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Breitband-Frohsinn
Gebündelter Spaß aus der Vorgartensiedlung: DreamWorks hat einen Film gebastelt, der alles unternimmt, damit man ja nicht genug von ihm bekommt.


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eine Gebrauchsanleitung von Thomas Taborsky

Waschbär RJ/Richie hat Riesenärger am Hals: Als er eine Schubkarre voll Leckereien vom Bären Vincent mopsen will, wird das Wägelchen samt Inhalt zerstört. Eine Woche bleibt ihm, um alles neu zu besorgen. Da trifft es sich gut, dass die bunt zusammengewürfelte Waldfamilie rund um die Schildkröte Verne gerade aus ihrem Winterschlaf aufwacht: Rund um sie wurde nämlich eine Menschensiedlung errichtet. Von dort lassen sich garantiert all die Sachen besorgen. Jetzt muss es Richie nur noch gelingen, die Tiere für seine Zwecke einzuspannen. Das wird allerdings schwierig, denn Verne juckt es immer im Schwanz, wenn er fühlt, dass etwas faul ist – und bei Richie juckt es ihn gewaltig.

Kritik
Denken im Kino muss ähnlich gefährlich sein wie Alkohol am Steuer. Wie sonst ließe es sich erklären, dass die amerikanischen Macher von Ab durch die Hecke verdutzt erklären, nur in Europa interpretiere man in ihren Film etwas hinein; Der sei doch rein zur Unterhaltung gedacht.

Haben Europäer weniger Spaß im Kino, oder haben die Hollywood-Studios keine Geschichten zu erzählen?

© UIP

Tatsächlich lohnt es sich nicht, im Heckenulk allzu tief zu graben; Das brächte nur Seltsames wie den Leitspruch des Films zutage, „Familie: Das ist das Tor zum guten Leben“ - so könnte auch die Mafia werben. Wie alle DreamWorks-Zeichentricks unterhält auch dieser am meisten, wenn man ihn einfach über sich sprudeln lässt: Finde die Tierchen süß, klopf dir beim Slapstick auf die Schenkel, lache über die Kulturverweise, die du verstehst, und verarbeite das Moralin, das mitträufelt, so gut wie möglich. Die Geschwindigkeit ist dabei so gewählt, dass es unmöglich ist, alles beim ersten Mal zu verarbeiten – und das Gefühl, etwas verpasst zu haben, drängt zum erneuten Anschauen. Auch die Zahl der Figuren ist gerade so hoch, dass sich jeder sein Lieblingstier aussuchen kann, je nachdem, ob man eben den flinken, aber unterbelichteten Hammy oder die resolute Stella lieber mag; Richtig satt sehen kann man sich an keiner.

Spürbar ist der Fortschritt in der Animation, der in manchen Momenten bereits so weit geht, dass etwa die Schildkröte Verne vollkommen plastisch, wie eine Puppe, die man angreifen könnte, wirkt. Diesen lebendigeren Figuren stehen die Schauspieler-Stimmen und ihre vor allem im Original unverkennbaren Typen bei: Da gibt zB ein Bruce Willis den sanft tönenden Rattenfänger, während Wanda Sykes auf straßenschlaues Stinktier from the hood macht. Die tollste Vorstellung liefert jedoch wieder einmal ein markenzeichenmäßig-theatralischer William Shatner, der aus dem Kokettieren mit dem Sterben mittlerweile seine eigene Marktnische gezimmert hat. In diesem Fall ist das sogar doppelt lustig, weil Ben Folds, mit dem Shatner sein Album Has Been aufgenommen hat, auch hier die Songs beisteuerte – einer dieser Insider-Gags, die den Kindern gar nichts sagen, den Pop-Staubsaugern dafür umso mehr.
So zielt der Film auf Eltern, Windelträger, Omas und Trekkies; Hausbesitzer, Umweltschützer, Tonjünger und natürlich auch auf Fans von Avril Lavigne – kurz gesagt alles, was bei Bewusstsein ist, in der Hoffnung, jeden mit dem Breitband-Frohsinn anzustecken. Dafür tut er alles, sogar Eichhörnchen frei schwebend durch die Windschutzscheibe eines Lastwagens winken lassen, der gerade in Zeitlupe kopfüber durch die Luft segelt. Weil Ab durch die Hecke offensichtlich nicht mehr will, funktioniert das auch prächtig. Besser – und zum Klassiker – hätte der Film überhaupt nur noch werden können, wenn man ihm eine echte Geschichte spendiert hätte. Aber was solls: Da spricht ein Europäer.

© UIP

Trivia - Geschichten und Gschichterln
Unbedingt bis zum Ende des Abspanns sitzen bleiben: Ganz am Schluss wartet nämlich noch eine Szene an genau dem Automaten, der Richie schon zu Beginn Probleme bereitete.

Im Abspann diskutiert die Hecken-Familie über Star Trek II – Der Zorn des Khan und das Genesis-Projekt. Natürlich war William Shatner in diesem Film als Captain Kirk zu sehen.

Die böse Menschenfrau Gladys fährt passenderweise ein Auto mit dem Kennzeichen GLADY$$$

Zitat
RJ/Richie hat Schwierigkeiten, sich beim Stibitzen von Vincents Vorräten zurückzuhalten: „Just take what you need. Just take...“

Verne: „Everybody wake up! Hibernation's over!“

Verne über die Hecke: „What should we call it?“
Hammy: „I know! Let’s name it Steve.“
Verne: „Why Steve?“
Hammy (verzückt): „It’s a pretty name.“
(Im Original wird Hammy von Steve Carell gesprochen.)

Ozzie, als Verne in der Hecke verschwindet: „Steve ate Verne!“

Ozzie ist sauer über das Gefahrenverhalten von Verne: „You should have died! You should have laid down and died!“

Ozzie, am Ende seiner vorgetäuschten Sterbeszene flüsternd: „Rosebud.“

Heather, nachdem sie sich erfolgreich totgestellt hat: „I learned from the best, Dad.“

Die Stachelschwein-Kinder haben genug von Borke: „No, I want a donut“ - „I want pizza!“

RJ zu Verne: „You mind if I call you Uncle Verne?“
Verne: „With every fibre in my body.“

Hammy stimmt sich auf seine Mission ein: „I am a crazy rabid squirrel. I want my cookies!“

Die böse Gladys erklärt, was sie mit den Tieren vor hat: „To kill them before they get hurt (like this.)“

Verne zu RJ, kurz bevor sie mit verbrutzeltem Fall-Sonnenschirm abstürzen: „You're the devil.“

Die Stachelschwein-Kinder auf die ängstliche Frage, ob sie den Kammerjäger-Truck fahren können: „We can drive! It's just like Auto Homicide 3.“

Vincent zu RJ: „Classic RJ: You take the food, and they take the fall.“

Hammy: „Look! I found my nuts!“

© UIP
Die offizielle Filmseite
http://www.overthehedgemovie.com/