Die Mafia schleust einen ehrgeizigen Jungverbrecher (
Matt Damon) beim Boston Police Department ein. Dort hatte man die gleiche Idee: ein Polizeischüler aus schlechter Familie (
Leonardo DiCaprio) arbeitet sich undercover beim organisierten Verbrechen hoch. Kompliziert und tödlich wird’s, als die beiden vom jeweiligen Zweit-Arbeitgeber auf sich selbst als Maulwurf angesetzt werden. Und sich in die selbe Frau verlieben.
 |
| Matt Damon und Leonardo DiCaprio auf verschiedenen Seiten des Gesetzes. Und eines LKWs. |
Leo,
Matt,
Wahlberg,
Sheen (
Martin) und
Baldwin (
Alec) hin oder her: der Sieg geht zweifellos an
Jack Nicholson. Der darf als Mafiaboss Frank Costello endlich wieder einmal tun, was er am besten kann: böse und gefährlich sein mit einem Hang zum (Größen)Wahn(sinn), die coolsten Sprüche klopfen und nebenbei auch noch so tun, als ob er nicht in den letzten Jahren in nur selten überdurchschnittlichen Komödien mitgespielt hätte. Er trägt einen Morgenmantel mit Raubtiermuster, der jeder Beschreibung spottet, darf mit einem riesigen schwarzen Dildo herumfuchteln und mit einer großzügigen Handbewegung kiloweise Koks hübschen Damen vor die Nase werfen. Schön! Jeder Vorwurf,
Nicholson übertreibe in seiner Rolle, ist ein grundsätzliches Missverständnis – Maßlosigkeit ist seine Gabe.
DiCaprio ist ein großer Schauspieler, das stellt er hier einmal mehr unter Beweis – das ewig jugendliche Gesicht kommt ihm hier zugute, ganz im Gegenteil zu
The Aviator. Und kaum einer kann Abgründe hinter einem freundlichen Gesicht besser darstellen als
Matt Damon, das bewies er schon in
Der talentierte Mr. Ripley.
Wahlberg wird langsam erwachsen und darf am laufenden Band nicht jugendfreie Unflätigkeiten ausspucken,
Baldwin macht einen auf sympathisch, nur der alte
Sheen bleibt eher blass.
 |
| Jack Nicholson, wie wir ihn kennen, lieben und immer gerne sehen. |
Scorsese macht endlich wieder das, was seine guten Filme ausmacht: einen guten Cast durch eine gut gefilmte böse Geschichte jagen und gleichzeitig möglichst viele Nummern von den Rolling Stones auf den Soundtrack packen (Kann ein Film schlecht sein, der mit „Gimme Shelter“ anfängt? Nein.). Glatt vergessen ist die Tortur, die man sich mit dem Begutachten von
The Aviator und
Gangs of New York und ihren nicht enden wollenden Längen durch konsequentes Sitzenbleiben im Kinosaal selbst auferlegte.
 |
| Jack Nicholson und Leo DiCaprio auf verschiedenen Seiten des Frühstückstisches. Man beachte den Morgenmantel. |
Die Handlung allein sucht im US-Filmschaffen der letzten Jahre auf dem Thriller-Sektor ihresgleichen. Die Ähnlichkeit der Strukturen bei Mafia und Polizei, das einsame Dasein unter falscher Identität auf beiden Seiten, das sind wirklich spannende Themen (lassen wir mal den hier eher mäßigen Subplot mit der zufälligerweise geteilten Quotenfrau im Männergenre weg). Kunstgriffe wie jener, den Klingelton eines Handys bei einer räumlich nahen Versteck-Spiel-Situation zum Verhängnis führen zu lassen – schlicht großartig. Die Inszenierung aller wichtigen konspirativen Zweier-Treffen auf Hausdächern mit herrschaftlichem Blick über ganze Skylines bei nichtsdestotrotz vorherrschender Paranoia – beeindruckend. Und da wären wir auch schon beim Problem: Das alles gab es schon in der Vorlage von
The Departed,
Wu Jian Dao/Infernal Affairs. Die Behauptung im Pressetext, dass das Original mehr als „Inspiration“ denn als Vorlage diente, tut in diesem Zusammenhang weh. Nichtsdestotrotz ist hier ein neuer, eigenständiger Film entstanden. Der Unterschied:
Scorsese ist erdig, brutal und blutrünstig, das Original war cool, slick und kurz angebunden – einer der wenigen zulässigen Vorwürfe an die Drehbuchautoren von
The Departed ist wohl, dass man es mit den erklärenden Dialogen ein bisschen zu genau nahm. Die ganz konkrete, zeitlich limitierte politische Situation des Originals, das in den Wochen vor der Übergabe von Hongkong an China spielte, machte die Sache allerdings prekärer, während die Handlung gleichzeitig dieselbe ewige Gültigkeit behielt. Aber das sind Kinkerlitzchen angesichts der erfreulichen Tatsache, dass Scorsese endlich mal wieder einen vernünftigen Film abgeliefert hat. Der erste Regie-Oscar nach insgesamt sechs Nominierungen wäre verdient; Wollen wir hoffen, dass es nicht das Gnadenbrot, der Preis für’s Lebenswerk, wird. Günstige Versionen des Originals
Infernal Affairs sollen übrigens Gerüchten zufolge im gut sortierten asiatischen Lebensmittel-Handel erhältlich sein.