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Das Geister-Imperium schlägt zurück
Stabhoch-Früchtespießspringen im 18. Jahrhundert: Captain Jack und seine unfreiwilligen Mitabenteurer bekommen es diesmal unter anderem mit Davy Jones und dem Fliegenden Holländer zu tun.


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Seemannsgarn von Thomas Taborsky

Die Hochzeit fällt erst mal ins Wasser. Als sich die klitschnasse Elizabeth Swann (Keira Knightley) gerade fragt, wieso ihr Verlobter Will Turner (Orland Bloom) nicht zur Trauung erschienen ist, wird er in Ketten vorgeführt. Auch gegen Elizabeth gibt es einen Haftbefehl, und so landen beide im Kerker. Der neue starke Mann der Britischen Ostindien-Kompanie, Cutler Beckett (Tom Hollander), schlägt ihnen einen Handel vor: Er will etwas wertvolles von Captain Jack Sparrow (Johnny Depp), und bietet dafür einen Generalpardon.

Jack wird derweil von einem alten untoten Bekannten heimgesucht: Bootstrap Bill Turner (Stellan Skarsgard), Wills Vater, überbringt ihm eine Botschaft vom Kapitän des Fliegenden Holländers, Davy Jones (Bill Nighy): Die Zeit ist um, die Schuld muss bezahlt werden – Jacks Seele gehört Davy Jones. Nicht nur das jedoch: Auch Jacks wundersamer Kompass scheint den Geist aufgegeben zu haben.

© Buena Vista
Nichts mit Hochzeitsnacht: Elizabeth (Keira Knightley) wird um die Trauung betrogen

Kritik
Beachtlich ist es allemal, wie Disney es geschafft hat, einer ganzen Generation den einen Gedanken nahezulegen: Die Karibik damals, das muss wie Disneyland gewesen sein - nur mit Verbot von Alkoholfreiem und mehr Toten am Big Thunder Mountain. So macht sich die Black Pearl erwartungsgemäß zu einer zweiten Vergnügungskreuzfahrt durch Westindien auf, die wieder kein Halten kennt: Seine extremen zweieinhalb Stunden Laufzeit legt Pirates of the Caribbean - Fluch der Karibik 2 nämlich in einem grandiosen Unterhaltungstempo zurück, bei dem es durch Action, spitzfedrige Dialoge und die Vielzahl an ausgefeilten Charakteren einfach keine Pause gibt.
Natürlich hält das den Film nicht zurück, Fehler des ersten Teils erneut zu begehen. Dass zum Beispiel statt dem Klon Klaus Badelt jetzt Hans Zimmer persönlich für die Musik verantwortlich zeichnet, fällt nicht weiter auf: Sie ergeht sich immer noch im Bombast und hört sich weiterhin thematisch so sehr nach Mark Mancinas (ebenfalls ein Zimmer-Intimus) Speed-Soundtrack an, dass immer der Verdacht bleibt, im nächsten Moment könne hinter einer Palme ein Linienbus mit einer Bombe an Bord hervorrasen. Auch Orlando Bloom ist als braver romantischer Held inmitten schräger Figuren einmal mehr so blass wie der Teint von Keira Knightley. Die wiederum wird zwar zum Knie erweichen schön ins Bild gesetzt, schafft aber in ihren Schlüsselszenen, in denen sie mal Captain Jack um den Finger wickeln, mal einen Wutanfall vortäuschen soll, nur eins: süß zu wirken, niedlich - und gar nicht in ihrem Element.

Da ist die Freude wesentlich größer, wenn Jack Davenport – bitte einen kurzen wehmütigen Moment des Gedenkens an die Serie Coupling – auftaucht: Als erniedrigte Staatsgewalt aus dem Vorgänger mittlerweile verlottert und versoffen, darf er bald schon wieder neue Ränke gegen Jack Sparrow spinnen. Bis zum abschließenden Cliffhanger bringt die Fortsetzung auch ein Wiedersehen mit wirklich allen anderen Charakteren, die sich in Fluch der Karibik tummelten, ob wichtig oder unwichtig. Darunter sind auch die unverzichtbaren Pausenfüller-Piraten Pintel und Ragetti (Lee Arenberg, Mackenzie Crook), die ähnlich den beiden alten Muppets in der Loge am Rande kommentieren, eingreifen und von den Geschehnissen in Mitleidenschaft gezogen werden.
Was sich um sie herum abspielt, ist abwechslungsreich wie ein Rummelplatz. Diesen Vergleich pflegt der Film auch: Es darf dann und wann schon mal im Knochenkäfig zu Jahrmarktsmusik ums Leben geschaukelt werden, oder die Figuren werden zu menschlichen Hamstern, wenn sie auf, um und im Mühlrad, das immer weiter durch eine Insel rollt, die Säbel kreuzen. Wohin man in der spektakulären Show auch blickt, begegnet einem dabei die Zahl drei, sei es bei Dreier-Kämpfen, der für den Film erdachten Drillingskanone des Fliegenden Holländers oder dem Dreieck Jack-Elizabeth-Will, bei dem Regisseur Gore Verbinski für den abschließenden Teil der Trilogie eine kleine Prise Eifersucht aufkeimen lässt.

© Buena Vista
Gleich wird gerädert...

Eines kann Die Truhe des Todes auch dabei nicht verleugnen: die Seelenverwandtschaft mit Krieg der Sterne. Der Film macht es dem Mittelteil Das Imperium schlägt zurück gleich, indem er doch um einiges düsterer als das Ursprungswerk ist – und im Gegensatz zum Erstling auch nicht in sich abgeschlossen. So wie Han Solo im Karbonit abtransportiert wird, verschwindet auch hier eine Person in den Fängen des Bösen – Rettungsaktion folgt im nächsten Film. Vater-Sohn-Beziehungskisten spielen sich in Fluch der Karibik mit Teil zwei ebenso ab, wenn auch Stellan Skarsgards zunehmender Seestern - und Saugnapfbewuchs wesentlich interessanter ist als das Rittern um die Seelensklaverei. Auch wer an Pintel und Ragetti als Ersatz-R2-D2 und -C3-PO denkt, liegt nicht ganz falsch, und wären das nicht schon genug Parallelen, so versorgen sich beide Epen - die Jedi-Saga wie das Karibik-Spektakel - hauptsächlich aus der britischen Schauspielerschaft. Auch Neuzugang Tom Hollander kommt aus dieser Ecke; Er bereichert mit seiner blutleer-skrupellosen Figur, die das Ende der Blütezeit der Piraten ankündigt (‚Jack Sparrow is a dying breed.’) die Szenerie.
Im Grunde vertreibt aber auch er nur die Wartezeit auf den nächsten Auftritt von Johnny Depp, dessen exaltierter Pirat formschön in der Dauerbredouille ist. Weil daran und an Captain Jack nichts verändert wurde, weil die fröhliche, kunterbunte Piratenmischung die gleiche ist, und einfach nur die Umstände variiert werden, ist auch dieses halbe Abenteuer der Karibik-Truppe ganz nach dem Motto Never change a winning team enorm unterhaltsam – und damit zweieinhalb Stunden Werbung für das abschließende Spektakel, das sich für den Mai 2007 ankündigt.

© Buena Vista
Florett zu dritt - Norrington (Jack Davenport, l.), Will (Orlando Bloom, Mitte) und Jack (Johnny Depp, r.) geben sich schlagfertig

Trivia - Geschichten und Gschichterln
Wer bis nach dem Ende des Abspanns bleibt, erfährt, wie es dem Hund geht, der auf der Kannibalen-Insel zurückgelassen wurde.

Zitat
Jack Sparrow: „Why is the rum always gone?“ (schlingert durch den Raum) „Oh, that's why!“

Cutler Beckett: „I'm afraid currency is the currency of the realm.“

Jack Sparrow als die Kannibalen ihn zum Grillen aufstellen: „Well done.“

Jack Sparrow: „Now where is that monkey, I want to shoot something.“

Die Mannschaft fährt zur Voodoo-Meisterin Tia Dalma.
Gibbs: „I'll watch your back.“
Jack Sparrow: „It's me front I'm worried about.“

Jack Sparrow zu Davy Jones: „Have you met Will Turner? He's noble, heroic... terrific soprano.“

Jack Sparrow zu Davy Jones: „Shall we seal in blood... I mean, ink?“

Norrington: „Do excuse me while I kill the man who ruined my life.“
Will Turner: „Be my guest.“

Jack Sparrow: „Where is my jar of dirt?“

Gibbs braucht mehr, das explodieren kann: „Load the rum!“
Erntet entgeisterte Blicke der Crew.

Gibbs zur Crew der Black Pearl: „Heave! Heave like you've been paid for it!“

Jack Sparrow zur Krake: „Hello, Beastey!“

© Buena Vista
Will und Elizabeth (Orlando Bloom, Keira Knightley) werden von Jack Sparrow ins nächste haarsträubende Abenteuer gezogen
Deutsche Filmseite
http://www.fluchderkaribik.de