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Styling-Tipps für Fortgeschrittene
Die Welt der Schönen und Reichen zeigt sich von ihrer modischsten Seite: Meryl Streep und Anne Hathaway im glamourösen Machtkampf zwischen Highheels und Designertäschchen.


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Die junge Journalistin Andrea (Anne Hathaway) bewirbt sich bei der weltbekannten Mode-Zeitschrift „Runway“ und wird als 2. Assistentin eingestellt. Von da an macht ihr die herrische Chefredakteurin Miranda Priestly (Meryl Streep) das Leben schwer und lässt sie ihre Abneigung deutlich spüren. Erst als Andrea sich auch von ihrer modebewussten Seite zeigt, wird sie nach und nach akzeptiert und beginnt eine Karriere bei „Runway“, die ihr bald die weniger schöne Seite der Modewelt vor Augen führt.

Kritik
Das Leben als ambitionierte, aber noch relativ ahnungslose Jungjournalisten in New York ist kein einfaches. Da muss man nehmen, was man bekommt, auch wenn man sich dabei zur persönlichen Leibeigenen einer arroganten und selbstgefälligen Chefredakteurin degradieren lassen muss. Das jedenfalls ist der Eindruck, den Der Teufel trägt Prada innerhalb der ersten halben Stunde vermittelt, und es ist schwer verständlich, warum gerade die doch relativ normal wirkende Stanford-Absolventin Andrea sich so um den Aushilfsjob bei dem versnobten Modemagazin „Runway“ bemüht. Aber wie es in Hollywood-Filmen nun mal so ist, wählt Chefredakteurin Miranda Priestly sie trotzdem für die ehrenvolle Tätigkeit der zweiten Assistentin aus, deren Aufgabe es ist, der ausbeuterischen Chefin alle Wünsche – und seien sie noch so unrealistisch – zu erfüllen. Da kommt es schon einmal vor, dass die verzweifelte Andrea ein Flugzeug für Miranda beschaffen muss, das sie aus dem Hurrican-gebeutelten Florida ausfliegt, oder Mirandas Zwillingstöchtern die noch unveröffentlichte Ausgabe des neuen Harry Potter-Bandes besorgen muss.

Auf gänzlich unsubtile Weise wird hierbei deutlich gemacht, worauf es in der Modewelt ankommt: Nicht Intelligenz und Fleiß sind ausschlaggebend für den Weg zum Erfolg, sondern gutes Aussehen und eine modebewusste Einstellung. Ein Seitenhieb auf die Modelbranche folgt dem nächsten und parodiert die Tendenz im Modebusiness, auf immer dünnere Mädchen zurückzugreifen. So etwa erklärt die dem Schlankheitswahn verfallene Emily (Emily Blunt) Andrea ihre neue Diät: „Ich esse gar nichts, und wenn ich merke, dass ich ohnmächtig werde, esse ich einen Käsewürfel.“ Denn Schönheit und die richtigen Körpermaße sind schließlich auch die Aufnahmekriterien, nach denen Miranda ihre Mitarbeiterinnen beurteilt und auswählt. Eine Rundumerneuerung durch Nigel (Stanley Tucci), Priestlys langjährigen Fotografen, ist also auch für die vorher unscheinbare Andrea unumgänglich und macht sie zu einer typischen „Runway“-Mitarbeiterin mit perfektem Styling und herablassenden Auftreten, die ihre Freunde vernachlässigt und sich auf einen Seitensprung mit ihrem Lieblingsjournalisten Christian Thompson (Simon Baker) einlässt. Wir sehen also wieder einmal, dass eine äußerliche Veränderung (zum Positiven?) nicht nur die Beliebtheit bei den Schönen, Reichen und übermäßig Schlanken erhöht, sondern auch den Charakter schwächt. Im Fall von Andrea passiert das so schnell, dass man schon wenige Designeroutfits später vergessen hat, wie sie eigentlich vorher aussah.

Der Teufel trägt Prada ist wieder ein Film, der den verzweifelten Selbstfindungstrip einer jungen Frau skizziert, die erst einiges falsch machen muss, um zu erkennen, was das Richtige ist. Im Unterschied zu anderen Hollywood-Streifen dieser Art, die oft mehr auf eine düstere Stimmung setzen, geschieht dies hier aber in einem schillernden und glamourösen Ambiente, das, hat man sich erst einmal an lächerliche Kreationen à la rosa Tüllrock mit blauem Gürtel gewöhnt, durchaus seinen optischen Reiz hat. Und auch wenn die humorvollen Einlagen gegen Ende etwas dürftig werden und man leicht das Gefühl bekommen kann, durch die sich immer schneller abwickelnde Handlung zu hetzen, so besitzt der Film doch durchaus Unterhaltungswert.

Das ist nicht zuletzt auf seine Darstellerinnen zurückzuführen, allen voran Meryl Streep als durchsetzungsstarke Magazin-Herausgeberin, der die ganze Modebranche zu Füßen liegt. Mit ihrer arrogant wirkenden Körpersprache und Sprechweise verkörpert sie die Rolle äußerst glaubwürdig und schafft es immer wieder, die Antipathien des Publikums auf sich zu ziehen. Und auch wenn sie gegen Ende des Films einmal ungeschminkt und müde zu sehen ist und dabei eine bis dahin unbekannte Seite ihres Charakters präsentiert, so ändert das wenig daran, dass ihr die Rolle der „Drachenlady“, wie Priestly von der Presse bezeichnet wird, wie auf den Leib geschrieben ist. Anne Hathaway als Andrea ist da schon etwas unauffälliger und geht besonders in ihren gemeinsamen Szenen mit der von sich selbst sehr überzeugten und herrischen Emily, gespielt von Emily Blunt, etwas unter.

Zwar ist Der Teufel trägt Prada nicht unbedingt einer der inhaltlich anspruchsvollsten Filme, für Freunde des Grellen und Bunten und all jene, die Meryl Streep schon immer als unausstehliche und hinterhältige Mode-Queen sehen wollten, ist er aber trotzdem einen Kinobesuch wert.

Zitat
Andreas Vater zu seiner Tochter: „Ich verstehe nicht, wieso jemand, der in Stanford Jura studieren hätte können, Journalismus studiert.“

Emily zu Andrea: „Gib’s zu, du hast deine Seele verkauft.“

Andreas Freund Nate: „Früher hast du dich über die „Runway“-Modepüppchen lustig gemacht. Jetzt bist du selber eines.“
Die deutsche Website zum Film:
http://www.prada-film.de/