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Rettet die Vampire!
Underworld: Evolution degradiert Vampire und Werwölfe zu reinen Actionfiguren, die wohl besser in der Unterwelt geblieben wären.


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„Fuck Darwin!“, dachte Julia Pühringer

Ansteckende Krankheit, Hybridenbildung und Seucheneindämmung: Wer denkt da nicht gleich an Vampire? Das Ganze kam so: Damals, im sechsten Jahrhundert, begab sich folgende tragische Geschichte: Alexander Corvinus überlebte die Pest, seine Gene mutierten ein bisschen und er wurde Vater von Zwillingen. Der eine wurde vom Werwolf gebissen, der andere, oh Zufall, von einer Fledermaus angeknabbert. Ab dann wird’s furchtbar kompliziert – Kriege zwischen Werwölfen, Verzeihung - „Lycanern“, Vampiren, deren Nachfahren und deren Helfershelfern sowie ein paar zusätzliche, ewig lebende Gestalten verwirren die Handlung bis zur völligen Undurchsichtigkeit. Und natürlich muss die Welt vor einem bösen Monster gerettet werden, das seit Jahrhunderten weggesperrt war und nur Rache und Weltherrschaft im Sinn hat.

Kritik

Dazwischen springt Cate Beckinsale als Selene lustig in Latex und bodenlangem Mantel sowie coolen Linsen Marke „Vampirauge“ durch Nacht und Wind, um die Menschheit zu retten, den einen genetisch mutierten Werpir/Vamwolf-Hybrid (Brian Steele verschwindet hinter der Maske des William) zu killen und den andern (Scott Speedman als Michael) zu vögeln – während sie dabei auch noch mit ihren tragischen Jugenderinnerungen zurande kommen muss. Das ganze schaut zwar ein bisschen besser aus, als es klingt, nichtsdestotrotz scheint jeder sinnentleerte Ego-Shooter eine bessere Investition. Dort haben auch schlecht gemorphte Mutationen mit verschrobenem Feindbild ihren angestammten Platz. Vermutlich haben die rein sprachlichen Überreste des verblichenen Marlon Brando im PC-Spiel Der Pate mehr Sex-Appeal als Bill Nighy, der in Rückblenden noch als Bösewicht Victor überlebt hat, auch Bühnen-Star Derek Jacobi als Corvinus ist reine Verschwendung.

Schon Underworld, Teil 1, in dem Vampire eher wie zugekokste, dekadente Models aus einer englischen Vogue der späten 90erjahre aussahen, ließ vermuten, dass die schönen Zeiten, in denen Vampire verdammt attraktive, gefährliche, stilsichere und persönlich interessante Bösewichte waren, nun endgültig vorbei sind, auch wenn das Wort „untot“ anderes nahe legen mag.

Copyright: Sony Pictures
Gattung: Matrix-Vampir

Regisseur Len Wiseman, dessen einzig weise Entscheidung es wohl war, zwischen Underworld und Underworld: Evolution Kate Beckinsale zu ehelichen, outet sich als einer, der zumindest von Vampiren nichts versteht: „Ich stehe nicht auf religiöse Vampire, denen man einfach ein Kreuz entgegenreckt und die dann aus Furcht zurückschrecken. Für mich sind das Fantasy-Vampire. In meiner Welt gibt es ‚reale’ Vampire, die wissenschaftlich erklärbar sind. […] Deshalb ist Underworld mehr ein geradliniger Actionfilm, der eher zufällig von Kreaturen aus Horrorfilmen bevölkert wird.“ Dass sich der gute Mann damit brüstet und sich – offensichtlich vorsätzlich - jeglicher Grundlage für einen guten und spannenden Vampirfilm beraubt hat, schmerzt umso mehr. Für Coolness haben wir schon The Matrix! Wenn übergroße sabbernde Flederwölfe Leute mit den Spitzen ihrer Flügel aufspießen, zum zigsten mal ein grindiges Pissoir Schauplatz von Raufereien wird und Werwölfe weder wie Menschen noch wie Wölfe aussehen, dann können wahre Vampir-Fans nur mehr traurig dreinschauen und auf Rotwein umsteigen. Denn mit hemmungslosen Anleihen an der Liga der außergewöhnlichen Gentlemen, ein paar alten Gemäuern, einer Mini-Orgie und ein paar animierten Krähen zum Drüberstreuen hat noch niemand einen brauchbaren Film geschaffen – das sollte spätestens seit Van Helsing klar sein. Weder die Actionszenen, die kaum Atempausen lassen, noch der Soundtrack, der die unnötig aufgeblasene Handlung mit Sound-Effects zu übertünchen versucht, können davon ablenken, dass das ein wirklich schlechter Film ist. Die steinernen Wasserspeier auf Notre Dame in Paris sind sowohl älter als auch überzeugender. Das scheint jedoch niemanden zu stören – der Film war einer der Box-Office-Hits des letzten Jahres.

Fans des Genres bleibt wohl wenig übrig, als sich weiterhin an Fearless Vampire Killers und Shadow of The Vampire zu halten, sich zum zigsten Mal Carpenters Vampires zu Gemüte zu führen oder einfach gleich bei den guten schlechten alten Hammer-Filmen zu bleiben. Schade.


Trivia - Geschichten und Gschichterln
Beim Dreh einer Szene, in der sich Selene und Michael tief ins Auge blicken, überraschte Regisseur Len Wiseman alle indem er "Everything I do, I do it for you" von Brian Adams spielte. Allgemeines Gelächter am Set war die Folge.

Zitat
Marcus, kurz bevor er seinen Vater umbringt: „Ein wahrer Gott hat keinen Vater!“
Website zum Film
http://www.underworld-evolution.de