Der neugierige kleine DJ überwacht, was drüben beim alten Nebbercracker so getrieben wird. Die Eltern, mehr besorgt um ihre Geschäftsutensilien als um ihren spechtelnden Racker, lassen ihn kurz vor Halloween mit einer sagenhaft sorglosen Babysitterin zurück, die sich gleich noch ihren hackedichten Freund dazu holt. DJs Freund Ketchup hat auch nichts besseres zu tun, ist der Vater doch am arbeiten und die Mutter am Ehe zerstören, also schaut auch er vorbei, genau wie das hintertriebene Mädel von der Privatschule. Jenny heißt sie, Kekse verkauft sie, und zwar trickreicher als alle anderen. Dass DJ seinen Nachbarn bis zum Herzinfarkt treibt, rächt sich: Jetzt legt nämlich dessen Haus los, beginnt, die ganze widerliche Brut zu verspeisen. Die Staatsgewalt, die dagegen einschreiten soll, ist leicht debil, also ist es an dem missratenen Trio DJ-Ketchup-Jenny zu verhindern, dass der Abschaum der Menschheit - also sie alle - vom Monsterhaus beseitigt werden.
Selten war es eine so dankbare Aufgabe, den Sinn einer Geschichte um 180 Grad zu drehen.
Monster House, das ist ein von Problemen befallenes Produkt, dem nicht mal sein eigener Verleih eine faire Chance einräumt – schließlich wird er als reinblütiger Halloweenfilm hierzulande Ende August ins Kino gebracht. Im Kürbisland USA kam er sogar schon Ende Juni heraus, wohl um pünktlich zum Gruselfest auf DVD die richtig großen Einnahmen zu machen.
Auch die Wahl der Waffen ist entsprechend kalkuliert: Computeranimation als Ausweichmittel für Geschichten, die real gedreht wesentlich teurer wären. Das Ergebnis hat zwar ein anatomisch korrektes Lattenungetüm zu bieten, bleibt aber trotz Stimmen und Körperbewegungen von Schauspielern wie
Steve Buscemi oder
Maggie Gyllenhaal steril: Die Szenerie ist aufs Wesentliche beschränkt, der Hintergrund vage. Wirklichen Gebrauch macht der Film von seiner Technik ohnehin nur bei einer Reihe von Szenen, die es genießen originelle Kamerawinkel zu wählen ohne daran denken zu müssen, wie die Kamera jetzt dort hin kommt.
Der völlig unbekannte Regisseur
Gil Kenan wiederum muss sich gleich in seinem Erstling an der heldischen Verehrung Ausführender Produzenten, in diesem Fall
Robert Zemeckis und
Steven Spielberg, versuchen:
Forrest Gump liefert den Schwebeblatt-Beginn,
Cast Away den Ball mit aufgemaltem Gesicht - um nur die zwei größten Anspielungsbrocken zu nennen. Selbst der Erwachsenenzynismus, der
Monster Housens Vorortesiedlung als einzige Sündensammlung, komplett mit für den Profit trockengelegtem See, präsentiert, ist beileibe nicht neu: Kinder, die Hustensaft als Stoff deklarieren, Ehebrecher, Vernachlässiger, kleine Wirtschaftskriminelle - bald ist das Haus sympathischer als die eigentlichen Helden. Wenigstens dabei ist der Film seinem gewählten Anlass, dem schadenfreudigen Halloween, sehr nahe: Das Süße schmeckt zwar gut, das Saure geben aber noch viel besser.