Was im ersten Augenblick wie eine spannende Lolita-Variante klingt, entpuppt sich bereits nach kurzer Zeit als öde Angelegenheit mit Parallelen zu sonntäglicher Rosamunde-Pilcher-Schonkost. Da geht es auch vorwiegend um schöne, raue Landschaften und ein Paar, das sich am Ende glücklich in die Arme fallen kann, sei die Handlung auch noch so konstruiert. Bei einer der britischen Cornwall-Geschichten ist jedoch wenigstens ein Mindestmaß an reiner Unterhaltung vorhanden. Erschwerend kommt bei
Sommer 04 noch hinzu, dass das Interesse an den öden Figuren schon nach kurzer Zeit fluchtartig die Vorstellung verlässt. Von den dargestellten Personen hat keine Ecken und Kanten. Sie sind nur Schemen, die ohne jegliche erkennbare Motivation agieren. Da hilft es auch nicht wirklich, dass
Martina Gedeck in knappen Hüllen und ihre männlichen Konterparts ganz ohne solche vergeblich versuchen, etwas Erotik ins Spiel zu bringen.
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| Miriam (Martina Gedeck) auf der Pirsch |
Dafür gestalten sich die Dialoge sehr unterhaltsam: Sogar in den dramatischsten Momenten sorgen sie für große Erheiterung. Drehbuchautor
Daniel Nocke hat sich sichtlich bemüht, starke Dialoge, wie man sie etwa aus französischen Filmen kennt, zu basteln. Es ist ihm streckenweise sogar gut gelungen. Die Aussagen erscheinen realitätsnah, doch das Drumherum und die steifen Spielweisen der Akteure bewirken eine Verschiebung ins Skurrile. Wenn Bill seiner Liebschaft Miriam erzählt, dass er doch noch in die zwölfjährige Livia verknallt ist, wirkt das aller Dramatik zum Trotz leider lachhaft.
Sommer 04 behandelt viel, handelt aber von wenig. Themen wie Pädophilie, Ehebruch und Tod werden aufs Tapet gebracht, und dort verweilen sie dann unkommentiert. Da nichts am Film fesselt, wird auch nicht einmal ein leichter Wunsch erweckt, sich geistig tiefer mit den Vorgängen zu beschäftigen. Man bleibt teilnahmsloser Beobachter der abstrusen Vorfälle, die zäh dem viel zu weit entfernten Abspann entgegenfließen. Am Ende blitzt zwar noch ein klitzekleiner Funke Spannung auf; Dieser wird jedoch schnell wieder von einer üblen Portion Hollywood-Romantik erstickt. Wäre der Film eine Bootsfahrt auf der Schlei, hätten viele Passagiere sicherlich mit Seekrankheit zu kämpfen.