Im Original lautet der Titel von
Glück in kleinen Dosen The Chumscrubber. Der gleichnamige Held eines Videospiels zieht kopflos in eine Welt voller zügelloser Wilder. Diese Analogie wird über den ganzen Film fortgeführt und zeigt, dass die verwöhnte weiße Vorortjugend, die sich nur für Drogen und Videogames interessiert, in
Glück in kleinen Dosen noch um einiges rationaler ist als die Erwachsenen.
Rita Wilson und
Glenn Close spielen die Mütter des entführten Jungen und von Troy, der sich aus der Vorortwelt mittels eines Stricks verabschiedet hat. Während die Eine, vernebelt von ihrem übersteigerten Ego und ihrer bevorstehenden Hochzeit mit dem entrückten Bürgermeister der Stadt (
Ralph Fiennes), nicht einmal bemerkt, dass ihr Sohn tagelang verschwindet, kann sich Troys Mutter (
Close) nicht von ihrer Fassade lösen.
Dem intelligenten und abgeklärten Dean wird ebenso wenig eine Chance gelassen, mit dem Freitod des Freundes fertig zu werden. Lieber setzt ihn sein Vater, seines Zeichens Psychiater und literarischer Guru, unter Drogen. Trotzdem ringt er sich dazu durch, den entführten Charlie (
Rory Culkin) aus den Händen der White-Trash–Clique, die an Troys Pillen will, zu befreien.
 |
Um ihn und doch nicht bei ihm: Deans Eltern (v.l.n.r.: Allison Janney, Jamie Bell, William Fichtner) |
Das wirklich Bestürzende an
Glück in kleinen Dosen ist die Distanz zwischen Teenagern und Erwachsenen von Hillside. Ohne jegliche Vertuschungsversuche läuft die Entführung ab. Die Erwachsenen interessieren sich einfach nicht dafür, was mit ihrem Nachwuchs passiert. Ohne dies explizit zu machen, schafft
Arie Posin den Eindruck, dass die etablierte Erwachsenenwelt noch wesentlich drogenaffiner ist als die Jugend, die eigentlich rebellieren sollte. Doch gegen was soll man ankämpfen in der glänzenden Vorortwelt, in der alles erlaubt ist, weil die Eltern in eingebildeter Liberalität alles erlauben?
Glück in kleinen Dosen ist ein kleiner, feiner Film, der einen nachdenklich zurücklässt, ohne wirkliche Tiefen des Themas zu erreichen, wie es etwa
Der Eissturm von
Ang Lee getan hat. Regisseur
Posin setzt nicht auf offensichtliche Lacher, schafft es aber, mit Hilfe seiner großartigen Schauspieler (vor allem
Glenn Close, die vortrefflich im Wahn versinkt), den Zuseher auf eine gewisse Weise ein bisschen zu betäuben – genauso wie die vielen bunten Pillen, die der ganze Vorort so gern schluckt.