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Die Kunst der Verführung
© 2006 Twentieth Century FoxNichtraucher aufgepasst! Aaron Eckhart als Tabakindustrie-Lobbyist könnte Sie zum Nikotin-Junkie machen.


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Inhalliert hat Reinhard Bradatsch

Kritik

Die Zeiten, als Humphrey Bogart cool am Glimmstengel zog und Lungenkrebs mit allem, nur nicht mit dem Rauchen in Verbindung gebracht wurde, sind Geschichte. Rauchen ist uncool. Auch das Kino, jenes Medium, das gewöhnlich auf gesellschaftliche Entwicklungen am eiligsten reagiert, hat sich den blauen Dunst längst abgewöhnt.
(Lediglich Ausnahmekönner Jim Jarmusch durfte es sich vor 3 Jahren leisten, Steve Buscemi, Tom Waits & Co. mit Coffee and Cigarettes am Caféhaustisch entspannt philosophieren zu lassen.)

Also, die Zigarette ist tot. Es lebe die Zigarette! Wenn etwas ganz abstinkt, dann hilft nur noch Satire. In seinem ersten Spielfilm hat Jason Reitman geschickt den Zeitgeist für sich gepachtet. Und mit Aaron Eckhart in der zwiespältigen Rolle des Tabak-Lobbyisten Nick Naylor hat der Sohn von Komödien-Spezialist Ivan Reitman ebenfalls einen Glücksgriff getan: Aalglatt, rücksichtslos und rhetorisch begnadet, zieht Naylor für die unter dem Konglomerat der Forschungsinstitution „Academy of Tobacco Studies“ aneinander geschmiedete Tabakindustrie gegen alles, was nach frischer Luft riecht, zu Felde.
Gesundheitsorganisationen, Pädagogen (Naylor schafft es sogar, in der Schule den Kleinen das Rauchen als Äußerung freier Meinung zu verkaufen), lungenkrebskranke Jugendliche, selbst den streitsüchtigen Senator (William H. Macy) steckt er sprachlich mühelos er in die Tasche. Nicht scheint ihn aufzuhalten. Ein sich langsam dem Tod entgegen paffender Robert Duvall – als „Big Boss“ Doak Boykin – beauftragt ihn, das schlechte Image von Nikotin und Teer mit Hilfe Hollywoods zu heben: Das Kino sei schon immer perfekter Botschafter gewesen – und wenn Tom Cruise und Catherine Zeta-Jones im Raumschiff übereinander herfielen und dann die Zigarette danach entzündeten, sollten moralisch infiltrierte Teenies wieder zu braven Konsumenten werden.

© 2006 Twentieth Century Fox
Das Triumvirat des Bösen: Maria Bello, Aaron Eckhart und David Koechner

Christopher Buckleys 1994 erschienene, Abrechnung mit dem neo-liberalen Amerika, seine Bestandsaufnahme der amerikanischen Leichtigkeit, gepaart mit Profitdenken und Tellerwäscher-Mentalität, wurde in einer Zeit, als sich erstmals Globalisierungsgegner formierten, zum Bestseller. Reitmans Umsetzung hätte ähnlich starker Tobak sein können, ist aber leider nur die milde Sorte: Die Handlung biegt immer dort ab, wo Amerika von seinem eigenen Wahnwitz überrumpelt wird. Eine der schönsten Perversionen in Buckleys Vorlage, die M.O.D. Squad (kurz für Merchants of Death) etwa, ein wöchentliches Jour fixe der ökonomischen „Bad Guys", bestehend aus Tabak-, Alkohol- (Maria Bello) und Waffenindustrie (David Koechner), verkommt zur Therapiestunde.
Thank You for Smoking hat seine großen Momente im Nebensächlichen: Naylors Besuch im millionenschweren Glaspalast eines Filmproduzenten, in dem der, im künstlich angelegten Teich herumschwimmende Fisch bereits teurer ist als die Sekretärin; oder der Versuch Naylors, den am Zigarettenkonsum zu Grunde gehenden „Marlboro-Man“ mit dem Inhalt eines silbernen Koffers zum Schweigen zu bringen.

Naylor, der von seinem Sohn gefragt wird, was er eigentlich beruflich mache, erklärt Lobbying als etwas Grundanständiges: nicht verhandeln, argumentieren. Auch der Film lässt sich nicht auf Konfrontationen ein. Der selbst ernannte „Mörder tausender Menschen“ erspielt sich schlussendlich vor dem Senatorenkomitee als auch vor dem Zuschauer die Rolle des netten Onkels von nebenan. Die Figur des Nick Naylor mutiert zum braven Familienmenschen, der noch einmal die Kurve kratzt und seinem Sohn zuliebe den Job des Rattenfängers aufgibt. Am Ende haben sich alle lieb. Wir hätten gern das Böse siegen sehen – in der Realität ist es ja auch nicht viel anders.


Trivia - Geschichten und Gschichterln

Vor Thank You for Smoking drehte Jason Reitman Kurzfilme, u.a. die Komödie Operation. Mit nur 19 Jahren reichte er den Film beim Sundance Film Festival ein und war damit einer der jüngsten Teilnehmer in der Geschichte des Festivals.
Von 2000 bis 2005 gewann er als Werbefilmregisseur zahlreiche Auszeichnungen und wurde sogar in Cannes bei den Commercial Awards geehrt.


Zitat

Nick Naylor: "Michael Jordan plays ball. Charles Manson kills people. I talk. Everyone has a talent."

BR: "We don't sell Tic Tacs, we sell cigarettes. And they're cool, available, and addictive. The job is almost done for us."

Offizielle Website zum Film:
http://www2.foxsearchlight.com/thankyouforsmoking/