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Dem Schnitzel ins Aug’ schauen
Wo kommen das Fleisch, die Rispentomaten, die Eier, der Paprika und der Salat überhaupt her? In Nikolaus Geyrhalters neuester Dokumentation kann man Lebensmittelmassenproduktion hautnah miterleben.


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seitdem weniger Lust auf Fleisch hat Gisela Säckl

Kritik
Ohne Kommentar, nur mit dem Geräusch der Maschinen, der abreißenden Gemüsestängel, der gackernden Hühner, der knacksenden Rinderknochen, wechselt der Film zwischen Aufnahmen von unterschiedlichsten Massenproduktionsstätten. Die Geräuschkulisse wird durch nichts gestört, man hört was man sieht, es dampft, es raschelt und rauscht, nach einem Streifzug durch die Produktionshallen und einem Close up der FabriksarbeiterInnen folgt die Pause. Die Arbeiterin, die kurz zuvor noch Schweineinnereien sortiert hat, beißt beherzt in ihr Wurstbrot. Die Dame, die den ganzen Tag den ausgebluteten Schweinen die Haxeln abgeschnitten hat, macht auch Pause. Während ein Arbeiter mit einer mannsgroßen Kettensäge ein Rind in der Mitte auseinander schneidet, läutet sein Handy, er schneidet fertig und hebt ab. Die Paprikastauden und die Tomaten werden von einer wackeligen Konstruktion aus gepflückt, in Kisten gelegt und verpackt. Der Kinobesucher ist mitten drinnen und erlebt den Fabriksalltag ohne Kommentar der Beteiligten, ohne erklärende Worte eines Erzählers, ohne musikalisches Ablenkungsgedudel.

Im Schlachthof
Der Wiener Regisseur Nikolaus Geyrhalter zeigt, was Vielen verborgen bleibt und doch alle angeht. Wer steckt hinter den in Papierschälchen mit Folie überzogenen frischen Äpfeln oder Tomaten? Wer nimmt den Fisch aus, der bratfertig der Verpackung zu entnehmen ist? Wer hat die günstigen Paprika aus der Gemüseabteilung des Diskontladens in die Plastikhülle geschweißt? Auf solche Fragen gibt der Film Antwort. Ob der geneigte Seher wirklich auf jede dieser Fragen eine so genaue und so in allen Details gefilmte Antwort bekommen möchte, ist eine andere Sache.

In der Welle an Dokumentationen, die momentan die Kinoleinwände überfluten, ist Unser täglich Brot ein Film, der jegliche Interpretation dem Seher überlässt, weder lehrreich, noch aufdeckerisch sein will. Mit We feed the world gibt es schon einen sehr erfolgreichen Film über die Massenproduktion von Lebensmitteln. Der Unterschied der beiden Filme liegt jedoch im Aufbau: Geyrhalter bietet dem Kinobesucher 90 Minuten lang unvoreingenommene, teilnehmende Beobachtung an. Dinge zu sehen, die man eigentlich lieber nicht gesehen hätte, gehört hier freilich dazu. Und gerade weil es dabei ums Essen geht, ist der Film in einigen Einstellungen mit Sicherheit nichts für empfindliche Mägen. Mahlzeit.
http://www.geyrhalterfilm.com