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Big Brother Is Listening
© Buena Vista InternationalDas Spielfilmdebüt von Florian Henckel von Donnersmarck setzt sich kritisch mit der Stasi auseinander und erzählt nebenbei eine wirklich gute Geschichte.


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Ein Beobachtungsprotokoll von Christiane Kalss


Der recht regimeunkritisch anmutende Schriftsteller Georg Dreyman (Sebastian Koch) lebt mit seiner Freundin, der Schauspielerin Christa-Maria Sieland (Martina Gedeck), im Ostberlin der 80-er Jahre ein Künstlerleben zwischen Konfrontation mit den schrecklichen Seiten der DDR und einer Position als Literaturliebkind der Machthabenden. Stasi-Oberstleutnant Anton Grubitz (Ulrich Tukur) wittert Ruhm und Beförderung und setzt den Spitzel Hauptmann Gerd Wiesler (Ulrich Mühe) auf den Dichter an. Die groß angelegte Überwachungsaktion führt dazu, dass Wiesler schließlich viel mehr Anteil am fremden Leben nimmt als geplant.

Kritik

Schon wieder so ein DDR- Film, lautet das vorschnelle Urteil. Nach diversen Ausflügen in die Sonnenallee und Abschiedsgrüßen an Lenin sollte es sich eigentlich ausgeostwitzelt haben. Das hat es auch erfreulicherweise, denn Das Leben der Anderen ist anders. Der Film setzt sich ernsthaft mit der totalen Überwachungspolitik der DDR auseinander und versäumt es dabei nicht, auch Licht auf die grotesken Seiten des Regimes zu werfen.

Der Film zeichnet sich vor allem durch wirklich plausible Figuren aus, die sich durch die grau-grüne Kunst-DDR, die der Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck geschaffen hat, bewegen und permanent Grenzen verwischen. Wer anfangs ernst erscheint, zeigt, dass er auch lustig sein kann, und vermeintlich Gefühllose offenbaren Mitgefühl. Lediglich Minister Hempf (Thomas Thieme), mit dem die Schauspielerin Christa-Maria Sieland aus Berufsraison eine Affäre haben muss, driftet von Zeit zu Zeit zu sehr ins Klischee des macht- und notgeilen Politikerkaltblüters ab. Eine sehr feine Performance liefert Ulrich Mühe als etwas steifer Staatsdiener, der seine Tage und Nächte auf einem Dachboden mit Kopfhörern verbringt und ahnungslose Leute belauscht. Der Überwacher hat nichts Übermenschliches, sondern ist ein ganz gewöhnlicher Mensch – passenderweise im Jahre 1984 -, der beeinflussbar ist und selbst Einfluss auf die Ergebnisse seiner Observationen nehmen kann.

Was die Figur des Hauptmann Wiesler mit seinen großen, grauen Kopfhörern nicht hören kann, ist die Filmmusik, die für einen deutschen Film wirklich auffallend hollywoodlike daher kommt. Schuld daran hat der oscargekrönte Komponist Gabriel Yared, der auch für diverse Traumfabrikscores verantwortlich ist. Es spielt große Töne in der Lauschangriffgeschichte. Die Bilder werfen sich in einen harten Konkurrenzkampf mit dem Sound darum, wer mehr zur Dramatik beisteuert.

Das Leben der Anderen ist ein DDR-Film, der sich mit dem Regime sehr kritisch auseinander setzt, aber durchaus auch andere Seharten zulässt. Er zeigt das Drama um eine Schauspielerin, die eine Entscheidung zwischen ihrem Beruf und dem Mann, den sie liebt, treffen muss, und sich nicht gegen ein System wehren kann, das sie verschlingt. Er ist genauso ein Plädoyer für die Freiheit der Kunst, ein Werbefilm für das Gute im Menschen und eine Kritik an vollkommener Überwachung.