Ein Schuss aus einem Gewehr in der Wüste Marrokos ist der auslösende Moment für eine Kette von Ereignissen in vier Schicksalen von unterschiedlichen Menschen, die sich weit weg voneinander auf drei unterschiedlichen Kontinenten befinden. Der amerikanische Tourist Richard (Brad Pitt) und seine Frau Susan (Cate Blanchett), ein mexikanisches Kindermädchen (Adriana Barraza), ein taubstummer japanischer Teenager (Rinko Kikuchi) und zwei kleine Jungs (Said Tarchani & Boubker ait el Caid), die wissen, dass sie etwas furchtbares getan haben, bilden den Mittelpunkt der Erzählung.
In der Bibel ist die Rede von einem Volk aus dem Osten, das eine Sprache sprach und sich in einer Ebene eines Landes names Schinar ansiedelte, um eine Stadt und einen Turm, der bis zum Himmel reichen sollte, zu bauen, um Gott näher zu sein. Gott jedoch stieg vom Himmel herab, sah sich das Ganze an und beschloss, dass die Menschen Gefahr laufen würden dem Größenwahn zu verfallen. Er bestrafte sie für ihre Überheblichkeit, indem er ihre Sprache verwirrte und sie über die ganze Erde trieb. Soweit die Geschichte.
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| Brad Pitt hat in Babel eine wortwörtlich tragende Rolle |
Bei genauerer Betrachtung von
Babel muss gesagt werden, dass diese Grundlage zwar vielleicht sehr vielsagend klingt und Regisseur
Alejandro González Iñárritu sicherlich als ideale Basis für den Film erschien, das Ganze aber dennoch ein klein wenig hackt. Das Sprachproblem der Menschen wird auf zwei Ebenen dargestellt: auf der tatsächlichen sprachlich-kulturellen Ebene sowie auf der emotional-zwischenmenschlichen Ebene. Das Sprachproblem aus dem alten Testament war wohl hingegen nur als ein tatsächlich sprachliches gemeint. Kommunikation beziehungsweise die Unfähigkeit dazu ist eben eine zu oberflächliche Betrachtung. Auch die Dimension der medialen Kommunikation, wie zum Beispiel der Internetkommunikation, und ihrer Barrieren und Möglichkeiten könnte aus heutiger Sicht noch miteinbezogen werden, und dann funktioniert die Sache mit
Babel leider gar nicht mehr. Insofern interpretiert
Iñárritu möglicherweise etwas zu viel in die Story hinein, was aber der Qualität und dem intensiven Ausdruck des Films keinen Abbruch tut.
Iñárritu, der sich nach nur drei Filmen (
Amores Perros,
21 Gramm,
Babel) höchstwahrscheinlich schon demnächst um ein paar Oscars anstellen darf, beweist hier hohe handwerkliche Fähigkeit und einen scharfen Blick fürs Detail. Der Gewinner des Regiepreises in Cannes nimmt sich Großes vor, nämlich den derzeitigen Zustand der Welt in einen Film zu fassen, und scheitert definitiv nicht. Auf sehr kunstvolle und intelligente Art und Weise fügt er die vier Geschichten dieser einander völlig unbekannten Menschen zusammen und macht kaum einen Fehler. Dabei beeindruckt besonders sein erzählerisches und stilistisches Talent, das die starken Bilder des Films zusätzlich hervorhebt. Einzig die Story des taubstummen japanischen Mädchens Chieko will sich nicht so recht in das Puzzle einfügen und sorgt immer wieder für befremdende, weil zum großen Handlungsstrang unpassende Momente.
Die großen Stars des Films
Cate Blanchett,
Brad Pitt und
Gaël García Bernal erscheinen als die idealen Besetzungen für
Babel und sorgen dafür, dass neben sonstigen hervorragenden Vorraussetzungen auch schauspielerisch gesehen keine Wünsche offen bleiben.
Pitt und
Blanchett geben eine ausgezeichnete Performance des zerrüttenden, mit der Krise kämpfenden Paares ab, das just unter widrigsten Bedingungen wieder zusammenfinden muss. Auch der Rest der Schauspielercrew, die zu einem großen Teil aus Laien besteht, liefert teilweise herzzerreißende Charakterinterpretationen ab, die einem noch lange nach dem Kinobesuch in Erinnerung bleiben. Mit
Babel ist
Alejandro González Iñárritu auf alle Fälle ein großer Wurf gelungen, der sicherlich noch für viele Diskussionen sorgen wird. Man darf schon gespannt sein auf sein nächstes Projekt.
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| Die taubstumme Chieko (Rinko Kikuchi) im Kreise ihrer Mitschülerinnen |