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Ahoi, hoi!
Kurt Russell und Co. kämpfen sich in knapp 100 Minuten durch die zwanzigstöckige „Poseidon“, und während das Schiff sinkt, sinken auch die Erwartungen an den Film. Die Ratten verlassen schon das Schiff!


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Silvester, irgendwo im Nordatlantik. Während man auf dem riesigen Passagierschiff „Poseidon“ das neue Jahr mit allem erdenklichen Pomp begrüßt, nähert sich eine fünfzig Meter hohe Welle (seit letztem Jahr besser bekannt als „Tsunami“) dem Schiff und begräbt es unter sich. Zuerst bekommt die Poseidon Schlagseite und neigt sich nach Backbord (für alle Landratten: das ist links!), um dann ganz umzukippen und mit dem Kiel nach oben auf dem Meer zu treiben. Die Passagiere finden sich in einem heillosen Durcheinander wieder und wissen nicht, wo oben und unten ist – im wahrsten Sinn des Wortes. Während die Schiffscrew den Überlebenden rät, dort zu bleiben, wo sie sind und auf Rettung zu warten, nimmt eine kleine Gruppe von Skeptikern ihr Schicksal selbst in die Hand und versucht, einen Weg nach oben (sprich zu dem Rumpf des Schiffes, der ja nun als einziger Teil über dem Meeresspiegel liegt) zu finden. Für die kleine Gruppe wird diese Odyssee nicht nur zu einem Kampf gegen die Naturgewalten, sondern auch gegen die Zeit, denn die Poseidon droht, den Kampf gegen das Meer zu verlieren: Sie sinkt langsam...

© 2006 Warner Bros. Ent.
Blockbuster-Welle im Anrollen

Kritik
Was uns Poseidon-Regisseur Wolfgang Petersen hier präsentiert, ist ein klinisch reiner Action-Kracher, der viel Geld verschlang, auf den einen oder anderen bekannten Namen verweisen kann, dem aber trotzdem das gewisse Etwas fehlt – soviel zum Ergebnis unterm Strich.
Knapp 30 Jahre, nachdem sich Ernest Borgnine, Gene Hackman, und Leslie Nielsen (!) unter der Regie von Ronald Neames im Streifen The Poseidon Adventure (Die Höllenfahrt der Poseidon) durch das gleichnamige Stahlungeheuer durch kämpften, widmeten sich die Warner Brothers erneut dem Projekt Poseidon und überantworteten die Regie dem – Wasseraufnahmen-erprobten – Wolfgang Petersen, der schon mit Streifen wie Das Boot oder Der Sturm gezeigt hat, was man mit viel Wasser und Geld alles anstellen kann. Unglücklicherweise ist Petersen auf den in Hollywood derzeit beliebten „Computer-Zug“ aufgesprungen, hat bei seinem Remake gänzlich auf Schiffsmodelle, Außenaufnahmen und den Ozean verzichtet und sich das alles kurzerhand im Computer erzeugen lassen. Oft genug im Film wird man den Gedanken nicht los, man schaue sich gerade eine Videogame-Sequenz an. Dass ILM (die Firma, die für diese technischen Raffinessen verantwortlich ist) neue Maßstäbe in Sachen Computerillusionen gesetzt hat, streitet keiner ab, aber für die Authentizität des Filmes war dieser Schritt nicht besonders förderlich. In zu vielen Szenen und Sequenzen erkennt man, dass man es hier nicht mit echten Schauspielern oder Stuntmännern und Stuntfrauen zu tun hat, sondern mit den „Wesen aus einer anderen Welt“ – nämlich aus der digitalen.

Die realen Schauspieler (hier unter anderem Kurt Russell, Richard Dreyfuss, Josh Lucas und Emmy Rossum) die fürs Remake verpflichtet wurden, können nicht sonderlich überzeugen. Einen Vergleich mit der Schauspielcrew aus dem Jahr 1972 braucht man erst gar nicht wagen. Zu wenig Platz wurde ihnen eingeräumt, um sich vielleicht menschlich zu zeigen, oder mehr über sie zu erfahren. Wolfgang Petersen verzichtet zugunsten der Action auf eine ordentliche und angemessene Einführung der Charaktere, und lässt lieber 400.000 Liter Wasser durch die Studios fluten als dass er die Zuschauer Sympathien für seine Hauptdarsteller entwickeln lassen würde. Dass in einem Actionfilm wie diesem der eine oder andere umkommen wird, ist klar, letzten Endes sind die Figuren aber so gestaltet, dass es einem eigentlich wurscht ist, wen es trifft. Die Schauspieler werden von einer gefährlichen Szene zur nächsten gejagt und müssen sich in einem rasanten Tempo durch die Korridore kämpfen. Vielfach wurde auf die Logik bzw. auf Erklärungen verzichtet, um die Spannung am Leben zu halten. Apropos Spannung: die Filmmusik ist der Dramatik in vielen Szenen eher hinderlich als förderlich, und man hätte sie an vielen Stellen einfach weglassen oder durch Schiffsgeräusche ersetzen können.

Diesmal hatte der Meeresgott wohl kein Verständnis für Mr. Petersen: Poseidon war als Blockbuster konzipiert, konnte aber die Studioerwartungen nicht einmal zu einem Bruchteil erfüllen: Was als Kassenmagnet gedacht war, entwickelte sich zu einem veritablen Flop! - Zu Unrecht: als Actionfilm ganz gut, als Filmhit mit zu wenig Liebe zum Detail gemacht. Für einen Tag mit 30 Grad Außentemperatur oder einfach so zum drüberstreuen auf jeden Fall zu empfehlen.
Poseidon - die deutsche Filmseite
http://www.warnerbros.de/poseidon/