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Staatsfeind auf reaktionär
Naturkatastrophen sind ja auch so was wie Anschläge. Tony Scott filmt also in New Orleans, lässt Teile davon explodieren und schreit nach dem Überwachungsstaat – wie nett...


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überstanden hat ihn Thomas Taborsky

Mitten in New Orleans explodiert auf dem Mississippi eine Fähre: Hunderte Menschen sind auf der Stelle tot. Während die Stadt und die Behörden unter Schock stehen, findet der ortsansässige ATF-Agent Doug Carlin (Denzel Washington) erste Spuren auf den Täter – und macht eine geheime FBI-Verbrechensbekämpfungseinheit auf sich aufmerksam. Lange kann man es ihm nicht verheimlichen: Das Team von Agent Pryzwarra (Val Kilmer) kann in die Vergangenheit sehen, exakt an einen Punkt vor vier Tagen und sechs Stunden. Mit der Gerätschaft lässt sich Claire (Paula Patton), die Schlüsselperson des Anschlags, überwachen. Sie wurde kurz vor der Explosion ermordet, doch für Doug wird sie auf dem Monitor in die Vergangenheit mehr als lebendig.

Kritik
Acht Jahre, und die Welt hat sich von innen nach außen gestülpt – zumindest wenn es um Tony Scott, Ridleys kleinen Bruder geht, der schon immer gern mit dem Puls der Zeit hüpfte. Damals, 1998, als Will Smith in Der Staatsfeind Nr. 1 zum gläsernen Menschen gemacht wurde, da waren die Überwacher die bösen Verschwörer; die Leute, die uns unsere Freiheit rauben wollten.
Ein 9/11 und Jahre der Verunsicherungsstrategien später ist Deja Vu - Wettlauf gegen die Zeit nichts anderes als die reaktionäre Negativkopie davon: Der schwarze Held ist noch schwarz geblieben, doch sonst hat alles seine Couleur gewechselt. Sicherheit geht vor Freiheit, Überwachung ist das beste wo gibt. Spechtle einer Schönheit unter die Dusche und nenne es Spurensuche. Und das ganze auch noch vor der Kulisse des sich gerade aus dem fauligen Wasser erhebenden New Orleans - Vielleicht wäre selbst die Flut nicht passiert, hätte man diese kriminellen Elemente samt und sonders abgehört?

Um diesen doktrinären Sinneswandel zumindest ein wenig zu kaschieren, tarnt sich der Film als Sci-Fi-Krimi – ein bisschen von Time Cop hier, ein wenig Minority Report da, die Serie Seven Days dazugenommen und ein paar Überwachungs-Rafinessen eingebaut, bei deren Anblick die drehbare Einkaufstasche aus Staatsfeind Nr. 1 richtiggehend plausibel wird. Auch die Nebenrollen würden nicht gerade zur Glaubwürdigkeit der Produktion beitragen: Jim „passionierter Jesus“ Caviezel als fanatischer Bösewicht und Val Kilmer, der seit langem nur noch dreht, was ihm gefällt, fallen eher in die Fraktion Spaßcharaktere, genau wie Adam Goldberg, obwohl der hier zum ersten Mal seit zehn Jahren keinen cholerischen Auszucker spielt.
Die Credibility holt sich die Produktion also von ihrem Hauptdarsteller, Denzel Washington. Dem kauft man immer noch mit Wonne die moralische Instanz ab, obwohl eine Rolle wie in Glory, Malcolm X oder Die Akte lange her ist, und selbst wenn er hier seinen über die Maßen relaxten Südstaaten-Detective aus Out of Time herauskehrt, der sich wieder instinktiv durch jede Schwierigkeit manövriert. Ganz zu schweigen davon, dass sein Held die Bürgerrechte mit Füßen tritt.

Um sich über diesen technisch einwandfreien, solide gespielten Müll zu ärgern reicht aber schon der Patriotismus, den der gewaschene Brite Tony Scott zur Eröffnung – und dann nochmal in der Zeitreisen-Wiederholung im Finale – auffährt: Matrosen, Fahnen, amerikanischer Stolz; Mütter mit Kindern, Puppen im Wasser – es wird einem speiübel dabei, diesem breitgetretenen Nationalismusidyll zuzusehen; einer entsetzlichen Tirade an Heimat, deren effektvolle Zerstörung im Anschluss jedem aufrechten Amerikaner das Herz zerreißen soll. Hier geht es nicht um eine gute Story, hier geht es darum, Leid, Hass und Spannungen zu schaffen, aus denen sich Kapital schlagen lässt.
Das letzte, was wir heute noch brauchen, sind Zündler. Gerade wenn sie in Form von Blockbusterregisseuren kommen.
Die deutsche Filmseite
http://www.bvimovies.com/de/deja_vu/