Remake und Adaption. Peter und Bobby Farrelly machten es sich im Fall von Fever Pitch - Ein Mann für eine Saison scheinbar leicht. Nick Hornbys Romandebüt aus dem Jahr ist so etwas wie die Bibel für unverstandene (männliche) Fußballfans. Fußball und Beziehung – geht das ? Bei Hornby ist Arsenal London das “love interest”. Fußball ist in der facettenreichen Autobiographie gleich zu setzen mit Besessenheit, Abhängigkeit, unwiderruflicher Treue, gewürzt mit den klassischen Zutaten eines Durchschnittslebens, das keines sein will.
Fever Pitch schrie also förmlich nach einer Verfilmung. 1997 rührte David Evans unter Ausschluss der Öffentlichkeit und mit dem damaligen „No name“ Colin Firth aus dem Buch eine britische Sportdramödie im klassischen Brit-Comedy-Stil.
Und nun ein paar 1000 km westwärts das gleiche: „They give me stability“, sagt Ben über seine Mannschaft. Selbst wenn sie mal verlieren würden, sie blieben doch immer die gleichen. „You mean, it’s not as life”, antwortet Lindsey.
Ben lebt in Boston. Und wer dort – in der europäischsten aller US-Metropolen – lebt, der ist Red Sox- Fan oder Einwanderer – der spätestens nach 3 Wochen Red Sox-Fan wird. Also wie in Europa, nur mit Schläger und Home Runs statt rundem Leder und Elfmeter. Dann lernt Lehrer Ben Mathematikerin Lindsey im Rahmen einer Schulexkursion kennen. Es kommt, wie es kommen muss: Das Skript lässt Lindsey ein bisschen zieren, doch Bens kindlicher Schmäh, der für gut 90% der Lacher gut ist, erweicht auch ihr Herz. Bis zum Tag, an dem SIE von SEINEM zweiten Leben erfährt.
Klingt nach einer routinierten Romantikkomödie. Ist es auch. Wenn da nicht die Farrellys wären: Deren Filmographie hat sie im letzten Jahrzehnt zu den großen Humanisten Hollywoods mit akutem Drang zu politischer Unkorrektheit erhoben. Wer in Shallow Hal eine 150 Kilo schwere Gwyneth Paltrow in Jack Blacks Arme fallen sieht, der eben erst eine Pracht-Blondine vor die Tür gesetzt hat, der glaubt wieder an das Gute in dieser Welt. Und wenn Woody Harrelson in Kingpin, der vielleicht besten Sport-Komödie der 90er, seiner abgestunkenen Bowlerkarriere trotz seiner amputierten Gewinnerhand mit Hilfe von ein paar Verlierertypen wieder auf die Beine hilft, dann füllen wir schnell den Zahlschein für die Caritas aus.
Fever Pitch ist nett. Und das ist wohl das schlimmste Wort, das über einen Film der Farrellys gesagt werden kann. Augenscheinlich wird dieses Urteil, wenn im Red Sox-Stadion ein schmächtiger Bub die US-Hymne intoniert und dann für eine Sekunde vor dem nächsten Schnitt vom Platz humpelt. Es soll das einzige Mal bleiben, dass körperliche Disfunktionalität, sonst ein wesentliches Erkennungsmerkmal der Farrelly-Figuren, ins Bild darf. Denn im Universum der Farrellys transportiert üblicherweise die bizarre Zurschaustellung unperfekter Charaktere in einem Umfeld, das nicht (mehr) zwischen (gesellschaftlich vorgegebener) Normalität und Abnormalität unterscheidet, ein naiv-karitatives Weltbild – eines, das im modernen Blockbusterkino mit Jugendwahn und Plastikgesichtern Seltenheitswert hat.
Die Charaktere in Fever Pitch besitzen nun genau jene Abgeklärtheit, die etwa Ben Stiller und Matt Damon in Verrückt nach Mary erst gar nicht aufkommen ließen. Drew Barrymore gibt die moderne Business-Frau – zwar sympathisch, aber gänzlich ohne Ecken und Kanten. James Fallon bleibt der Slapstick-Part überlassen, doch selbst der ist schaumgebremst. Szenen wie jene, in der Ben Tickets an jenen seiner Kumpels verschleudert, der ihm die beste Tanzeinlage liefert, sind rar; Und bezeichnend dafür, dass in Fever Pitch die kleinen Nebenschauplätze hinsichtlich der Lachquote am effektivsten sind. Erst Bens Red Sox-Familie, allesamt seltsame Freaks, deren Leben nur innerhalb der Stadionmauern funktioniert, bringt jenen anarchistischen Drive hinein, dem man dem Drehbuch auch gewünscht hätte. Und wüsste man es nicht, so versteckt sich hier sogar so mancher pikante Schwulen-Witz, gekonnt rüber gebracht vom Sex and the City-Paradehomo Willie Garson – man beachte die Dusch-Szene (!).
Doch die Momente in Fever Pitch, wo Frechheit über Routine siegt, sind rar. Letztlich erleben wir hier genau jene Hollywood-Spannungskurve, die dafür sorgt, dass sich Mann und Frau am Ende glücklich in die Arme fallen, als ob vorher nichts gewesen wäre. Selbst eine Drew Barrymore, die mit Kostüm und Handtasche über den Stadionrasen läuft, kann daran nichts ändern...