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Ein Engel auf Erden
Luc Bessons erste Regiearbeit nach beinahe siebenjähriger Pause bietet schöne Paris-Ansichten und eine gut gemeinte Geschichte.


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Einen supermodelhaften Engel zu treffen hofft Christiane Kalss

Der klein gewachsene André (Jamel Debbouze) belügt ständig alles und jeden. Seinen dubiosen Geschäftspartnern erklärt er, er sei ein erfolgreicher amerikanischer Geschäftsmann, doch in Wahrheit ist er nur ein kleiner Gauner mit marokkanischen und nicht amerikanischen Wurzeln, der in Paris sein Glück versucht. Weil er die Lüge so überstrapaziert hat, glaubt ihm niemand mehr. Er soll bis morgen seine Schulden bezahlen, sonst wird er getötet. André ist verzweifelt. Es scheint keinen anderen Ausweg aus seinem Dilemma geben als den Todessprung in die Seine. Als er seinen letzten Plan in die Tat umsetzen will, ist er nicht der einzige, der das vorhat. Eine knapp bekleidete Blondine mit Modelmaßen (Rie Rasmussen) will ebenfalls ihrem Leben auf diese Art ein Ende bereiten. Sie springt. André ebenfalls. Allerdings rettet André die schöne Angela, und sie weicht ihm als Dank nicht mehr von der Seite. Sie hilft ihm, Geld aufzutreiben, und bald wird klar: Wer so sexy und so nett ist, kann kein Mensch sein. Angela ist himmlischer Herkunft.

Kritik
Luc Besson liefert mit Angel-A einen äußerst ästhetischen Schwarz-Weiß-Film, aus dem man jedes einzelne Bild wahlweise in einem Modemagazin oder einem Bildband über Paris abdrucken könnte. Alle Brücken, Nachtclubs, Straßen und Stripperinnen sind derartig ansehnlich, dass bald der Wunsch aufkeimt, man könnte die Farbe aus der Welt leeren, bloß der Optik wegen im schwarzen Designerminikleid in die graue Seine zu springen.


Alles wäre ja so schön, wäre da nicht diese eine störende Kleinigkeit: Die Story. Es liegt nahe, mit schönen Bildern eine schöne Geschichte zu erzählen. Das versucht Besson auch, aber es gelingt ihm nicht ganz. Das Märchen vom nicht gerade herzeigbaren, aber herzensguten André, der die hübsche Angela durch seine innere Schönheit so sehr beeindruckt, dass sie sogar gegen Bezahlung mit Männern auf der Diskotoilette verschwindet, um seine Schulden zu begleichen, ist eine Zeit lang wirklich sehr nett. Wenn Angela dann allerdings lässig offenbart, was besser eine Vermutung geblieben wäre, nämlich dass hinter der Fassade der femme fatale nichts geringeres als ein Engel steckt und zum Beweis gleich einen Aschenbecher zum Schweben bringt, beginnt einem der Film langsam auf die Nerven zu gehen. Je mehr Angela vom Leben und Arbeiten im Himmel preisgibt, desto mehr verliebt sich André in seinen feschen Schutzengel und in sich selbst und desto mehr erzählerische Schwächen tun sich auf. Alles, was man als Zuschauer dann noch tun kann, ist zu beten, dass Angela unter dem knappen Kleidchen nicht zu allem Überfluss auch noch Flügel wachsen. Dieses Gebet erweist sich allerdings recht bald als vergebens.

Es empfiehlt sich also, die bezaubernden Ansichten, die einem Angel-A bietet, zu genießen und nicht allzu sehr auf die Handlung zu achten.