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© 2006 Sony Pictures Releasing GmbHVorbei die Zeiten des smarten englischen Gentleman! Bei Daniel Craig wird James Bond zum schwitzenden Muskelprotz, der die Faust der Pistole vorzieht.


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Vorab gesehen von Reinhard Bradatsch

James Bond (Daniel Craig) verfolgt Le Chiffre, einen geheimnisvollen Finanzier weltweit operierender Terroristengruppen. Ein Handy mit der kryptischen SMS-Botschaft „Ellipsy“ bleibt nach einem tödlichen Schusswechsel auf Madagascar als einziger Hinweis zurück. Dieser führt ihn auf die Spur von Dimitrios, der für den rücksichtslosen Geldwäscher Le Chiffre (Mads Mikkelsen) in Miami einen Auftrag ausführen soll. Bond kann zwar Dimitrios überwältigen. Einen von Le Chiffre geplanten Anschlag am Flughafen von Miami verhindert der Agent jedoch nur knapp.
Um Le Chiffres Umtriebe zu stoppen, muss 007 ein gefährliches Pokerspiel im „Casino Royale“ eingehen. Den Einsatz des von der Regierung zur Verfügung gestellten Geldes überwacht dabei die attraktive Beamtin des britischen Schatzamtes, Vesper Lynd (Eva Green). Bond kann das Spiel zwar gewinnen, doch seine Zuneigung zu Lynd bringt ihn in ungeahnte Schwierigkeiten.

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James Bond (Daniel Craig) - einmal nicht in der gewohnten Arbeitskleidung


Kritik

Sein Name ist Craig, Daniel Craig. Das Produzentenduo Broccoli/Wilson bewies nach dem unterschwelligen Spiel von Pierce Brosnan, der nach Stirb an einem anderen Tag das Agentenbüro endgültig räumte, gleich zweimal Mut: einerseits in der Courage, die Hauptrolle des größten englischen Filmexports einem blonden, grobschlächtigen Boxerface zu überantworten; zum anderen im völligen Bruch mit bisherigen Konventionen. Letztere orientierten sich zuletzt weniger an den literarischen Vorlagen Ian Flemings als an einer Produktschau neuester CGI’s und an der Demonstration guter Tischmanieren.

Casino Royale war Flemings erster Roman über den Geheimagenten ihrer Majestät: eine geradlinige Kriminalgeschichte mit Referenzen an den Kalten Krieg unter – damals selbstverständlicher – Dämonisierung des Gegners Sowjetunion. Bond stand am Anfang seiner Laufbahn: Sein Hang zu britischer Noblesse, sein Umgang mit dem anderen Geschlecht, seine Selbstsicherheit waren dabei noch ebenso wenig ausgeprägt wie die Wahl seines Lieblingscocktails.

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Bond (Daniel Craig) muss von M (Judi Dench) erst in die "Job description" eines Agenten eingeweiht werden

Casino Royale anno 2006 ist keine Rückblende in die 50er geworden. Regisseur Martin Campbell enthält sich eisern jeglicher Nostalgie. Lediglich ein paar Accessoires, wie Bonds Umstieg vom klapprigen Ford auf den Aston Martin, erinnern nach außen an die Anfänge einer Spionagekarriere. Bereits in der Titelsequenz, von Chris Cornells schroffem „You know my name“ angetrieben, wird klar: Bond neu schwitzt, keucht und flucht; einer, der anpackt und sich auch mal die Hände schmutzig macht (konsequenterweise tauscht Craig erst im letzten Drittel die Freizeitkleidung gegen den schwarzen Anzug). Elektronische Gadgets spielen in Bonds Arbeitswelt eine untergeordnete Rolle: Selten hat ein 007 so wenig Material verschlissen.
Obwohl sich damit erstmals ein Film aus der Reihe annähernd an die Vorgaben Flemings hält, ist Daniel Craig dem Heldenimage des modernen, stark körperbetonten Actionfilms viel näher als dem zynischen Dandy-Charme seiner Vorgänger: kaum eine Szene, in der Bond nicht seine Muskeln durch das enge Hemd durchscheinen lässt.

Während Campbell zuhauf den gestählten Oberkörper seines Hauptdarstellers im Visier hat, müssen Bonds weibliche Gespielinnen mit einem auffallenden Wettbewerbsnachteil fertig werden: Entweder machen sie nach wenigen Szenen Bekanntschaft mit dem Auftragskiller oder sie tappen als blasse Mauerblümchen durchs Bild. In der Rolle des „love interest“ und Begleiterin über 2/3 des Films hat Eva Green den schwarzen Peter: Zwischen kühlem Witz (zunächst) und schmachtender Blicke (später) wechselnd, gibt sie das bisher farbloseste aller Bond Girls. Und dennoch: Als eher durchsichtige Regierungsbeamtin darf sie – und das ist einer der seltenen Anleihen an die Anfänge – 007 nicht nur verführen, sondern ihm auch das Herz brechen. Casino Royale erinnert insofern mit seinem Hang zur Ausformulierung von Schwächen und der Offenlegung von Emotionen am ehesten an George Lazenbys fragilen Geheimagenten in 007 - Im Geheimdienst ihrer Majestät.

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Bond (Daniel Craig) und Lynd (Eva Green): Langsam wachs ma zsamm

Dessen Plot mag zwar mehr Haken haben, doch entfaltet Bond Nr. 21 in seiner Geradlinigkeit umso mehr Genre-Qualitäten: Casino Royale ist im ersten Teil eine spaßige Verfolgungsjagd mit einzelnen Verschnaufpausen und wenig Humor. Die folgende, knapp 45 Minuten dauernde Casino-Szene entlädt dann Psychothrill auf höchstem Niveau – mit einem Bösewicht, bei dessen Wahl ausnahmsweise nicht der Starfaktor, sondern das Charisma ausschlaggebend war. Und wer noch immer nicht genug hat, erlebt ein rasantes (wenn auch zu langes) Finale mit Unterwasser-Befreiungsversuch, in dem Bond seine zerbrechliche Seite zeigt.

Casino Royale könnte damit tatsächlich eine Zeitenwende markieren: eine Abkehr von der Ironisierung des eigenen Helden hin zu ehrlichem Actionkino.


Trivia - Geschichten und Gschichterln

Die Stadt in Montenegro, in der Bond im Casino Royale gegen Le Chiffre antritt, ist in Wahrheit das in Tschechien gelegene Karlsbad. Andere Drehorte befanden sich auf den Bahamas, in Italien (Comer See, Venedig), in Tschechien und natürlich in Bonds Heimat Großbritannien.

Auch in Casino Royale kommt das Product Placement nicht zu kurz. In einem Cameo sieht man für 2 Sekunden Virgin-Captain Richard Branson im Flughafengebäude von Miami.

Bonds neues (altes) fahrbares Spielzeug ist der Aston Martin DBS, der erst 2007 für Otto Normalverbraucher zum Verkauf bereit steht.


Zitat

M: “Crush, I miss the Cold War.”

James Bond (beim Spiel im Casino): „I made a mistake. Maybe I was impatient.”
Le Chiffre: “You lost because of your ego.”

Barkeeper zu Bond: “Shaken or stirred?”
Bond: “I don’t give a damn.”

Le Chiffre zu Bond: “You’ve taken good care of your body.”

Bond zu Vesper Lynd: “Whatever I am, whatever’s left from me, I’m yours.”

Und nochmal - diesmal bezogen auf Vespers Namen: "Vesper? I do hope you gave your parents hell for that!"

M zu Bond: “You don’t trust anyone, do you?”

Deutsche Website zum Film:
http://www.casinoroyale-derfilm.de