Wenn alle auf hoher See vom Boot ins Wasser springen und die Leiter vergessen, birgt das ein gewisses Risiko. Aber wo bleibt da der Spaß?
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Als nicht enden wollende Tortur empfunden von Gisela Säckl
Kritik
Blöd, jetzt. Alle im Wasser und keine Möglichkeit, wieder zurück an Bord zu kommen. Die Situation ist manch einem nicht unbekannt. Das Tretboot, das es im Badeurlaub in Italien unweit der Küste zu erklimmen gilt, ist eine Herausforderung, aber im Bereich des Machbaren. Zur Not wird fluchend irgendwie zurück geschwommen. Nicht so in diesem Fall: Die Yacht ist nicht nur neu, sondern vor allem groß, die Küste nicht in Sicht und die Einzige mit Schwimmweste hat auch noch eine ausgewachsene Wasserphobie. Schöner Schaden.
Open Water 2, das Konstrukt hinter der Geschichte, zielt auf sämtliche Urängste ab, die einem so einfallen: Verdursten, obwohl man vom Wasser umgeben ist, Ertrinken, eben weil man von Wasser umgeben ist, Haie, Krämpfe, Ermüdung, die Anderen, die langsam aber sicher ausrasten, bis hin zu Erfrierungserscheinungen, Angstzuständen, Halluzinationen und dem unausweichlichen nahen Tod. Gesteigert wird das Ganze durch die immer wieder aufkeimende Hoffnung, das rettende Deck doch irgendwie zu erreichen, heim zu segeln und über die eigene Dummheit zu lachen.
Dieses Sequel von Open Water, der von einer ähnlich ausweglosen Situation zweier allein gelassener Taucher im offenen Meer handelt, kommt, man mag es kaum glauben, sogar ohne den obligatorischen Hai aus. Es geht, wie dieser Film eindrucksvoll beweist, auch wenn er nicht vorbeikommt - Zu Tode kommt man viel langsamer und schmerzvoller ohne einen schnellen tiefen Biss. Die Haianimationen fallen also schon einmal weg. Es kommen auch keine Killerquallen oder ein teuer eingekaufter Baywatch – Darsteller angeschwommen, es wird nur ganz lang und ganz qualvoll und ganz unausweichlich gestorben. Der Film hat, wie man so schön sagt „seine Längen“. Die schnellen Handkameraeinstellungen, wie man sie aus Blair Wich Project und teilweise aus dem Vorgänger Open Water kennt, kommen nur selten zum Einsatz, dafür „passiert“ zu wenig. Das größte Manko des Films ist aber die beinahe gänzlich ausgesparte Vorgeschichte der Protagonisten. Keine Lebenslieben à la Titanic oder andere gröbere Zwischenmenschlichkeiten, nur ein schnelles Kennenlernen und dann ab in die Extremsituation. Die Bindung zu den Charakteren tendiert dadurch gegen Null.
Somit ist dieser Film definitiv nichts fürs erste romantische Date im Kino, auch nichts für angehende Segeltörner und ganz sicher nichts für Menschen, die keine Lust haben zuzusehen, wie einer nach dem anderen untergeht.