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Ein Freund, ein guter Freund...
Einfach mal fünfe gerade sein lassen: Jürgen Vogel und Daniel Brühl zeigen sich in Ein Freund von mir als ungleiches Gespann mit mathematisch errechenbarer Näherungskurve.


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Aus der Sicht von Valerie Seufert

Karl (Daniel Brühl) ist ein gutbezahlter, aber unzufriedener Versicherungsmathematiker. Während eines Sonderauftrags in einem Autoverleih lernt er Hans (Jürgen Vogel), einen schlechtbezahlten, aber zufriedenen Gelegenheitsarbeiter kennen, der zur Zeit mit Stelle (Sabine Timoteo) sein privates Glück gefunden hat. Es entwickelt sich während einiger verrückter Unternehmungen (wie z.B. die durch den Trailer jetzt schon zu Berühmtheit gelangte Nackt-Fahrt im Porsche) eine Freundschaft zwischen den beiden Männern.

Kritik
Jürgen Vogel stürzt sich in einem nie dagewesenen Eifer bei der Rollenauswahl von einem Extrem ins andere. Einmal Vergewaltiger (Der freie Wille), dann der nette Kommissar Glockner, der TKKG bei der Verbrecherjagd unterstützt. Erst der pedantische Autoverkäufer Max in Emmas Glück, nun in Ein Freund von mir der überdrehte Porschefan ("der topste Sportwagen überhaupt"), der Daniel Brühl nicht nur die Freude am Leben, sondern auch die eigene Freundin näherbringt. Und auch innerhalb des Buddy Movies werden die Gegensätze auf die Spitze getrieben. Schon nach der Hälfte der Einstellungen, die zum Einsatz kommen, um das Stereotyp zu zeichnen, wird klar, dass Brühls Figur Karl den klassischen Karrieremenschen darstellt – erfolgreich im Beruf, unglücklich im Privatleben. Der schwach begründete Undercover-Auftrag in einem Verleihunternehmen dient offensichtlich einzig und allein dem dramaturgischen Zweck, irgendwie den Antipoden Hans ins Spiel und Karl vom Büro ins Auto zu bringen. Die Vorgeschichte beider blendet Drehbuchautor und Regisseur Sebastian Schipper in seinem Zweitlingswerk nach Absolute Giganten komplett aus.

© Filmladen Filmverleih
Nacktporschefahren

Trotz der teilweise auffälligen Konstruiertheit weckt die Geschichte beim Zuschauer größte Sympathien; sowohl für den Trauerkloß Karl als auch für Hans, der wahrhaft ein Ausbund an Frohsinn, Naivität und Gutmütigkeit ist. Vielleicht weil die beiden Hauptdarsteller eben das tun, was sie am besten können und wobei sie sich am wohlsten fühlen: Daniel Brühl darf mal wieder unendlich tief sein und über sein feines Mienenspiel containerweise Metatext transportieren; Exhibitionist Vogel zeigt eben soviel Haut, wie die FSK diesmal erlaubt und lässt bei seinem ansteckenden Dauergrinsen sämtliche acht Zähne blitzen. Sabine Timoteo durfte an Jürgen Vogels Seite in Der Freie Wille schon mehr von ihrem Können zeigen, bleibt aber wieder in durchaus positiver Erinnerung. Während 84 kurzweiliger Minuten, die unaufhaltbar auf die Läuterung des Melancholikers zusteuern, wird jede Menge Charme und Witz versprüht, die in Kombination mit einem sehr angenehmem Soundtrack den Film zu einem sehenswerten Abendfüller machen.

Trivia - Geschichten und Gschichterln
Der Titel entstammt einem Dialog, in dem Stelle ihrem Exfreund den ihr nahezu unbekannten Karl als "Karl, ein Freund von mir" vorstellt.

Daniel Brühl und Sabine Timoteo haben einige Dialogzeilen auf Spanisch. Kunststück; schließlich hat Daniel Brühl nicht wie Karl "zwei Wochen dort studiert", sondern ist mit Spanisch als zweiter Muttersprache aufgewachsen. Sein voller Name lautet übrigens "Daniel César Martín Brühl González Domingo". Sabine Timoteos Verbindung zu Peru besteht im Unterschied zu ihrer Filmfigur nicht im Vater, sondern in ihrem Ehemann.

Zitat
Hans klärt Karl im Flugzeug überschäumend über die Wunder der Technik auf: "Und deswegen fliegen wir! Ist doch voll geil!" [...] Karl: "Kannst du mich mal kurz in Ruhe lassen?"

Hans, der glaubt, Karl hätte früher einmal wirklich Theologie studiert (mit Bezug auf seine "Königin"): "Sach mal...kannst du uns nicht so'n bisschen verheiraten?"