenburger Elegie dahin, ohne stilistische Weiterentwicklung zu zeigen, ohne die Natürlichkeit ihrer Laiendarsteller-Besetzung jemals nutzen zu wollen. Wäre das so überraschend wie verblüffend gelungene Finale nicht, würde Sehnsucht gar nichts von dem Schwarm mittelmäßig-übermühter Weltkinodramen unterscheiden, die pflegen, schnell wieder in Vergessenheit zu geraten.

Zitat
Ella zu Markus: „Wenn ich dich so ansehe, bleibt mir echt die Luft weg.“

Ella zu Markus: „Ich begehre dich so.“

Rose zu Markus: „Ich hab so 'ne Sehnsucht nach dir.“

Ella zu Markus: „Irgendwie bist du nachts ganz anders als am Tag.“

Rose zu Markus: „Du bist so weit weg.“
Webseite des Films
http://www.sehnsucht-der-film.de/