Warum Pierce Brosnan als verbrauchter Auftragskiller in der Krise gar nicht so schlecht ist, wie alle tun.
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Unschuldiger handzahmer Verkäufer ohne Biss mit dem passenden Namen Danny Wright und ebenso passender netter Frau (Highschool-Liebe!) muss nach Mexico City, um für seine Firma den Deal seines Lebens abzuschließen und um gleichzeitig mit dem Aufstieg im Gehaltsschema auch noch seine Ehe zu retten. Dort trifft er, betrunken an einer Bar, wie sich das gehört, Julian Noble, bei dessen Geschäft es auch um Leben und Tod geht, sozusagen. Und natürlich wäre der Film völlig uninteressant, würde man in Brosnans Gesicht nicht den Bond, James Bond, sehen und von dem seinerseits unfreiwilligen Ende der Rolle nichts wissen. Aber zum Glück ist dem ja nicht so.
Kritik
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| Dann eben doch Profikiller: Aus Julians (Pierce Brosnan) Traumberuf wurde leider nichts |
Stellen Sie sich einen englischsprachigen
Götz George mit einem Anflug von
Burt Reynolds in den 70ern und
Magnum-Schnauzbart vor und Sie landen bei Pierce
Brosnans gottvollem Auftritt in
Mord und Margaritas. Nicht ungefährlich, anziehend und mit einem Herz erweichenden Dachschaden – den obligatorischen Dreitagesbart nicht zu vergessen.
Brosnan trägt Hemden, die trotz Siebzigerjahre-Revival schwer verboten sind, mit mehr oder weniger (eher weniger) Anstand, und sieht so aus wie alle Bond-Darsteller in Personalunion (können Sie sich noch an
Sean Connery in diesem hellblauen Frottee-Shorty-Sportanzug erinnern?).
Die Rolle ist
Brosnan als inzwischen verschmähtem Bond auf den Leib geschneidert – was bei Bond Diplomatie, Jetset-Leben, verbal durchdachte Flirts, andächtiges Martini Schlürfen und bildschöne fremde Frauen sind, sind hier Lügen, Heimatlosigkeit, plumpe Anbratsprüche, hemmungsloses Saufen und Nutten. Nein, es handelt sich natürlich trotzdem nicht um einen realistischen Film. Würden echte Auftragskiller so viel trinken und dann folglich ebenso viel reden, hätten sie ihren Job wohl nicht lange. Aber dieser Film behandelt sogar Versatzstücke mit Liebe. Natürlich hat der Killer so viel zu tun, dass er seinen eigenen Geburtstag vergisst. Klar, ruft er dann ebenso einsam wie sternhagelvoll alle Nummern aus dem „Kleinen Schwarzen Buch“ durch und niemand will mit ihm reden. Logischerweise gibt es den per chiffrierter Anzeige im „International Tribune“ arbeitenden Kontakter der erstens „Mr. Randy“ heißt und zweitens von Altmeister
Philip Baker Hall gespielt wird. Und logisch wäre der Killer gern brav und der Brave gern ein bisschen mörderisch. Andererseits hat wohl der verheiratete Langweiler das bessere Liebesleben und: so unterschwellig schwul war wohl noch nie ein Killer (“I wanted to be a male cheerleader” – inklusive lustigem Tagtraum).
Pierce Brosnan lackiert sich die Zehennägel in violett-silber-schimmernd. Das wollten Sie immer schon sehen, auch wenn Sie das bis jetzt nicht gewusst haben! Besonders witzig wird die Besetzungs-Konstellation dadurch, dass der Hetero-Ehemann, gespielt von
Greg Kinnear, sofort als
Jack Nicholsons schwuler Nachbar in
As Good As It Gets identifizierbar ist.
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| Hitman 101: Danny (Greg Kinnear) wird von Julian ins Auftragsmördergeschäft eingeführt |
Es ist unglaublich unterhaltsam zu sehen, wie Danny alle Memorabilia an das Treffen mit dem aufdringlichen Killer hinter Glas aufbewahrt hat und sich wie er einen Schnauzbart wachsen hat lassen. Es ist putzig statt peinlich, dass auch Mörder Panikattacken haben können – und die Angstvorstellungen haben durchaus Unterhaltungswert, Haifisch im Swimmingpool, sag ich nur. Es ist angenehm zu sehen, dass die Wrights mit dem Tod ihres kleinen Sohnes so halbwegs umgehen können und dass so ein Thema auch in einer Komödie auftauchen kann ohne auch nur im Entferntesten krampfhaft zu wirken. Und gegen einen Film, in dem das einzige Product Placement für Corona ist, kann man nichts einwenden. Ein gelungener Racheakt.
Zitat
Julian Nobles Selbstbeschreibungen:
a) “facilitator of fatalities“
b) “I’m a great helper in getting deals closed.”
c) “I’m psychopathic but I’m not psychotic”
Julian Noble, nachdem er mit Danny an der Bar ins reden kommt: “Margaritas always taste better in Mexico.”
Danny Wright: “Yes they do.”
Julian Noble: “Margaritas and cock.”
Nachdem Julian fluchtartig das Lokal verlassen will:
Julian Noble: “Sorry about the cock thing, it's kind of a conversation stopper.”
Danny Wright: “You’re kidding me…”
Julian Noble: “I’m as serious as an erection problem.”
Julian Noble will gerade Danny überreden, ihm bei einem Auftrag zu helfen: “Come on! It'll be a good time!”
Danny Wright: “Oh, so now killing people is a good time?”
Julian Noble: “...Can be…”
Julian Noble, vor einem WC auf ein versuchsweises Mordopfer wartend: “I am a big fan of the ‘Everybody's got to pee’ theory of assassination.”
Julian Noble, schwer verkatert: “I look like a Bangkok hooker on a Sunday morning, after the navy's left town.”
Julian Noble, enttäuscht weil ihn Danny im Stich lässt: “Just consider me the best cocktail party story you ever met.”
Julian Noble, nachdem er einen Auftrag versaut hat und kurz davor steht, eliminiert zu werden: „I need a break. There's no retirement home for assassins is there? Archery at four. Riflery at five.”
Julian Noble träumt weiter von seiner Zukunft: “I want to retire to a beautiful little Greek island, filled with beautiful little Greeks!”
Julian Noble, nachdem Danny den Tod seiner Frau als Lüge enttarnt hat: “I lie when I need to, tell the truth when I can.”
Bean, Dannys Frau, während dreisamem Besäufnis zu ihrem Mann: “Aren't we fucking cosmopolitan? Having a trained assassin stay overnight. Letting heartbreaking lies roll over us like a summer breeze.”
Bean: “You said he was a nice guy!?”
Danny: “For an assassin…”
Bean, doch beeindruckt: “Maybe he’ll show me his gun!”
Als alle betrunken sind, rät Julian dem Ehepaar, vor dem Einschlafen drei Aspirin einzunehmen. Darauf Danny: „Where did you hear that? In the assassin’s book of home remedies?”
Julian Noble, entschuldigend: “I didn't mean to weird you out. I was wrong, please. I just get paranoid sometimes. I'm drunk. I'm tired, and I've just been fornicating for the past 24 hours, and before that I was doing shit 24 hours-- horrible business shit.”
Julian Noble, das vergangene Jahr Revue passieren lassend: “Then, about two months ago, I had this job in Manila. Now, normally, this would make me happy. I like the hot climate. Guys look like chicks, it's fucking fantastic.“