In Die große Stille portraitiert Philip Gröning das Leben der Mönche in der Grande Charteuse, dem Mutterkloster der Karthäuser, im Wechsel der Jahreszeiten.
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Kritik
Wer sich einen Film erwartet, der die historische Entwicklung der Karthäuser beleuchtet und die Stellung des Ordens innerhalb der katholischen Kirche und in der heutigen Gesellschaft erörtert, der wird von Die große Stille schwer enttäuscht sein. Es wird auch keine nette Lebensgeschichte von irgendeinem wundersamen Heiligen oder einem sympathischen Klosterbruder erzählt. Von einem Spannungsbogen in irgendeiner Form kann nicht die Rede sein. Nicht einmal eine Erzählerfigur gibt es. Dieser Film versorgt einen nicht mit derartigem Material. Er hat anderes zu bieten, nämlich beinahe drei Stunden Ruhe, Einkehr und Erholung. Die große Stille ist ein Wohlfühlfilm.
Anfangs wirkt die leise Welt der weiß bekutteten Mönche mit ihren Gebeten und Ritualen befremdlich, doch es dauert nicht lange, bis einen die Stille, die gar nicht so still ist, wie man glauben könnte, in ihren Bann zieht. Das fast völlige Fehlen von gesprochenen Worten lenkt die Aufmerksamkeit auf Dinge, die man sonst nie dermaßen bewusst wahrnehmen würde, zum Beispiel wie irrsinnig laut es ist, wenn man Stoff zerschneidet oder dass man vom Geräusch einer Laubsäge Gänsehaut bekommt. In der Ruhe nimmt man Details viel bewusster wahr.
Nicht nur auf der akustischen, auch auf der optischen Ebene geht es dem Film um Details. Es gibt Aufnahmen von Regentropfen, die aufs Wasser prasseln oder vom Flackern einer roten Flamme. Die Bilder sind konzentriert. Der Zuschauer soll sich konzentrieren. Ein Einklang wird angestrebt zwischen den Kleinigkeiten des Klosterlebens und der oft rauen Natur der bergigen Landschaft.
Dazwischen gibt es immer wieder grobkörnige Super-8-Aufnahmen, die den Charakter des Films stark prägen und immer wieder Texttafeln mit Mantras, die ihres dazu tun, um der Zuschauerseele in der Klausur des Kinosaals die Dimensionen des kontemplativen Lebens erlebbarer zu machen.
Zu den Mönchen, die sich immer wieder routiniert durch ihre strikten Tagesabläufe bewegen, ihre Arbeiten verrichten und Choräle singen, entsteht eine merkwürdige Beziehung. Man erfährt so gut wie nichts über diese Menschen, aber man ist von ihnen fasziniert, weil sie so eine große Zufriedenheit ausstrahlen. Wenn sie zwischen all den Wiederholungen ewiggleicher Tätigkeiten ihr Schweigen brechen, ist das irrsinnig aufregend, und man bemüht sich, ganz genau zuzuhören, um ja keine Silbe zu versäumen. Weniger ist mehr.