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Traumwelten im Detail
Nicht unbedingt die Untiefen der menschlichen Psyche, aber zumindest die bunte Welt verspielter Tagträumereien wird in Science of Sleep offen gelegt – und verleitet zum Mitbasteln.


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Stephane (Gael García Bernal), ein junger Grafiker aus Mexiko, kommt nach dem Tod seines Vaters nach Paris, wo ihm seine Mutter (Miou-Miou) bereits eine Wohnung und einen Job verschafft hat. Nach anfänglichen Schwierigkeiten findet er schnell Freunde unter seinen Arbeitskollegen, die ihm bei seinem größten Problem helfen: seiner Nachbarin Stephanie (Charlotte Gainsbourg) näher zu kommen. Erschwert wird dieses Vorhaben aber vor allem auch durch Stephanes (Tag-)Träume, die immer mehr Einfluss auf die Wirklichkeit bekommen.

Kritik
Stephanes Welt, zumindest die in seinen Träumen, besteht zum Großteil aus Karton und Stoffresten. Das kann beim ersten Anblick etwas verunsichern. Man fragt sich, was man da eigentlich vor sich hat: einen Kinderfilm, einen schlecht animierten Fantasy-Film oder einen Kunstfilm, der ganz bewusst mit diesen einfachen Mitteln arbeitet.

Bei Science of Sleep fällt es bis zum Ende schwer, diese Frage eindeutig zu beantworten, denn der neue Film von Regisseur Michel Gondry ist wohl eine Mischung aus allen dreien. Man kann ihm wohl nicht absprechen, etwas kindlich zu sein, vor allem wenn plötzlich Stoffpferdchen zum Leben erwachen oder Zeitmaschinen, die eher einem Spielzeugtelefon ähneln, zum Einsatz kommen. Aber Logik ist auch nicht das Anliegen dieses Streifens. Vielmehr erhält man Einblick in die teils verrückte, teils fantasievolle Traumwelt eines kreativen jungen Mannes, der Traum und Wirklichkeit genauso wenig auseinander halten kann wie er es schafft, seiner Nachbarin Stephanie seine Zuneigung zu zeigen. Erzählt wird die Geschichte zwar auf ungewöhnliche, aber äußerst kreative und liebenswerte Weise.

Einen Großteil der Sympathiewerte verdankt der Film seinem Hauptdarsteller, Gael García Bernal. Dieser beeindruckt nicht nur mit seinem mexikanischen Akzent, sondern vor allem durch seinen verspielten Zugang zu der Rolle. Wenn er etwa mit kindlicher Begeisterung seine neuesten, selbstproduzierten Gerätschaften vorführt, wirkt das weit weniger gekünstelt als man es bei einem Erwachsenen erwartet hätte. Leider funktioniert das aber nicht immer, so dass manche Unternehmungen, wie beispielsweise das Fliegenlassen von Watte durch Klavierklänge, in ihrer Unnatürlichkeit schon fast peinlich wirken.

Nichtsdestotrotz schafft Science of Sleep es immer wieder, das Publikum mit neuen Einfällen zu überraschen und die Grenze in Richtung Absurdität weiter auszudehnen. Besonders die Sequenzen, in denen sich Stephanes Realität mit seinen Träumen überlappt, präsentieren sich materiell vielfältig. In verschiedensten Animationen, bei denen Film und Zeichnung vermischt werden, lernt man nach und nach eine unwirkliche Traumwelt aus Wellpappe kennen, in der es zweidimensionale Häuschen und Fernsehstudios mit Ausblick auf die „reale Welt“ gibt. Das mag zunächst etwas gewöhnungsbedürftig erscheinen (und – wie sich gezeigt hat – so manchen Kinobesucher dazu veranlassen, das Kino schon frühzeitig zu verlassen), doch können sich Freunde des Abstrusen sicher nicht lange dem Erfindungsreichtum von Stephane und Stephanie entziehen.

Schließlich ist es der Fokus auf Kleinigkeiten, der diesen Film interessant macht, angefangen von Stephanes apokalyptischen Zeichnungen bis hin zu der verschrobenen Wohnungseinrichtung der beiden Hauptcharaktere. Durch den Erfindungsdrang der Figuren wird immer wieder auf kleine Details hingewiesen, die aufgrund ihrer absurden Verwendung im Film auffallen. So werden etwa leere Süßigkeitenverpackungen zu einer Meereskulisse umfunktioniert und ein Kühlschrank wird zur realen Entsprechung eines verschneiten Berges in Stephanes Traumwelt.

Alles in Allem ist Science of Sleep ein irrealer, aber liebenswerter Film, der vor allem von der schauspielerischen Leistung seines Hauptakteurs lebt. Der durchschnittliche Kinogeher, der wenig Interesse an experimentellen Filmen hat, wird mit diesem Werk aber wenig anfangen können.

Trivia - Geschichten und Gschichterln
Wer den Film im Original genießen will, sollte über die nötigen Fremdsprachenkenntnisse verfügen: Häufig wird nämlich zwischen Englisch, Französisch und Spanisch gewechselt.