Manoj Night Shyamalan hat sich die Messlatte selbst sehr hoch gelegt. Nach The Sixth Sense – Der sechste Sinn waren die Erwartungen des Publikums sehr groß. Jeder weitere Film hatte die Vorgabe, neue Grenzen zu sprengen und durch ein überraschendes Ende zu glänzen. Alles Attribute, die The Village – Das Dorf zuletzt nicht für sich in Anspruch nehmen konnte. Bei seinem aktuellen Streifen bricht der Regisseur deshalb nun scheinbar ganz mit der Tradition gewohnter Handlungskonzepte. Aber nur auf den ersten Blick.
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| Bruch mit der Tradition?: Story (Bryce Dallas Howard) entdeckt das Spiegelbild |
Worum es im Film geht, wird gleich in den ersten Minuten anhand von Strichmännchen erklärt: Mystische prophetische Wasserwesen – genannt Narfs - wollen wieder Kontakt mit der Menschheit knüpfen, nachdem dieser vor Jahrtausenden abgebrochen ist. Erschwert wird dies von hundeähnlichen Grasmonstern, deren Leibspeise genau diese Nymphen sind. Was für ein Glück für die Filmfiguren, dass Shyamalan in seiner Pseudo-Saga für alle etwaigen Probleme eine Lösung parat hat. Schnell lassen sich die Bewohner des Wohnblocks überzeugen und tun was nötig ist, damit Story wieder dorthin kann, wo sie hergekommen ist. Leider hapert es stark an der Ausführung, denn wer für das Heimkehrritual verantwortlich ist, klärt sich erst in den letzten Sekunden. Bis endlich zum Naheliegenden gegriffen wird, entwickelt sich deshalb eine fröhliche Personalrochade, nur unterbrochen von gelegentlichen Attacken des Hundemonsters auf die Nerven des Publikums.
An interessanten Charakteren mangelt es dem Film nicht. M. Night Shyamalan hat sich für alle etwas ausgedacht. Sie sind etwas Besonderes. Niemand ist einfach nur da. Alle unterliegen einem übergeordneten Sinn. Sei es der verrückte Reggie (ein genialer Freddy Rodriguez, Six Feet Under), der nur halbseitiges Bodybuilding betreibt und demnach etwas sonderbar aussieht, oder der kleine Joey, der die Zukunft in Müsli-Kartons voraussieht. Die wichtigste Rolle in der Riege abgedrehter Hausbewohner hat sich Shyamalan jedoch selbst auf den Leib geschrieben. Er spielt einen zukünftigen Märtyrer, der durch sein Wirken den Lauf der Welt grundlegend verändern wird. Natürlich zum Besseren - der positiven Grundstimmung des Films entsprechend. Trotzdem nimmt sich Das Mädchen aus dem Wasser nicht wirklich ernst. Die miesepetrige Figur des Mr. Farber (Bob Balaban) tritt als Film- und Buchkritiker auf und hat für viele Klischees, die im Streifen vorkommen, den passenden Kommentar zur Hand. So bekrittelt er mangelnde Kreativität im Filmgeschäft, und auch der dramatische Einsatz von Regen (an dem wahrlich nicht gespart wird) ist ihm ein Dorn im Auge. Auf diese Weise werden viele Kritikpunkte am Film bereits im Film ausführlich behandelt. Auch eine Möglichkeit, negative Kommentare schon im Vorfeld zu entkräften. Mr. Farbers finale Konfrontation mit dem grasbuckeligen Hundemonster gipfelt in einem letzten Seitenhieb in Richtung Rezensionspersonal – mit der fragwürdigen Aussage „Zu viel Kritik ist des Kritikers Tod“. Wie Farber kommen beinahe alle Figuren zu ihrem großen Moment. Aber nur fast, denn Story hat nicht sonderlich viel zu tun. Sie fungiert ihrem Namen nach nur als Bindeglied, als Geschichte. Während die von Creature-Designer Mark „Crash“ McCreery (Jurassic Park, Fluch der Karibik 2) entworfenen Märchenmonster einige spannende Auftritte haben, huscht die Titel spendende Wasserfrau nur ab und zu farblos durchs Bild und gibt bedeutungsschwere Schicksalsausblicke.
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| Keine Angst: Nicht jeder Filmkritiker hat einen so starren Gesichtsausdruck (wie Bob Balaban) |
Schicksal. Ein Begriff, der bei fast allen Projekten von M. Night Shyamalan im Vordergrund steht. Alle seine Filme laufen darauf hinaus, dass die Menschen und Kreaturen ihren Teil dazu beitragen. Da macht STRONG>Das Mädchen aus dem Wasser keine Ausnahme. Wenigstens passiert hier alles im Rahmen eins fiktiven Märchens ohne wesentlichen Bezug zu existenten Religionen. Solange der Film nicht direkt im Zusammenhang mit früheren Werken Shyamalans gesehen wird, fällt dies also nicht negativ auf. Und zugegeben, die Aufmachung des Films ist wirklich hübsch. Wie gewohnt besticht die Präsentation durch tolle lange Kameraeinstellungen und stimmungsvolle Musik von James Newton Howard, der bereits bei den letzten Filmen des Regisseurs für die musikalische Untermalung gesorgt hat. Formal hat das Endprodukt durchwegs seinen Reiz. Wer also über die simpel gestrickte Handlung hinwegsieht, das Gehirn ausschaltet und sich einfach nur im Erzählfluss treiben lässt, wird sicherlich nicht schlecht unterhalten.