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Ein schlechtes Omen
John Moore beweist mit dem Remake des Horrorklassikers Das Omen einmal mehr, dass solche Unterfangen zumeist sinnlos sind.


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US-Jungdiplomat Robert Thorn mit viel versprechender Karriere arbeitet in Rom. Bei der Geburt im Klosterkrankenhaus (am 6.6.!) stirbt das gemeinsame Kind, während Gattin Kate davon nichts mitbekommt. Suspekter Priester legt ihm nahe, doch dieses arme in der gleichen Nacht verwaiste Baby stattdessen anzunehmen. Jahre später, der Papa ist inzwischen US-Botschafter in England, wird Sohn Damien seltsam, reagiert ebenso allergisch auf Kirchen wie Tiere auf ihn und ein irrer Priester warnt vor dem Sohn des Teufels. Das Kindermädchen ist nicht ganz koscher, der zugelaufene Hund des Kindes auch nicht. Papa macht mit Fotograf, der Zeichen sieht, Reise um die halbe Welt (inkl. Italien und Jerusalem), um herauszufinden, was bis jetzt schon jeder kapiert hat.

Während des Verfassens der Filmkritik fast vom Blitz getroffen wurde Julia Pühringer

Kritik
© by Twentieth Century Fox
Der Vater aller Satansbraten: Damien

Es bieten sich drei sehr vernünftige Alternativen zu diesem Film:

1. Bitten Sie einen guten Freund, sich mit Ihnen in ein finsteres Haus zu begeben und im Laufe der nächsten zwei Stunden drei bis vier Mal unerwartet laut „Buh!“ zu schreien.

2. Besorgen Sie sich den Originalfilm aus dem Jahr 1976.

3. Lesen Sie die grandiose Persiflage „Good Omens“ von Terry Pratchett und Neil Gaiman. Am besten bestellen Sie das Buch gleich bei Amazon.

Aber gehen Sie bitte nicht ins Kino – von höllischem Ausmaß ist hier nur die Langeweile. Da nützt es auch nichts, dass die Besetzung eigentlich gar nicht so schlecht wäre. Liev Schreiber, auch schon im ebenso üblen Remake von The Manchurian Candidate zu sehen, hat die nicht vorhandene Ausstrahlung von Sam Neill in Teil 3 der alten Filme. Julia Stiles, eigentlich Shakespeare-Spezialistin mit großer Ausstrahlung, langweilt als hübsche unterbeschäftigte Botschaftergattin, die schon in den 1970ern altmodisch gewirkt hätte. Pete Postlethwaite (DER Kobayashi in Die üblichen Verdächtigen) darf den wirren Priester spielen und wäre sofort durch Tom Wilkinson (Der Exorzismus der Emily Rose) und Konsorten ersetzbar. David Thewlis beweist als Fotograf mit Faible für Vorzeichen, dass er genauso durcheinander dreinschauen kann wie in Basic Instinct 2 und in Harry Potter als Prof. Lupin. Auch Seamus Davey-Fitzpatrick als Damien, der Satansbraten, reißt teufelsmäßig nichts. Es hat schon seinen Grund, dass sogar der durchaus unheimliche Harvey Stephens, der Ur-Darsteller in der 76er-Version, später in die Baubranche wechselte (er hat dafür ein Cameo in der neuen Version). Ein Michael Gambon-Kurzauftritt als Carl Bugenhagen (sprechen Sie den Namen mal auf Englisch aus und fangen Sie nicht zu lachen an) geht völlig unter, ganz abgesehen davon, dass mehr als ein Harry Potter-Darsteller in einem Horrorfilm irgendwie beunruhigend wirken kann - Gambon spielt seit Richard Harris’ Ableben die Rolle des Albus Dumbledore. Einzig und alleine Mia Farrow, als Teufelsmutter wider Willen in Polanskis Horror-Meisterwerk Rosemary’s Baby berühmt geworden, kann die damals erworbenen Fähigkeiten in der Erziehung von Monstrositäten als Kindermädchen Mrs. Baylock wieder einsetzen. Dieser eine Insider-Lacher reißt allerdings niemanden aus 120 Minuten Ödnis lang genug heraus. Es gibt darüber hinaus allerdings noch einen Insider zur Potenz: Der völlig entstellte Pater Spiletto (nein, nicht wie der Stöckelschuh) sieht aus wie Mason Verger (Gary Oldman) in Hannibal und wird von Giovanni Lombardo Radice gespielt, der ansonsten in billigen Italo-Kannibalen-Filmen sein Unwesen treibt.

© by Twentieth Century Fox
Die Blumen des Bösen

Vielleicht war es auch nur der ebenso grottenfade The Da Vinci Code, der einem alte Klöster und Kirchen eine zeitlang verleidete. Auch hier ist es ein langer schmerzhafter Prozess, zusehen zu müssen, wie die stupiden Protagonisten Ewigkeiten brauchen, um ganze Filmrollen nach dem Publikum die Hinweise auf das Geschehen endlich zu entschlüsseln.

Der satanische Friedhof mit umgedrehten Kreuzen in Italien hat allerdings echt schon Trashcharakter á la Die Nacht der reitenden Leichen. Da werden Marmorplatten herumgeschoben wie Spanplatten vom Baumax, dass es eine Freude ist – ganz abgesehen davon wird wohl nur in der amerikanischen Version von Italien Filterkaffee getrunken. Und natürlich verursachen halb ausgedämpfte Tschickstummel in Kombination mit Benzin Explosionen – vor allem um 6 Uhr 66. Während einer Verfolgungsjagd, vorgeblich durch London, wird dann durch die Schriftzüge tschechischer Banken an den Gebäuden wenigstens klar, wo man tatsächlich gedreht hat – in Prag.

Die Bilder scheinen aus dem Kursbuch „Farbsymbolik für Anfänger“ entlehnt – dunkelrote Kinderzimmerwände mit verschnörkeltem Tapetenmuster in Sechserform, knallrote Bettdecken im Krankenzimmer, rote Ballons auf tödlich endendem Kindergeburtstag, dunkelrote Kinderbettwäsche und ein roter Tretroller als Mordinstrument lassen einen leise leidend aufseufzen: Wir haben es schon verstanden! Er ist der Sohn des Teufels! Bitte ein Mitarbeitsplus!

Das ursprüngliche Omen wurde, so die Marketing-Strategie, durch diverse tragische Unfälle während und nach der Dreharbeiten begleitet. Liest man sie heute, scheint fast die Hälfte der Beteiligten beinahe durch Blitzschlag oder Autounfälle ausgerottet worden zu sein. Im Pressetext zur neuen Version findet sich gerade Mal eine Lebensmittelvergiftung, gestorben ist niemand. Was sagt uns das? Friedhof der Kuscheltiere ist wesentlich Furcht einflößender, vermutlich allerdings auch Dauerwerbesendungen oder die Kronenzeitung.

Damit es hier noch irgendwas zu lachen gibt, im Anschluss ein paar lehrreiche Regeln aus dem herrlichen “Horror Movie Character’s Survival Guide”, der leider schon seit über vier Jahren offline ist. Nichtsdestotrotz bleibt das Werk ewig zitierbar, deshalb einige der insgesamt 1061 Regeln, die auf „Omen“ zutreffen. Die brauchbaren Filmzitate finden sich am Ende des Artikels.

96) If a dog, cat, or horse begins to behave in an erratic fashion in a particular person’s presence, avoid that person at all costs (even if it is your spouse or child).

105) If you catch snatches of the theme song, you know the bad thing is close by.

173) Don’t associate yourself with people who have access to virgins’ blood and speak in Latin.

191) When your loved one is infected/assimilated/zombified/possessed or whatever and someone grabs your arm and says ‘It’s too late for her/him’ BELIEVE THEM! Shoot the former human and get the hell away from there!

192) Always listen to the crazy man warning you something bad is going to happen, because he’s probably right.

194) If ANYONE says they are a messenger from God, listen to them, because they usually are.

206) If the barber remarks on the “666” tattoo your buzzcut kid now has, abandon the kid and move to Irkutsk.

207) Remember, the priest will NEVER make it to your domicile to relieve you of those pesky supernatural occurrences. Whether by plane, train, auto, horse, donkey, bus, or afoot, he’ll never ever make it to your doorstep alive (unless he’s secretly in league with Satan).

219) Above all, remember this: your friends, family, and enemies, they are all expendable.

247) Never announce openly that you’re not afraid, you don’t believe, or that you’re fully prepared. You’re just asking for it.

248) Try hard to recall any strange dreams you recently had. They will inevitably come into play at some point.

247) If the cross in your local church is upside down, bleeding or otherwise mutilated, find the nearest exit.

270) The monster will never attack until you are aware of it. Often, it will even wait for you to become scared of it.

297) When you hear scary music, run the other direction!

315) If anyone’s ever told you about your twin that died at birth, or if you’re adopted, you’re pretty much screwed.

324) Don’t waste valuable time digging up the grave of your dead child, it’s safe to assume the coffin is either empty or contains the remains of some strange animal.

375) If you are a rich successful jerk, don’t expect to live very long.

571) If you know that a remake will be produced of your film, make sure David Cronenberg will be directing. Otherwise, it’ll suck.

634) Consider *being* the villain in a horror movie. If you do a decent job killing everyone, you may live for an indefinite number of sequels. Even if you die, there’s a good chance you’ll be coming back.

635) Churches and holy grounds just aren’t safe places to be in a horror movie. Every demon from Pinhead to Pumpkinhead can usually just walk right in.

661) If you are protecting a kid who has been marked as the son of Satan by a religious group … Think.

700) Nothing ever good has come after the following phrases have been said:

Let’s play.

Now let’s just calm down.

801) It the rest of the house is well lit and you hear a strange sound coming from the only room whose light switch doesn’t work…think about it. Don’t take it as a circuit breaker slip, and get the heck out of there.

832) Be superstitious … be VERY superstitious. It gives you at least a fifty-fifty chance of surviving the movie.

 877) Stay away from any and all archaeological digs.

878) Remember, things in the ground are there for a reason.

884) Never pack up your family and move out of the big city for a quiet life in the country.

913) Never doubt that you saw something strange.

933) If you don’t understand it, kill it.

1039) Be sensitive. This will ensure the audience make an emotional attachment to you, and will keep you living.

1046) If you are an immigrant or a kindly old soul with a heavy accent who wants to help kill the monster/demon, expect to die within the first half of the movie. This increases the sadness factor.


Zitat

Damien spielt verstecken, seine Mutter sucht ihn panisch im Nebel. Damien: „Did I scare you, Mommy? I didn’t mean to!“

Kate Thorn zu Damien: „What’s wrong, sweety? It’s just a church!“

Mia Farrow als Mrs Baylock: „Caring for children has been the joy of my life. I was so lucky!”

Carl Bugenhagen: „Your son, Mr. Thorn, is the son of the devil.“

Kate Thorn: „I’m so scared“. Robert Thorn: „Kate, there’s nothing to be scared of, I promise!“

Achtung: SPOILER!

Kindermädchen, kurz vorm Selbstmord: „It’s all for you, Damien“

Kate Thorn, vom Geländer hängend: „Damien, please, help!“. Gefolgt von langem Schrei und klatschendem Geräusch.

Mrs Baylock, kurz bevor sie die Mutter im Krankenhaus umbringt: „I’m the family nanny, I’m just here to spread a bit of cheer!“

Die offizielle Website zum Film
http://www.theomenmovie.com/