Das kleine Dorf in Gallien, das als einziges den Römern noch Widerstand leistet, erhält Besuch: Grautvornix, der Neffe von Häuptling Majestix, soll weit weg vom Nachtleben in Lutetia endlich zum Mann gemacht werden. Keiner wäre besser als Trainer geeignet als Asterix und Obelix, aber auch die schaffen es nicht, aus der Memme einen Krieger zu formen.
Hoch oben im Norden beschließt zur selben Zeit der Wikinger-Anführer Maulaf, dass nur noch eines fehlt, damit seine Kämpfer unbesiegbar sind: Sie müssen herausfinden, was Angst ist, denn Angst verleiht Flügel - hat ihr Seher Kryptograf behauptet. Also machen sie sich auf zur gallischen Küste, um den Angst-Champion zu suchen - und finden Grautvornix, der gerade vor dem harten Training Reißaus genommen hat. Schnurstracks verschleppen sie ihn nach Norden. Es dauert jedoch nicht lange, bis Asterix und Obelix die Verfolgung aufnehmen.
Grautvornix 1967 in
Asterix und die Normannen: der war aktuell. Mit seinem ins Gesicht hängenden Schopf, mit dem Rock'n'Roll, den er auf der Laute zupfte, mit seinen Großstadtmarotten -
Goscinny und
Uderzo hätten nicht besser zeigen können, dass da eine neue Generation heran wächst, die weniger mit ihren Vätern gemeinsam hat als jede vor ihr.
Grautvornix 2006, der ist ein Symptom: für den schief gegangenen Versuch, Asterix und Obelix aufzustylen.
Asterix und die Wikinger - selbe Nordmannen, anderer Titel - strengt sich an, die Gallier zu etwas zu machen, was sie noch nie waren: modern. Dabei geht es nicht um die Wikingerin namens Wikea oder die Brieftaube namens SMSix - diese Anspielungen gab es immer, und sie sind auch diesmal witzig. Holprig wird es vielmehr, sobald die Vorlage verlassen wird: Die beiden dänischen Regisseure des Films, vor ein paar Jahren mit
Hilfe, ich bin ein Fisch! erfolgreich, bauten die Geschichte nämlich nicht aus, sondern um. Eingefügt wurde dabei auch etwas, ohne dem Asterix-Abenteuer seit jeher gut auskamen: eine Romanze. Zwischen dem Hasenfuß Grautvornix und Abba, der Häuptlingstochter der Wikinger, darf es funken. Die wieder soll sich zeitweilig als Kämpferin für Gleichberechtigung betätigen - bis sie, inzwischen schwach geworden, gerettet werden muss.
Vieles wurde also dazu erdacht, einiges wie die Sprache etwas flotter gemacht. In solchen auf Erneuerung bedachten Händen wird dann auch jeder Flugzeuggag durchgezogen, der sich anbietet, oder der Festsaal der Wikinger kurzerhand zur Großraumdisco. Trotzdem schafft es selbst Trendsetter Grautvornix nicht ins neue Jahrtausend - schon gar nicht popmusikalisch: Er wird wie Rocky zu
Eye of the Tiger trainiert und shakt abends zu Coverversionen von 70er-Hits à la
Get Down on It ab, in denen sich gelegentlich auch ein MC-Hammer-Sample finden darf. Wenn schon zeitgemäß, dann hätte Grautvornix ein milchgesichtiger Gangsterrapper sein müssen, der beim ersten Anzeichen von Gefahr seine Tarn-Beinkleider voll hat. Dafür war man dann aber wohl doch nicht mutig genug, sondern griff lieber auf die Kinderdisco zurück.
Diesem Bild fügen sich auch die Sprecher ein: allesamt sauber, alle professionell, aber keiner, der sich hervorhebt, obwohl
Smudo,
Nora Tschirner oder
Dieter Hallervorden am Werk waren.
Christian Tramitz wieder, der als Asterix ecken- und kantenlos ist, versucht erst gar nicht, den rauen Stimmen von
Frank Zander und
Hans Clarin, die diese Rolle vor ihm sprachen, nachzueifern.
Asterix und die Wikinger bewegt sich also im Ganzen auf den sicheren, ausgetretenen Pfaden, bleibt dabei immer übersichtlich und im Tempo kontrolliert - nimmt sich also auch den einzigartigen Charme, der immer etwas von Tumult hatte, weg. Da hilft es nichts, wenn sich das Meer nun in 3D wellt, und alle Figuren ein ausgefeiltes Schattenspiel haben: Obwohl sie plastischer denn je erscheinen, waren die Gallier auf der Leinwand noch nie so beliebig wie heute.