Weder Museen noch ihre Ausstellungsstücke haben den Ruf, abenteuerlich zu sein. Shawn Levys neuer Film Nachts im Museum beweist, dass es auch anders sein kann – zumindest wenn man (noch) an Magie glaubt.
Larry (Ben Stiller) ist arbeitslos, geschieden und wird von seinem Sohn – zumindest manchmal – für einen Versager gehalten. Um seinem Image also etwas auf die Sprünge zu helfen, versucht er sein Glück am Arbeitsamt und bekommt einen Job, den sonst keiner will, nämlich die gerade frei gewordene Stelle des Nachtwächters im naturhistorischen Museum in New York. Was Larry aber nicht weiß: Nachts erwachen die Exponate des Museums zum Leben – und sind nicht mehr so leicht zu bändigen.
Kritik
Wer hätte ahnen können, dass Hunnenkönig Attila eigentlich gar nicht so böse ist, sondern einfach nur unter einem Kindheitstrauma leidet? Oder dass die Statuen auf den Osterinseln eine Vorliebe für Kaugummi haben? Geschichtsverständnis kann in manchen Situationen durchaus nützlich sein, ja sogar Leben retten. Das erklärt uns Nachts im Museum auf humorvolle Weise und verzichtet dabei – eine erfreuliche Ausnahme in der amerikanischen Komödienlandschaft – beinahe komplett auf Belehrungen und moralische Standpauken. Endlich einmal ein Film, der ohne überzeichnetes Heldentum und Selbstopferung auskommt – und das, obwohl doch für Nachtwächter Larry und die Museumsbewohner einiges auf dem Spiel steht. Ein Glück für uns, dass dabei die Ironie die Rolle des Pathos übernimmt, mit dem wir sonst so oft in für Kinder ausgelegten Filmen gequält werden. So aber kann man es genießen, die großen Figuren der Weltgeschichte in einem neuen, ziemlich desillusionierenden Licht zu sehen, etwa Teddy Roosevelt (Robin Williams) – oder zumindest sein in Wachs gehaltenes Abbild –, der bei der kleinsten Gefahr einen Rückzug macht oder eine in Tränen ausbrechende Hunnenschar, die noch dazu einen Faible für billige Zaubertricks hat.
Über die inhaltliche Innovativität des Films lässt sich streiten. Einerseits ist es keine schlechte Idee, ein Museum zum Ort des Geschehens zu machen, was in Fantasy-Streifen, zu denen Nachts im Museum unweigerlich zählt, eher eine Ausnahme ist. Andererseits drängt sich schon beim ersten Auftritt des zum Leben erwachenden Dinosaurierskeletts der Vergleich zu Jumanji auf, bei dem ja auch einiges lebendig wird. Auch kommt den Protagonisten des Öfteren ein „Deus ex machina“ zu Hilfe, wenn es brenzlig wird. Abbruch tut das dem Film aber keinen - schon die große Auswahl an Museumsexponaten, die Larry das Leben schwer macht, ist einen Kinobesuch wert. In Erinnerung bleibt dabei vor allem Owen Wilson, bei dessen Auftritt als Miniaturcowboy Jedadiah man unweigerlich an den Film Shanghai Noon denken muss. Relativ sympathisch ist auch der Wachs-Roosevelt Robin Williams, der manchmal mit Rat und Tat zur Seite steht, manchmal mit seiner fast kindlichen Naivität, die so gar nicht zu der Figur des ehemaligen amerikanischen Präsidenten passen will, für Lacher sorgt. Und auch die Bösewichte im Film besitzen durch ihre ganz persönlichen Macken schon fast etwas Liebenswürdiges.
Eigentlich hätte Nachts im Museum nicht unbedingt ein Kinderfilm sein müssen. Weil aber Weihnachtszeit ist und man deshalb gerade das junge Publikum ins Kino locken will, ist es letztendlich doch irgendwie einer geworden. Leicht verständlicher Humor und jede Menge Slapstick sorgen dafür, dass auch Kinder, die sich nicht vor T-Rex und erwachenden Mumien fürchten, ihren Spaß haben. Überdeutlich ist schließlich die Message an die jugendlichen Kinobesucher: Geschichte ist toll, Museen sind spannend. Und wenn man einen Schlüssel bei sich hat, sollte man sich auf jeden Fall vor Kapuzineräffchen in Acht nehmen.
Zitat
Larry: What’s going on here? Jedadiah: Someone’s gonna pay. Larry: Pay for what? Jedadiah: I don’t know.
Roosevelt zu Larry: Good Lords, why are you slapping monkey?
Gus, der alte Nachtwächter, zu Larry: You wanna dance, hotdog?
Roosevelt: I’m made of wax, Larry. What are you made of?