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Geflügelte Kleinwagen und Traktorkühe
Nach zweijähriger Wartezeit lässt Pixar jetzt die Motoren aufheulen und erschafft eine Welt, von der Disneys alter Leitwagen Herbie nur träumen konnte. Mit vielen Pferdestärken und genügend Charme enthüllen hier Autos ihr Starpotential – und wirken dabei äußerst menschlich.


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Rennwagen Lightning McQueen (mit der Stimme von Owen Wilson/Daniel Brühl) steht als jüngster Teilnehmer des Piston-Cup-Finales vor dem Rennen seines Lebens. Ausgerechnet da unterläuft seinem Transporter-Truck auf der Autobahn ein kleiner Fehler, und Lightning landet nach einer Verfolgungsjagd mit der ortsansässigen Polizei in dem Örtchen Radiator Springs. Dort muss er zuerst einmal seine Schulden abarbeiten, was dem angeberischen Sportflitzer gar nicht recht ist. Schließlich aber lernt er die Vorzüge des Kleinstadtlebens doch noch kennen und lieben und bemerkt nach gemeinsam bestandenen Abenteuern mit den Dorfbewohnern, dass gewinnen allein nicht alles ist.

Kritik
Autos sind die besseren Menschen. Das will uns zumindest Disneys neuestes Machwerk weismachen, in dem die Menschheit ausnahmsweise einmal nicht durch Tiere, sondern durch Maschinen ersetzt worden ist. Auf die Handlung hat das aber nur wenig Einfluss, denn die ist altbewährt und –bekannt.

©DISNEY ENTERPRISES, INC. & PIXAR ANIMATION STUDIOS. ALL RIGHTS RESERVED.
Junger Raser: Lightning McQueen (Mitte) will allen davonfahren
Hauptfigur Lightning McQueen, ein knallroter Sportflitzer mit Rennambitionen, erlebt im Verlauf des Films seine Läuterung vom arroganten Angeber zum hilfsbereiten Retter in der Not. Kein wirklich neues Thema also, vor allem, wenn man sich an den Stop-Motion-Animationsfilm Chicken Run von Konkurrent Dream Works Pictures zurück erinnert, der mit beinahe identischer Handlung aufwarten konnte – bis auf die Wahl der Figuren und Schauplätze natürlich. Aber schließlich muss ja jeder Kinderfilm ein bisschen belehren, und das schafft Cars angenehmerweise relativ subtil. Und wenn der selbstverliebte Lightning nach einer kleinen Verfolgungsjagd auf der Autobahn im Einsiedlerdorf Radiator Springs landet und dort mit dem naiven, aber lebensfrohen Hook (in der englischen Originalfassung heißt er Mater, gesprochen von Daniel Lawrence Whitney alias Larry the Cable Guy), einem rostzerfressenen Abschleppwagen, auf Traktorjagd geht, kann das sogar ganz lustig sein.

Leider kommen die unterhaltsamen Szenen aber viel zu kurz, so dass die Handlung vor allem gegen Ende des Films etwas langatmig wirkt. Schuld daran sind wohl auch die zu braven und kindertauglichen Textpassagen, in denen man Witz und Selbstironie oft gänzlich vermisst. Dadurch gelingt es auch nicht wirklich, den Charakteren unterscheidbare Persönlichkeiten zuzuschreiben, die über optische Merkmale hinausgehen. Und wenn doch, dann sind die Eigenschaften der vermenschlichten Autos so stereotyp, dass es selten Überraschungen gibt.

©DISNEY ENTERPRISES, INC. & PIXAR ANIMATION STUDIOS. ALL RIGHTS RESERVED.
Luigi: klein, gelb, Ferrari-fanatisch

Zum Glück findet man in Cars aber auch Ausnahmen der positiven Sorte. Der kleine Fiat und Reifenhändler Luigi („Monk“ Tony Shalhoub), der zusammen mit seinem meist sprachlosen Gehilfen Guido (Guido Quaroni) ständig auf Ferarri-Suche ist, schafft es durch seinen unwiderstehlich italienischen Akzent am ehesten, die Gunst des Publikums zu gewinnen. Weniger Erfolg in dieser Hinsicht hat da Asphalt-Schönheit Sally (Bonnie Hunt), die Anwältin von Radiator Springs, die trotz ihrer Hauptrolle im Film kaum in den Vordergrund treten kann. Ihre vermeintliche Romanze mit Superkarre Lightning wirkt deshalb auch etwas zu platonisch, um überhaupt als solche wahrgenommen zu werden.

Im Gegensatz zu der eher schwachen Geschichte kann der Film aber vor allem auf der optischen Ebene punkten. Die Animationen aus dem Hause Pixar präsentieren sich wieder einmal äußerst realitätsnah, besonders die farbenfrohen und relativ naturgetreuen Landschaften und Hintergründe erfreuen das Auge des Betrachters. Aber auch auf Kleinigkeiten wurde scheinbar viel Wert gelegt. So zeugen etwa die Insekten dieser von Fahrzeugen dominierten Welt, die als kleine Autos mit Flügeln dargestellt werden, von großer Liebe zum Detail. Außerdem ist die musikalische Untermalung von Komponist Randy Newman zu erwähnen, die für die richtige Stimmung sorgt und besonders im Abspann positiv auffällt.

Allgemein gesehen, ist Cars ein durchaus gelungener Film mit großteils sympathischen und zum Teil sogar liebenswerten Charakteren und vor allem mit vielen schönen Bildern. Schade nur, dass dabei die Geschichte so mager ausgefallen ist. Ein paar innovative Einfälle zwischendurch hätten sicher nicht geschadet.

Trivia - Geschichten und Gschichterln
Wie inzwischen bei Pixar üblich, gibt es auch diesmal wieder einen kleinen Vorfilm mit dem Titel One Man Band. Und der ist mindestens genauso gut wie der Hauptfilm selbst.

Zitat
Luigi: „Luigi only follow the Ferraries.“
Hippie-Bus Bully: “Respect the classics, man. It’s Hendrix.”
Offizielle Website zum Film:
http://www.carsthemovie.com