Suche: Suche abschicken


Orwellsche Visionen
Natalie Portman mit Glatze. Hugo Weaving mit Maske … Klingt interessant? Ist es auch.


Werbung

Gänsehaut hatte Miriam Daill

Evey (Natalie Portman) lebt in einem Großbritannien der Zukunft, das einem wie ein schlimmer Alptraum vorkommt: Ein faschistischer Führer, dessen Autorität von niemandem in Frage gestellt wird, beherrscht den totalitären Staat. Als Evey eines Nachts verbotener Weise durch die dunklen Gassen Londons läuft, um einen Freund zu besuchen, wird sie von Undercover-Geheimpolizisten, den so genannten „Fingermen“, erwischt und zur Rede gestellt. Nur mit einem Pfefferspray bewaffnet, kann sie gegen die Männer, die zudringlich werden, nichts ausrichten. Bevor sie jedoch Gewalt anwenden können, kommt plötzlich aus dem Nichts ein maskierter Mann (Hugo Weaving), und rettet Evey das Leben.

Kritik
Die Idee ist eigentlich alt: Anwendung von Selbstjustiz, um sich gegen die Willkür einer Regierung zu wehren, die selbst keine Gesetze mehr kennt und die die Bevölkerung bevormundet und unterdrückt.
Die Matrix-Macher Joel Silver und die Wachowski-Brüder servieren uns dieses Thema in einer schicken Ummantelung aus Comic, Aktion, Politik und einem kleinen bisschen Love Story auf einem Silbertablett und sagen: „Lasst es euch gut schmecken.“ Und tatsächlich, so einiges mundet wirklich hervorragend: V wie Vendetta ist zugegebener Maßen von Beginn an mächtig spannend und aufregend, was man nicht von allen „politischen“ Filmen, die Hollywood in letzter Zeit so auf den Markt gebracht hat, behaupten kann. Die Wachowskis verlaufen sich nicht mehr in philosophischen Theoriegebäuden – in Matrix Reloaded und Revolutions hatte es ihnen die heideggersche Phänomenologie angetan – sondern bringen die Message auf den Punkt. Keine Langeweile, keine Endlos-Dialoge, keine Kampfkunstorgien.

Das Comic V for Vendetta, dass bereits 1981 in einem unabhängigen monatlichen Magazin mit Namen „Warrior“ erschien und 1989 als Comic-Roman von Alan Moore und David Lloyd herausgegeben wurde, greift ein historisches Datum der Geschichte Englands auf, um darauf aufzubauen. Vorbild ist ein gewisser Guy Fawkes. Er und seine Mitverschwörer versuchten am 5. November 1605 das englische Parlament aus politischen Gründen in die Luft gehen zu lassen, was aber durch eine undichte Stelle in der Kette der Attentäter vereitelt wurde.

Hugo Weaving, Matrix-Bösewicht und Elrond-Darsteller aus Herr der Ringe mimt den verbitterten und rachsüchtigen V fast mirakulös: Da er den ganzen Film über die gruselige Maske trägt, kann er dem V nur durch Gestik, Stimme und überdeutliche Körperbewegungen einen Charakter geben. Auch für Portman ist das eine riesige Herausforderung, die sie aber insofern gut meistert als sie es schafft, eine glaubwürdige Beziehung zu V entstehen zu lassen. Die beeindruckende Performance zeigt, dass sie durchaus imstande ist, auf einen ausdruckslosen Partner in der Figur des V emotional zu reagieren.
Was einem an V wie Vendetta eventuell nicht so gut schmecken könnte, sind die Fragen, die er aufwirft und unbeantwortet lässt, beziehungsweise die teilweise etwas bedenklichen Botschaften. Ist Gewalt ein gerechtfertigtes Mittel um zu seinem Recht zu kommen? Nun, dieses Thema ist bereits Inhalt vieler Überlegungen gewesen – dass Gewalt aber kaum zu einem Ende von Gewalt führt, leuchtet irgendwie ein. In V wie Vendetta wird sie allerdings als Lösung verkauft, was man so nicht stehen lassen kann. V, ein kultivierter, gebildeter Mensch tickt also nur ab und zu - wenn er mal gerade die Bevölkerung vor der bösen, bösen Regierung beschützen muss - aus und schlitzt dann auch schon mal ein paar Hälse auf, um auch wirklich ernst genommen zu werden. Sicher, durch die Wachowski-typische Kampfinszenierung erhalten die Rache-Trips eine coole Note. Bei näherer Betrachtung der Aussage, die dahinter steht, wird aber schnell klar, dass man sich in etwas kindische Ansichten verstrickt hat. Anarchie ist wohl kein Allheilmittel für die Ungerechtigkeiten, die dem einzelnen Bürger durch einen Staat zugefügt werden können. Terrorismus wird im Film als einzig mögliches Mittel der Schwachen dargestellt, um zu ihrem Recht zu gelangen, was eine recht fragwürdige Angelegenheit ist. Wer den Terrorismus als Instrument zur Erreichung von politischen Zielen einsetzt, der nimmt auch beträchtliche Kollateralschäden in Kauf, was ihn mitunter auch zum Täter macht. Diese Tatsache verändert die Sichtweise auf Figuren wie V, der sich zu wehren versucht und gleichzeitig auch Menschen mit in den Tod nimmt, die das System zwar nicht aktiv bekämpfen, es aber auch nicht unterstützen. Auch die plötzliche Leidenschaft der Hauptfigur Evey für Politik kommt etwas einfach daher: Kaum wird sie von einem Maskierten gerettet, entwickelt sie auch schon politische Ambitionen. Das hätte man angesichts einer doch anspruchsvollen Geschichte noch besser durchdenken können.
Macht man sich aber keine Gedanken über die wesentlichen Aussagen des Streifens sondern schwelgt einfach in den heroisch-pathetischen Gefühlen, die gerade bei verhinderten Revoluzzern sicherlich aufkommen werden, dann ist V wie Vendetta einfach nur ein guter Film, den man sich nicht durch die Lappen gehen lassen sollte.

Trivia - Geschichten und Gschichterln
Britische Top-Schauspieler wie John Hurt (Kanzler Sutler) oder aber auch Stephen Rea (Inspektor Finch) wirken in V wie Vendetta in Nebenrollen mit.

Zitat
Mr. Creedy: Why don’t you die?
V: Benath this mask there is not just flesh Mr. Creedy. Beneath this mask there are ideas, and ideas are bullet-proof.
Website zu V wie Vendetta
http://vforvendetta.warnerbros.com/