Nathalie Portman zeigt Mut zur Hässlichkeit. In Milos Formans neuer Kunsthistorienverfilmung spielt sie die von der spanischen Inquisition stark ausgemergelte Muse des Malers Francisco de Goya.
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Kritik
Spanien, Ende des 18. Jahrhunderts. Schreie in den dunklen, feuchten Gassen. Blut sammelt sich in kleinen Lachen am Kopfsteinpflaster. Der stechende Geruch von Angstschweiß und Tod gemischt mit verbranntem Fleisch liegt in der Luft. Der Scheiterhaufen mit den verkohlten Überresten des Ketzers glost noch etwas vor sich hin. Langsam lichtet sich die Menge der Schaulustigen. Einige lachen ein lautes, selbstgefälliges Lachen, andere nicken nur still. Die Messer sind schon wieder gewetzt, um die nächsten Verräter an Gott und der Kirche hinzurichten.
So blutrünstig und finster könnte man die Zeit der tausenden „gerichtlichen Untersuchungen“ zum Schutze der Kirche und christlichen Religion beschreiben. Nicht in Worte, sondern in beklemmend treffende, schaurige Bilder setzte der der bekannte spanische Maler Francisco José de Goya seine Eindrücke der Inquisition und später der Napoleonischen Kriege um.
Grund genug für Regisseur Milos Forman, der mit seinem Oscar-gekrönten Historienfilm Amadeus schon für Furore gesorgt hat, dessen Biographie als Skript für einen Film zu verwenden. Eine Biographie mit zwei Seiten: einerseits ist da Goya der Hofmaler, der begnadete Portraitmaler, der angesehene Künstler und andererseits ein Mann, der in seinen Radierungen die Gefolterten, die Gehängten, die Verspotteten und Hingerichteten in einer von Unterdrückung und Krieg geprägten Gesellschaft zeigt. Eine Kritik an Staat und Kirche, die bei den regierenden Instanzen nicht unbedingt auf Gegenliebe stieß.
Goya, gespielt von Stellan Skarsgard, schlüpft zunächst in die Rolle des Beobachters, der sich in der vom Klerus streng überwachten Umwelt zurechtzufinden versucht. Seine Muse, die schöne Inés (Natalie Portman), wird eines Tages aus heiterem Himmel vor als Tribunal der Inquisition gezerrt und der Ketzerei beschuldigt. Der Maler fühlt sich mitverantwortlich für die Beschuldigungen, und als Inés gefoltert und in den Kerker geworfen wird, setzt er alles daran, sein schönes Modell zu befreien. Der Goya vermeintlich freundlich gestimmte Mönch Lorenzo (Javier Bardem) vergeht sich an der jungen Frau und sorgt dafür, dass sie 16 Jahre lang in den Kellergewölben des Gefängnisses dahinvegetiert. Nachdem Lorenzo aus Spanien geflohen ist, schließt er sich den Truppen der französischen Revolution an. Er kommt, von den Idealen Napoleons überzeugt, nach Spanien zurück und beeinflusst erneut das Schicksal des Malers und seiner Muse.
Die schauspielerisch vor allem von Javier Bardem (Mar adentro - Das Meer in mir) erbrachten Höchstleistungen werden durch den faden, zusammenhangslosen Plot leider vermindert. Gut, Forman hat es durch die filmische Übersetzung der düsteren Radierungen Goyas zwar geschafft, einen Eindruck der damaligen Zeit zu vermitteln, aber es kommen weder Spannung noch eine tatsächliche Geschichte auf. Nur die biographischen Stationen seiner Figur abzuarbeiten und einzelne Zeichnungen eins zu eins als Szenerie zu übernehmen, scheint als Grundlage für eine Filmhandlung doch etwas zu dünn. Dieses Manko macht den Film zu einem lose zusammenhängenden Kostümfilm mit teilweise brutalen Folterszenen. Nicht mehr, nicht weniger.