Flyer, Postwurfsendungen, Plakate, Radio- und Fernsehspots, eine eigene Hymne, ein griffiger Slogan, ein auffälliges Logo, eine renommierte Werbefirma und ein Vertrauen erweckendes PR- Team. Was will man mehr? Bei der Einführung eines neuen Produktes in den Markt sind all diese Werbemittel mit der passenden übergreifenden Werbestrategie ein Muss, ja fast schon Standard. Doch was passiert, wenn es das Produkt, in diesem Fall den ultimativen Hyperstore, gar nicht wirklich gibt? Alles nur erstunken und erlogen, alles nur ausgedacht.
Cesky sen - Der Tschechische Traum ist das Projekt der Prager Filmstudenten Filip Remunda und Vit Klusak, die zu Beginn des Filmes gleich klarstellen, dass sie sich weder zum Werk äußern, noch über Sinn und Zweck der Aktion Stellung nehmen wollen. Der Seher soll selbst entscheiden, welche Lehre er aus der Vorführung - oder besser gesagt - der gezeigten Verführung ziehen möchte.
Die Dokumentation der in Gang gesetzten Werbemaßnahmen gestaltet sich für jemanden, der sich schon einmal Gedanken über Werbung gemacht hat, etwas langatmig. Richtig spannend und zwangsläufig sehr lustig wird es erst gegen Ende des Films, am Tag der vermeintlichen Eröffnung. Hunderte kaufwütige Tschechen laufen über eine große Wiese auf eine Pappwand zu, die aussieht wie die Fassade eines Einkaufzentrums. Alle mit gezückten Geldbörsen, den Prospekten mit den Angeboten, den großen Augen und ebenso großen Erwartungen. Dann geht ein Raunen durch die Menge es gibt verständlicher Weise enttäuschte, entrüstete Gesichter, als der Schwindel auffliegt. Nichts ist hinter der Wand. Die Leute stehen auf der Wiese herum, wie blökende Schafe. Da hat sie jemand anständig ins Bockshorn gejagt. Doch nach dem ersten Schock sind sich die Meisten einig: eine gute Kampagne, man hat es ja glauben wollen, und man ist irgendwie selbst Schuld auf die Versprechungen hereingefallen zu sein.
Fazit: Nie wurde deutlicher gezeigt, dass Werbung nicht nur viel bewegen, sondern auch viel versprechen kann und dabei nur wenig, oder gar nichts, halten muss (und dass es für die Betroffenen anscheinend gar nicht so schlimm ist, an der Nase herumgeführt worden zu sein). Balsam für die Seele jedes Werbetreibenden.