Autos sind die besseren Menschen. Das will uns zumindest Disneys neuestes Machwerk weismachen, in dem die Menschheit ausnahmsweise einmal nicht durch Tiere, sondern durch Maschinen ersetzt worden ist. Auf die Handlung hat das aber nur wenig Einfluss, denn die ist altbewährt und –bekannt.
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| Junger Raser: Lightning McQueen (Mitte) will allen davonfahren |
Hauptfigur Lightning McQueen, ein knallroter Sportflitzer mit Rennambitionen, erlebt im Verlauf des Films seine Läuterung vom arroganten Angeber zum hilfsbereiten Retter in der Not. Kein wirklich neues Thema also, vor allem, wenn man sich an den Stop-Motion-Animationsfilm
Chicken Run von Konkurrent Dream Works Pictures zurück erinnert, der mit beinahe identischer Handlung aufwarten konnte – bis auf die Wahl der Figuren und Schauplätze natürlich. Aber schließlich muss ja jeder Kinderfilm ein bisschen belehren, und das schafft
Cars angenehmerweise relativ subtil. Und wenn der selbstverliebte Lightning nach einer kleinen Verfolgungsjagd auf der Autobahn im Einsiedlerdorf Radiator Springs landet und dort mit dem naiven, aber lebensfrohen Hook (in der englischen Originalfassung heißt er Mater, gesprochen von
Daniel Lawrence Whitney alias Larry the Cable Guy), einem rostzerfressenen Abschleppwagen, auf Traktorjagd geht, kann das sogar ganz lustig sein.
Leider kommen die unterhaltsamen Szenen aber viel zu kurz, so dass die Handlung vor allem gegen Ende des Films etwas langatmig wirkt. Schuld daran sind wohl auch die zu braven und kindertauglichen Textpassagen, in denen man Witz und Selbstironie oft gänzlich vermisst. Dadurch gelingt es auch nicht wirklich, den Charakteren unterscheidbare Persönlichkeiten zuzuschreiben, die über optische Merkmale hinausgehen. Und wenn doch, dann sind die Eigenschaften der vermenschlichten Autos so stereotyp, dass es selten Überraschungen gibt.
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| Luigi: klein, gelb, Ferrari-fanatisch |
Zum Glück findet man in
Cars aber auch Ausnahmen der positiven Sorte. Der kleine Fiat und Reifenhändler Luigi („Monk“
Tony Shalhoub), der zusammen mit seinem meist sprachlosen Gehilfen Guido (
Guido Quaroni) ständig auf Ferarri-Suche ist, schafft es durch seinen unwiderstehlich italienischen Akzent am ehesten, die Gunst des Publikums zu gewinnen. Weniger Erfolg in dieser Hinsicht hat da Asphalt-Schönheit Sally (
Bonnie Hunt), die Anwältin von Radiator Springs, die trotz ihrer Hauptrolle im Film kaum in den Vordergrund treten kann. Ihre vermeintliche Romanze mit Superkarre Lightning wirkt deshalb auch etwas zu platonisch, um überhaupt als solche wahrgenommen zu werden.
Im Gegensatz zu der eher schwachen Geschichte kann der Film aber vor allem auf der optischen Ebene punkten. Die Animationen aus dem Hause Pixar präsentieren sich wieder einmal äußerst realitätsnah, besonders die farbenfrohen und relativ naturgetreuen Landschaften und Hintergründe erfreuen das Auge des Betrachters. Aber auch auf Kleinigkeiten wurde scheinbar viel Wert gelegt. So zeugen etwa die Insekten dieser von Fahrzeugen dominierten Welt, die als kleine Autos mit Flügeln dargestellt werden, von großer Liebe zum Detail. Außerdem ist die musikalische Untermalung von Komponist
Randy Newman zu erwähnen, die für die richtige Stimmung sorgt und besonders im Abspann positiv auffällt.
Allgemein gesehen, ist
Cars ein durchaus gelungener Film mit großteils sympathischen und zum Teil sogar liebenswerten Charakteren und vor allem mit vielen schönen Bildern. Schade nur, dass dabei die Geschichte so mager ausgefallen ist. Ein paar innovative Einfälle zwischendurch hätten sicher nicht geschadet.