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Der Hypochonder und die Irre
Einmal wie Anita Ekberg im Trevi-Brunnen stehen: Vom Träume leben, vom Leben leben und von der späten Romanze schwelgt die spanische Tragikomödie Elsa & Fred.


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sich mitreissen lassen hat Thomas Taborsky

Kritik
Früher waren die Leute mit 30 tot. Heute sind viele älter und benehmen sich trotzdem, als ob sie nur die Tage überdauern, bis sie in die Kiste gelegt werden. - In genau diese Kerbe schlägt der spanische Film Elsa & Fred: Als Liebeserklärung ans Leben sucht er sich ein ungleiches Paar aus, das vorerst nur gemein hat, von ihren Kindern bevormundet zu werden: Fred (Manuel Alexandre), 78, ist seit einiger Zeit Witwer und lässt die Tage antriebslos verstreichen. Seine Tochter und deren Mann – Menschen, die in ihrer hektischen Geschäftigkeit gar nicht merken, dass auch ihre Zeit ungenutzt verstreicht – quartieren ihn in der Nachbarwohnung von Elsa (China Zorilla) ein. Sie, die einst großartigste Blondine von Buenos Aires, wie es einmal heißt, ist das exakte Gegenteil: angeblich 77, flott, lustig, Handy-bewaffnet, wirft mit jugendlichen Ausdrücken um sich, nimmt die Dinge leicht. Kaum haben die Kinder Fred seiner Deprimiertheit überlassen, rückt Elsa an: Sie hat ihn sich ausgespäht; Jetzt muss er nur noch erobert werden.

Recht behände baut sich der Film seine Charaktere, zumeist in wohldesignten Innenräumen, zusammen. Eine unbenutzte Bettseite hier, eine Parkschadenaffäre da, ein besorgter Freund dort und das Bild von Anita Ekberg in Elsas Wohnung: Binnen kurzem werden aus Handelnden Vertraute. Wunderbar ist es vor allem, Manuel Alexandre als Fred zu beobachten, wie er Stück für Stück von Elsa aus seinem Schattendasein gerissen wird – und wie er mit zitternder Oberlippe dasteht, als er die Tragödie hinter den Spinnereien seiner lebenslustigen Freundin erkennt. Ein Eckchen Unsterblichkeit wünscht sie sich, sehnt sich danach, wie Anita Ekberg dazumal im Trevi-Brunnen zu stehen, auf Film gebannt, ewig schön, ewig begehrt von ihrem Marcello. La dolce vita, für immer. In seiner Milde führt Elsa & Fred an eben diesen Schnittpunkt von Wirklichkeit, Traum und Fiktion, um dort das Glück seines greisen Paares zu finden – und auf dem Weg auch ein wenig Schwärmerei, ein Hauch der Sehnsucht nach Erfüllung für uns.

Finden sich: Elsa (China Zorilla) und Fred (Manuel Alexandre)

Zitat
Elsa nach der ersten Begegnung über Fred: „Entweder der Alte ist noch ungehobelter als seine Tochter oder er ist blinder als ein Maulwurf.“

Fred über seine verstorbene Frau: „Sie war ... ordentlich.“

Elsa: „Die Siezerei geht mir auf’n Wecker.“

Elsa zu ihrem Ekberg-Foto: „Komm, Anita, lass mich jetzt nicht im Stich. Du hast dir doch auch Marcello unter den Nagel gerissen.“

Elsa: „Man kann nicht sterben von der besten Nachspeise Madrids.“

Elsa telefoniert im Auto mit Fred: „Moment, gleich rummst es.“ (kracht auf Vordermann)

Fred im römischen Terassencafe zu Elsa: „Deine Schönheit ist eine Beleidigung für alle anderen Frauen!“