Ein gelber VW-Bus und eine Familie. So einfach kann das Rezept für einen gelungenen Film sein.
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Die siebenjährige Olive Hoover (Abigail Breslin) aus Albuquerque in New Mexico hat in den Ferien bei ihrer Tante an einer Miss-Wahl teilgenommen und den zweiten Platz belegt. Überraschend muss die Siegerin den Titel abtreten und Olive darf zum Little Miss Sunshine- Wettbewerb nach Kalifornien fahren. Damit geht für das ambitionierte, aber optisch nicht so recht schönheitskönigliche Mädchen ein Traum in Erfüllung. Weil ein Flugticket für die Familie zu teuer ist und der suizidale Onkel (Steve Carell) aus Sicherheitsgründen nicht allein gelassen werden darf, tritt die skurrile Sippe in einem klapprigen sonnengelben VW-Bus die Reise an.
Kritik
Eine leicht verkorkste Familie macht in einem US-Indie-Film diverse Ver- und Entwicklungen durch. Das klingt nicht gerade besonders innovativ. Was hat dieser Film also, was ihn sehenswert macht? Die Antwort ist schlicht und einfach: jede Menge Charme.
Little Miss Sunshine ist voll mit hinreißender Komik und kleinen Tragödien des Lebens, und das alles passt in diesem Film in einen alten VW-Bus. Die Familie Hoover hat alles zu bieten, was man für gelungene Pointen braucht: Einen erfolglosen Erfolgsexperten als Vater (Greg Kinnear), eine Mutter, die es eigentlich nur gut meint, aber ihre Schwächen hat (Toni Collette), einen schweigenden Nietzsche-Fan mit militärischen Ambitionen (Paul Dano), einen drogenabhängigen Opa mit Vorliebe für Pornoheftchen (Alan Arkin), einen selbstmordgefährdeten, homosexuellen Literaturprofessor (Steve Carell) und ein in seiner Unvollkommenheit absolut entzückendes kleines Mädchen (Abigail Breslin). Alle Familienmitglieder sind dicht an der Grenze zum Klischee angesiedelt, überschreiten sie jedoch in keinem Augenblick. Ihr gesamtes Handeln bleibt immer menschlich.
Das Regie-Paar Jonathan Dayton und Valerie Faris, das bisher hauptsächlich Musikvideos gedreht hat, inszeniert das Familienroadmovie mit großartiger Besetzung locker und dynamisch. Die Dialoge sind ungekünstelt und witzig. Überhaupt scheint der Drehbuchautor Michael Arndt sein Handwerk zu verstehen. Er geht auf jede seiner Figuren ein, nutzt das Konfliktpotential zwischen ihnen (und ihrem Auto) aus und manövriert die illustre Runde quer durch den amerikanischen Südwesten von einem tragikomischen Moment zum nächsten, hin zu einem genialen Finale. Während all der grotesken Situationen, denen die armen Hoovers ausgeliefert sind, wirft ganz unaufdringlich immer eine Frage ihren Schatten auf sie herab - und die wäre: Wo führt sie eigentlich hin, die Leistungsgesellschaft? Die leise Antwort, die Little Miss Sunshine darauf anbietet, ist beruhigend: Vielleicht in letzter Konsequenz zurück zur Familie.
Wenn einem dieser Film nicht den Tag, die Woche oder das Leben ein bisschen sonniger erscheinen lässt, dann helfen wohl nur noch beständiges Schweigen, harte Drogen oder Erfolgsratgeber mit einfachem Neun-Stufen-Programm.
Trivia - Geschichten und Gschichterln
Pummelige Kinder, die noch dazu gut spielen können, scheinen schwer zu finden zu sein. Abigail Breslins Rundungen in der Rolle der Olive haben ihren Ursprung nicht in einer Überdosis Schokolade, sondern in der Maske.
Richard: "Oh my God, I'm getting pulled over. Everyone, just...pretend to be normal."
Olive: "Grandpa, am I pretty?"
Grandpa: "You are the most beautiful girl in the world."
Olive: "You're just saying that."
Grandpa: "No! I'm madly in love with you and it's not because of your brains or your personality."
Grandpa:"A real loser is someone who's so afraid of not winning he doesn't even try."
Dwayne: "Life is one fuckin' beauty contest after another."