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Der Auspuff und sein blumiger Duft
Die PS-Franchise verschlägt es diesmal ins Powerslider-Ursprungsland Japan. Wer das mal zufällig im Film vergessen sollte: Keine Sorge. Alle zwei Minuten wird daran erinnert.


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ein Schleudertrauma von Thomas Taborsky

Zum dritten Mal gerät der noch nicht einmal 18-jährige Sean Boswell (Lucas Black) in Konflikt mit dem Gesetz. Um nicht vor Gericht zu kommen, muss er zu seinem Navy-Vater nach Tokio ziehen. Gleich am ersten Tag trifft er dort in der neuen Schule Twinkie (Bow Wow), der ihn abends zu einem Motor-Clubbing mitnimmt. Und Sean verschwendet keine Zeit: Er legt sich gleich mit DK (Brian Tee) an, einem finsteren Burschen mit Verbindungen zur Mafia. Beim anschließenden Wettrennen durch die Parkgarage blamiert sich Sean: Er kann nicht driften. Noch dazu hat er das Auto des Gangsters Han (Sung Kang) zerstört. Bei diesem steht er jetzt in der Schuld...

© UIP
Da rauchen die Niederquerschnittsreifen...

Kritik
Es heißt ja öfters, Unfälle sähe man in Zeitlupe passieren: Die Mauer rauscht dir entgegen, ohne dass sich noch etwas daran ändern ließe. Als hätte diese Behauptung noch bewiesen werden müssen, startet auch die neue Geschichte der Schnellen und Wütenden genau so: mit zeitgedehnten Aufnahmen einer Katastrophe von Highschool, in die wieder einmal lauter Mittzwanziger gehen. Natürlich läuft uns dort auch Lucas Black über den Weg, der Ersatzmann für Paul Walker – dem die Serie zu dumm geworden sein dürfte. Einziges Erkennungsmerkmal des Neuen: die blauen Augen wie sein Vorgänger. Einzige Charaktereigenschaft des Rasers Sean, den er spielt: Sturschädel-Courage, und deshalb so etwas wie ein Flummi-Verhalten: Man kann ihn noch so fest gegen die Wand dreschen; Er kommt immer wieder zurück. Unter einem billigen Vorwand landet dieser junge Mann jedenfalls in Japan, um auch dort den Selbstzweck der Filmreihe vorzufinden: Autos, Stunts, willige Mädels und Gangster. Der einzige Unterschied: Diesmal schlittern die frisierten Kisten um die Ecke - und zwar um jede, die sie finden.

© UIP
Irgendwo zwischen den Autos: Lucas Black übernimmt in The Fast and the Furious: Tokyo Drift für Paul Walker
Auf diese Weise verdient sich The Fast and the Furious: Toyko Drift auch seine gesamte Anerkennung: mit Slides und Design. Prunkstücke von Straßenrennern lassen die Niederquerschnittsreifen rauchen, während ihre Insassen bemerkenswerte Kunststücke zaubern. Ein Crash durch eine Baustelle hindurch, Drifts eine Parkgaragenspirale hinauf, um ein anderes Auto im Kreis herum, auf engen Bergstraßen: Nichts wird ausgelassen, alles ist echt und umso toller anzusehen. Wenn der Film also stumm ist und die Motoren röhren, wenn Atari Teenage Riot ausgepackt wird oder die Teriyaki Boyz, dann fetzt er. Lange dauert das Spektakel aber nie, denn sobald jemand den Mund aufmacht und die Geschichte um den nächsten Grund kämpft, sich ins Auto setzen zu dürfen, bricht die Show schnell ein; Bis zum ebenso unnötigen wie unvermeidlichen Lebensgeschichtenaustausch kann da alles passieren. Überdies dürfte jemand auch den Schauspielern befohlen haben: 'Spielt intensiv! - Ihr leidet.' Und so spielen sie allesamt intensiv. Bis zur Lächerlichkeit intensiv.

Weil das aber immer noch nicht reicht, wird alles, was rundherum betont werden kann, betont - als ob man es mit einem Publikum zu tun hätte, das noch kurz vor dem Film gemeinsam am Auspuff gesnifft hat. Wahllos werden zwischendurch mehr oder minder bekannte Details über das heutige Japan eingesetzt, um daran zu erinnern, dass wir in Tokio sind, und nicht irgendwo: Ganguro Girls räkeln sich also genauso ins Bild wie auf einem Hausdach Fußball gespielt wird. Kamerahandys: überall. Eigentlich hätte man mit denen auch den Film drehen können. Die vielen PS-Miezen, die um die Helden wie Motten ums Licht schwirren, sie sind so zahlreich, dass sie einmal sogar zum Schlafen in die berühmten Schachtelhotelkojen gesteckt werden. Anzurichten weiß der Film damit nicht allzu viel, außer vielleicht einen gelegentlichen Schmunzler, der Dümmlichkeit wegen.

In dieser suhlt The Fast and the Furious, Nummer 3, und setzt sie bei den Mitwirkenden fort: Bow Wow schlägt sich als wandelnder Gemischtwarenladen herum, während Sonny Chiba in einer weiteren Promi-Gastrolle weniger mit der Yakuza denn mit Chicago 1930 zu tun hat. Und Lucas Black, der Hauptdarsteller? - Die typische Zweitbesetzung. Kein Gesicht, dass in Erinnerung bleibt. Das Cameo am Ende, als plötzlich Vin Diesel im anderen Boliden sitzt, tut ihm wahrscheinlich am meisten weh, erinnert es doch an die Tugend, die The Fast and the Furious anfangs hatte: kernig zu sein, Profil zu haben – und nicht nur röhrende Autos.

Zitat
Cindy: „Why don’t you nice boys let the cars do the talkin’?”

Cindy: „How about me? Winner gets me.”

DK: „Do you know who I am, boy?“
Sean: „You’re like the Justin Timberlake of Japan.”

Sean: „Nice ride.”
Dominic Toretto: „I won it from our friend Han a few years ago.”
Sean: „I didn't know he was into American muscle.”
Dominic Toretto: „He was when he was rollin' with me.”
Sean: „You know, this ain't no 10-second race.”
Dominic Toretto: „I got nothin' but time.”
Die offizielle Filmseite (Englisch)
http://www.thefastandthefurious3.com/