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Freud für Anfänger Teil 2
Lügen haben schöne Beine. Sharon Stone sieht wirklich gut aus in einem wirklich schlechten Film – Basic Instinct: Risk Addiction entspricht also völlig den Erwartungen.


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Lassen Sie Ihr Über-Ich aus dem Spiel und genießen Sie diese Beine, empfiehlt Julia Pühringer

US-Erfolgsautorin Catherine Tramell weilt in England und gerät erwartungsgemäß auch dort mit dem Gesetz in Konflikt. In ihrem Wagen ertrank ein Fußball-Star auf Drogen, sie selbst konnte sich allerdings retten - sehr verdächtig. Zur Klärung ihres Geisteszustands wird von Psychiater Dr. Michael Glass (genauso durchsichtig wie sein Name: Tom Morrissey) ein Gutachten über sie erstellt. Der nun wirklich langweilige Trottel verfällt prompt der lüsternen Kettenraucherin. Plötzlich sterben immer mehr Menschen, während ein zwielichtiger Cop (David Thewlis) versucht, mit eher unlauteren Methoden Licht in die Sache zu bringen. Die ganze vorgetäuschte Handlung hätte man sich allerdings sparen können, denn der einzige Trumpf dieses Machwerks und gleichzeitig die Hauptfigur im wahrsten Sinne des Wortes ist La Stone.

Kritik
© 2006 Constantin Film, München
© 2006 Constantin Film, München
Machen Sie eine typische Beinbewegung...
Psychotherapeuten sind generell out – insbesondere solche, die sich in ihre potentiell kriminelle und taktisch weit überlegene Patientin verlieben. Filme wie Color of Night (Dr. Bruce Willis) oder Eiskalte Leidenschaft (Dr. Richard Gere) sind nicht umsonst in Vergessenheit respektive das Spätabendprogramm im Kabelfernsehen geraten. Hier läuft jedoch wieder das alte Programm vorm Freud-Portrait an der Wand – wie Catherine Tramell treffend feststellt: „Zu viele Fragen, zu viele Antworten, und es gibt keinen Sex.“ Die umwerfende Erkenntnis der ganzen Analysiererei: die Frau hat ein Faible für Risiken, aber geh. Es kommt, wie’s kommen muss – die Patientin analysiert den Therapeuten. Leichen pflastern den Weg der schönen Psychopathin und sie schreibt ein Buch über einen besessenen Analytiker, nachdem das letzte über einen irren Cop schon so erfolgreich war. Lachhafte Dialoge machen die Zeit von Stones übergeschlagenen Beinen bis zur Sex-Szene beinah unerträglich während der Schauplatz London hinter einer Wand aus Milchglas verschwindet und sich ein merklich angestrengter Morrissey alle Mühe gibt, halbwegs tiefsinnig dreinzusehen. Sharon Stone bekämpfte die Gesetze der Schwerkraft offenbar erfolgreich mithilfe jenen der plastischen Chirurgie und enthält das Resultat dankenswerterweise auch niemandem vor – viva la Brustwarze!

Dass David Cronenberg mal als Regisseur in Erwägung gezogen wurde, schlägt sich nur noch in einer Psychose der Protagonistin nieder: Catherine wird bei der Vorstellung eines Verkehrsunfalls sexuell erregt – Crash, anyone? Kaum möglich scheint es, dass Regisseur Michael Caton-Jones auch für This Boy’s Life verantwortlich war, das schauderbare Remake des Schakals traut man ihm eher zu – man muss ihm aber zugute halten, dass künstlerisches Engagement hier vermutlich nicht Teil der Job Description war.

Die tragisch verlaufene Geschichte des Castings der männlichen Hauptrolle weist starke Parallelen zur Suche nach dem neuen James Bond auf, war jedoch glücklicherweise nicht so medial präsent. Das Resultat jedenfalls war das gleiche – man verfiel auf den mit Abstand unpassendsten Kandidaten. Angedacht waren Robert Downey Jr., ausgeschieden wegen Drogenproblemen, Kurt Russel drückte sich vor den Nacktszenen und Pierce Brosnan fand die Sache doch zu geschmacklos. Sogar Harrison Ford war - gerüchtehalber - im Gespräch, nackt ist er dem p.t. Publikum zum Glück erspart geblieben. Auch Bruce Greenwood, ewiger B-Schauspieler, wollte nicht, und (ewiger C-Schauspieler) Benjamin Bratt fand Sharon Stone zu schlecht (sie ihn). Warum man sich dann letztendlich für David Morrissey entschied, bleibt ein Mysterium - der Mann hat die sexuelle Ausstrahlung einer unausgefüllten Steuererklärung. Was hat Charlotte Rampling als beste Freundin des Psychiaters hier verloren? Auch das bleibt ungeklärt und es ist letztlich auch egal.

Trivia - Geschichten und Gschichterln

Die mit einem IQ von 154 nicht nur geschäftlich gewiefte Sharon Stone unterschrieb für den Film einen „pay or play“-Vertrag, der ihr die Gage auch dann zusichert, wenn der Film nie gedreht worden wäre.

Tom Morrisseys letzter Film gibt zumindest genug für einen Wortwitz her – er heißt passenderweise Stoned, es geht darin allerdings um den Meister des übers-Wasser-Wandelns, den toten Rolling Stone Brian Jones.

In den USA wurden die Sexszenen des Films radikal geschnitten, um ein Rating unter 17 Jahren zu erreichen, damit entfiel wohl alles, was den Film auch nur ansatzweise sehenswert macht.


Zitat

Catherine, befragt nach ihrem verunfallten Wagen: „Ich habe jetzt einen neuen, der ist leichter, schneller - und schwimmt besser.“ (Die Stone soll nach den Dreharbeiten im Wasser allen Ernstes ihr Auto dahingehend absichern haben lassen, dass man auch unter Wasser noch „aussteigen“ kann.)

Catherine, auf die Frage ob sie einen Polizisten kennt: „Ich habe mal einen gekannt, in San Francisco…“

Dtc. Superint. Roy Washburn zu Dr. Michael Glass: „Ich bin sozusagen ihr Psychopathen-Lieferservice!“

Dtc. Superint. Roy Washburn, quasi guter und böser Cop in Personalunion, wird von David Thewlis dargestellt, manchen vielleicht als Professor Lupin in Harry Potter and the Prisoner of Azkaban noch in Erinnerung.

Hier geht’s zur offiziellen Website zum Film
http://www.sonypictures.com/movies/basicinstinct2/index.html