Regisseur Christopher Nolan zeigt sich in The Prestige von seiner düsteren Seite (hat er eine andere?) – diesmal geht es um Magie und ihre sinnlichen und übersinnlichen Auswirkungen. Mit niemand Geringerem als Hugh Jackman, Christian Bale, Michael Caine und Scarlett Johansson.
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Genau hingeschaut (und leider auch hingehört) hat Julia Pühringer
Zwei Jung-Zauberer kämpfen um ihre berufliche Existenz, sprich das Bestehen vor dem strengen (und meist betrunkenen) Londoner Publikum der Jahrhundertwende: Robert Angier (Hugh Jackman mit dem schönen Oberkörper) und Alfred Borden (Christian Bale mit dem bösen Gesicht). Beide werden von Cutter (Michael Caine), einem allwissenden Altstar des Business im doppelten Sinne, unter die Fittiche genommen. Doch der unglückliche Tod der Ehefrau des einen (Julia Angier, ein Kurzauftritt von Piper Perabo) während eines Fesselkunststücks in einem Wassertank ändert alles - eine Fehde, die sich zwar um den besseren und echteren Trick und eine neue Frau (Scarlett Johansson) dreht, endet, wie das bei Fehden so üblich ist, tödlich. Seit Miller’s Crossing waren verlorene Hüte nicht so verheerend.
Hauptsache, Johansson steht in der Mitte
Kritik
Viel versprechender können Besetzung und Handlung eigentlich nicht klingen: für Freude des Aberwitzes auch noch der grandiose David Bowie in der Nebenrolle des wissend-gefährlichen Wissenschaftlers Nikola Tesla - klingt nach spannender Unterhaltung. Und dann geht es unfassbar lahm mit einer Böses ahnen lassenden Rahmenerzählung mit hohem Kostüm- und Kitschfaktor los. Bevor überhaupt irgendwas passiert, hat man im Kopf schon die halbe Kritik geschrieben – über gute SchauspielerInnen, die in feschen Kostümen der Jahrhundertwende eigentlich nur Perlen vor die Säue sind, darüber, dass man das immer gleiche düstere London aus From Hell und Konsorten schon nicht mehr sehen kann, und eigentlich nur mehr froh ist, nicht schon wieder mit Johnny Depp in einem Rüschenhemd konfrontiert zu sein.
Scarlett Johansson kann übrigens auch schauspielen...
Und nach zehn Minuten ist man plötzlich drin im Film und seiner Handlung und widerstandslos raus aus der Metaebene, vergisst nachzudenken und schaut einfach nur zu – und zwar genau. Wie ein Kind, das zwar weiß, dass die Jungfrau nicht zersägt wurde, aber nicht wie (nicht). Und wer weiß? Vielleicht war doch Magie im Spiel? Michael Caine ist Michael Caine und spricht dankbare coole Sprüche, Johansson posiert in großartigen wenig bedeckenden Kostümen und Jackman und Bale entwickeln tatsächlich Chemie – als Antagonisten, eh klar. Wenn der Trick des Anderen der bessere ist, dann muss der halt geklaut werden, auch wenn niemand im echten Leben dafür Scarlett Johansson opfern würde. Aber Magier sind halt Besessene, will uns der Film lehren. Und dafür gehen Beziehungen halt mal auch zu Bruch. Das geht ja noch in Ordnung, aber die Dialoge, die sich zwischen den Gesponsen entwickeln, tun dann so richtig weh – inklusive „Ich kann so nicht leben“ und „Hör auf Schauzuspielen, das bist nicht du“. Hier würde wohl jeder Alkohol und Selbstmord bevorzugen – in dieser Welt, in der Frauen ganz klassisch schmückendes Beiwerk im Spiel ums männliche Ego sind (das, klassisches Film Noir-Motiv, auch immer als Doppelgänger vorhanden). Aber Hauptsache, es ist immer ein altes Theater in der Nähe, wenn man es gerade braucht. Und wenn dann ein alternder Zauberer sagt „Pardon me, it's very rare to see real magic“, dann muss man das leider auch auf diesen Film anlegen.
Christian Bale als magischer Loser (oder doch nicht?)
In den Worten Cutters legt uns Nolan die Interpretation ja geradezu auf – jeder Trick (Film?) besteht aus drei Akten. Der erste Akt ist das „Versprechen“, er zeigt uns etwas ganz Normales, im zweiten passiert damit etwas Übernatürliches, und im dritten, finalen Akt hängt das Leben am Drahtseil, es passiert etwas Schockierendes. Und, leider, genau hier hat Nolan versagt – das Ende ist genauso lahm wie der Anfang. Die moralische Botschaft ist ein Zaunpfahl im Auge, und die Hinweise auf die tatsächlichen Geschehnisse sind so zahlreich, dass man sich trotz der übernatürlichen Geschehnisse ganz profan zum Deppen erklärt fühlt. Das würde bei einem Film in der Liga von Underworld nicht verwundern, aber Nolan hat nicht nur mit seinen Erstlingsfilmen Following und Memento, sondern auch mit seiner unzweifelbar großartigen Version von Batman Begins gezeigt, dass er es besser kann (lassen wir jetzt mal Insomnia außen vor). Aber die eineinhalb Stunden dazwischen sind in jedem Fall empfehlenswert.
David Bowie - immer cool
Zitat
Cutter: “Making something disappear is not enough, you’ve got to bring it back.”
Cutter: “Every great magic trick consists of three acts. The first act is called ‘The Pledge;’ The magician shows you something ordinary, but of course... it probably isn't. The second act is called ‘The Turn;’ The magician makes his ordinary some thing do something extraordinary. Now if you're looking for the secret... you won't find it, that's why there's a third act called, ‘The Prestige;’ this is the part with the twists and turns, where lives hang in the balance, and you see something shocking you've never seen before.”
Cutter: Now you're looking for the secret... but you won't find it because you're not really looking. You don't really want to know the secret... You want to be fooled.
Rupert Angier: I never thought I'd find an answer at the bottom of a pint glass. Cutter: Hasn't stopped you looking, has it?
Nikola Tesla: “Don't forget your hat, Mr. Angier.” Rupert Angier: “Which one is mine?” Nikola Tesla: “They are all your hats!”
Rupert Angier: “The man stole my life. I steal his trick.”
Rupert Angier: “He's a horrible magician.” Cutter: “No, he's a great magician. He's a horrible showman.”
Cutter: “Obsession is a young man's game.”
Rupert Angier: “No one cares about the man in the box, the man who disappears.”
Rupert Angier: “Man's reach exceeds his imagination!”
Sarah: “Do you love me?” Alfred Borden: “Not today.”
Nikola Tesla: “Things don't always go as planned, Mr. Angier. That's the beauty of science.”
Angier: Which hat is mine? Nikola Tesla: They are all your hat, Mr. Angier.
Officer: “Any last words?” Alfred Borden: “Abracadabra.”
Cutter: “Remember when I told you about the drowning sailor?” Rupert Angier: “Yes, he said it was like going home.” Cutter: “I lied. He said it was agony.”
Alfred Borden: “Does he enjoy taking his bows under the stage?”
Nikola Tesla: “Have you considered the cost of such a machine?” Rupert Angier: “Price is not an object.” Nikola Tesla: “Yes, but have you considered the *cost*?”