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Nichts für Allergiker
© 2000-2006 Concorde Filmverleih GmbHBei Roberto Benignis neuem Romantikmärchen über einen Dichter, der alles für seine große Liebe machen würde, kommen Freunde des italienischen Künstlers wieder auf ihre Kosten. Allen anderen soll die folgende Kritik als Entscheidungshilfe dienen.


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Gut unterhalten wurde Hanns Peter Glock


Attilio de Giovanni (Roberto Benigni) ist ein schusseliger Dichter und Universitätsdozent. In seinem Leben dreht sich alles um seine Traumfrau Vittoria (Nicoletta Braschi), die in diesem Film diese Bezeichnung zu Recht trägt, da sie auch durch Attilios Gedanken geistert, wenn er schläft. Leider ziert sie sich und lässt ihn zappeln, obwohl sie offensichtlich auch Gefühle für den Poeten hegt. Und die Chancen für eine glückliche Liebe stehen äußerst schlecht, denn nur wenn sie einmal einem Tiger im Schnee begegnet, will sich seine Angebetete auf eine Beziehung mit ihm einlassen. Als sie mit dem befreundeten irakischen Dichter Fuad (Jean Reno) im März 2003 – zu Beginn des Irak-Krieges - nach Bagdad reist, passiert ein Unglück. Sie wird verletzt und liegt im Koma. Trotz vieler Schwierigkeit unternimmt Attilio alles, damit er schnellstmöglich zu ihr kommt. Dort angekommen wird er aber vor weitere Probleme gestellt und es braucht viel Mut und Erfindungsgeist, um ständig aufs Neue für das Leben der Liebe zu kämpfen.

Kritik

Ein wuseliger Mann kommt, nur mit Unterwäsche bekleidet, auf seine eigene Hochzeit, dann erscheint auch noch ein strenger Polizist und fordert ihn auf, sein falsch geparktes Auto wegzufahren. Eine wunderschöne Braut erklärt auf blumigste Weise ihre Liebe, oder eigentlich eher, dass sie mit dem Poeten schlafen will. Und in der Ecke sitzt Musik-Legende Tom Waits am Klavier und singt den schwermütigen Song „You Can Never Hold Back Spring“, den er extra für den Film komponiert hat.

Mit dieser skurrilen Eröffnungs-Traumsequenz wird sofort die poetisch-chaotische Linie des neuen Films von Roberto Benigni etabliert. Der spielt bei seiner mittlerweile achten Regiearbeit wieder eine stark optimistische und lebensfrohe Person, die versucht, alles mit einer gewissen Prise Humor zu sehen. Genau daran könnte sich aber der eine oder andere Kino-Zuschauer stoßen, denn der Humor folgt seinen eigenen Regeln, die ihre Wurzeln irgendwo in der italienischen Commedia dell’Arte haben. Wenn Attilio de Giovanni minutenlang eine eigentlich gar nicht so lustige Situation kommentiert (wie etwa, dass er in Eile eine falsche – zu große - Jacke angezogen hat), kann sich das schon etwas langatmig gestalten. Auch wird schnell klar, dass der Film als modernes Märchen zu verstehen ist, das leicht an der Realität vorbeirutscht. Alle wichtigen Figuren in Der Tiger und der Schnee verfügen außerdem über die Fähigkeit, poetisch zu handeln und sich zu artikulieren, als stünden sie die ganze Zeit über auf einer Theaterbühne. Es gibt Momente, da jagt ein aussageschwerer Satz den nächsten. Die wortgewaltigen Dialoge und die geistig überdrehten Personen sind vielleicht nicht gerade nach jedermanns Geschmack, machen aber eben Filme des italienischen Regisseurs aus und können auch wirklich gut unterhalten, hat man sich einmal daran gewöhnt.
Hauptfigur Attilio de Giovanni ist der Inbegriff des Chaos und seine schusselige Art führt immer wieder zu netter Situationskomik. So wird der Poet, der sich und sein Motorrad voll mit Medikamenten gepackt hat, in Bagdad bei einer Straßensperre von den anwesenden US-Soldaten für einen Attentäter gehalten und es ist ausgesprochen amüsant mitzuverfolgen, wie er – auf englisch – versucht, sie von seiner Unschuld zu überzeugen. Oder wenn er in der Wüste ein Kamel überreden will, endlich in die Hocke zu gehen, damit er aufsteigen kann. Da bleibt kein Auge trocken. Von solchen durchdachten und witzigen Momenten wimmelt es im Film und doch kommt die Melancholie, die mit Attilios Liebe einher geht, nicht zu kurz und wird immer von Variationen des Leitmotivs von Tom Waits begleitet. Vielleicht könnte der eine oder die andere dem Film vorwerfen, dass die Thematik des Irak-Kriegs nur als Hintergrund dient und das Elend der Menschen in der bombardierten Stadt nur gestreift, vielleicht sogar etwas verschönt wird. Wenn Attilio und Fuad unter dem prächtigen Sternenhimmel Bagdads über Allah und die Unfähigkeit der Menschen philosophieren, während ständig Marschflugkörper feuerwerksgleich am Firmament detonieren, bekommt die eigentlich schlimme Situation sogar noch einen romantischen, aber zugleich auch schwermütigen Touch. Die Handlung von Der Tiger und der Schnee konzentriert sich sonst so stark auf Attilio und das Bestreben, seine Liebe zu retten, dass eine stärkere Gewichtung auf ein politisches Statement zum Irak-Krieg nur aufgesetzt gewirkt hätte.

So erscheint der ganze Film wie aus einem Guss und fließt stetig und unterhaltsam auf sein interessantes Ende zu. Und dabei gilt nicht nur „der Weg ist das Ziel“, sondern auch, dass das Ziel es wert ist, den Weg zu gehen, denn zum Schluss gibt es einen gewissen Aha-Effekt, der durchaus seinen Reiz hat. An dieser Stelle sei anzumerken, dass man im Vorfeld nicht zu viel über den Film lesen sollte, um das Finale wirklich genießen zu können. Bei einigen Rezensionen oder Artikeln zum Film kann es nämlich vorkommen, dass schon in der Beschreibung des Inhalts wesentliche Informationen vorweggenommen werden.
Hat man keine totale Aversion gegen Roberto Benigni und lässt sich auf das Erlebnis seines neuen Werks ein, wird man den Kinosaal sicherlich nicht enttäuscht verlassen.


Trivia - Geschichten und Gschichterln

Nicolletta Braschi (Vittoria) ist seit 1991 mit Roberto Benigni verheiratet und spielt in ziemlich allen Filmen des Regisseurs mit.

Die Szenen in Bagdad wurden in Tunesien nachgestellt.


Zitat
Fuad: "Jeder Mensch ist wie ein Abgrund. Es kann einem schwindelig werden, wenn man hineinblickt."

Zitat
Vittoria zu Attilio (oder einer der dämlichsten Anmachsprüche der Welt): "Ich möchte gerne sehen, wo du dein Geschirr spülst."

Zitat
Attilio zu Vittoria, die schon wieder einmal von ihm weg will: "Lass uns miteinander schlafen. Wo willst du denn sonst hin?"

Zitat
Attilio mit einer Fliegenklatsche im fliegenverseuchten Krankenhaus Bagdads (einer der wenigen verbalen Seitenhiebe auf die Irak-Politik der USA): "Ich habe eine Massenvernichtungswaffe gefunden! "