Luc Besson liefert mit
Angel-A einen äußerst ästhetischen Schwarz-Weiß-Film, aus dem man jedes einzelne Bild wahlweise in einem Modemagazin oder einem Bildband über Paris abdrucken könnte. Alle Brücken, Nachtclubs, Straßen und Stripperinnen sind derartig ansehnlich, dass bald der Wunsch aufkeimt, man könnte die Farbe aus der Welt leeren, bloß der Optik wegen im schwarzen Designerminikleid in die graue Seine zu springen.
Alles wäre ja so schön, wäre da nicht diese eine störende Kleinigkeit: Die Story. Es liegt nahe, mit schönen Bildern eine schöne Geschichte zu erzählen. Das versucht
Besson auch, aber es gelingt ihm nicht ganz. Das Märchen vom nicht gerade herzeigbaren, aber herzensguten André, der die hübsche Angela durch seine innere Schönheit so sehr beeindruckt, dass sie sogar gegen Bezahlung mit Männern auf der Diskotoilette verschwindet, um seine Schulden zu begleichen, ist eine Zeit lang wirklich sehr nett. Wenn Angela dann allerdings lässig offenbart, was besser eine Vermutung geblieben wäre, nämlich dass hinter der Fassade der femme fatale nichts geringeres als ein Engel steckt und zum Beweis gleich einen Aschenbecher zum Schweben bringt, beginnt einem der Film langsam auf die Nerven zu gehen. Je mehr Angela vom Leben und Arbeiten im Himmel preisgibt, desto mehr verliebt sich André in seinen feschen Schutzengel und in sich selbst und desto mehr erzählerische Schwächen tun sich auf. Alles, was man als Zuschauer dann noch tun kann, ist zu beten, dass Angela unter dem knappen Kleidchen nicht zu allem Überfluss auch noch Flügel wachsen. Dieses Gebet erweist sich allerdings recht bald als vergebens.
Es empfiehlt sich also, die bezaubernden Ansichten, die einem
Angel-A bietet, zu genießen und nicht allzu sehr auf die Handlung zu achten.