Detlev Buck hat mit
Knallhart ein äußerst interessantes Kinoerlebnis kreiert. Die Geschichte ist interessant und filmisch gut erzählt. Auch die Musik, bei der von Klassik über Hip Hop bis zu Elektro alles dabei ist, unterstreicht gekonnt die Bilder. So sitzt man im Film und betrachtet minutenlang - begleitet von passender musikalischen Untermalung - Straßenszenen aus Neukölln: Menschen sind bei der Arbeit oder gehen Einkaufen, Kinder laufen durch die Straßen. Man schaut zu und denkt nach, fühlt sich gleichsam - wie Michael - in die Szenerie versetzt.
Neben ruhigen Augenblicken im Großstadtleben gibt es aber auch Ausbrüche purer Gewalt. So wird der Hauptdarsteller auf dem Schulweg von einer Jugendgang brutal verprügelt. Als Zuschauer leidet man hier im Kinosessel förmlich mit und hofft, dass nicht noch einmal zugeschlagen wird. Ähnlich beklemmend empfindet man eine andere Situation: Michael, gefesselt an einen Stuhl und mit einem Metalleimer auf dem Kopf, „wartet“ darauf, dass sein Peiniger beim Topfschlagen – mit verbundenen Augen – schließlich ins Heiße trifft.
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Warten auf den Treffer: Qual für Michael (David Kross) beim Topfschlagen |
Trotz der gezeigten Gewalt erlebt das Publikum auch ein paar schöne und komische Momenten im Leben der Neo-Neuköllner. Äußerst vergnüglich ist die Situation, in der Kommissar Gerber (
Hans Löw), der sich etwas in Mutter Polischka verliebt hat, nervös versucht, ihr Fingerabdrücke abzunehmen und wirres Zeug von sich gibt. Solche Szenen tragen dazu bei, dass man den ganzen Film über Interesse an den Figuren und ihren Schicksalen behält.
Die im Film vorkommenden Personen sind glaubwürdig inszeniert und die Schauspieler verkörpern ihre Rollen hervorragend.
Jenny Elvers-Elbertzhagen passt einfach als junge, naive Mutter, die bisher immer von reichen Lovern durchgefüttert wurde. Böse Zungen könnten natürlich behaupten, dass die 33-jährige einfach sich selbst spielt.
David Kross vermittelt die Emotionen und die persönliche Entwicklung des 15jährigen Michael ausgesprochen gut. Außerdem hat er wirklich das „ehrliche Gesicht“, das ihm im Film zu seinem Botenjob verhilft und ihn auch bei einer Polizei-Razzia im Park nicht verdächtig wirken lässt. Gut für ihn, denn der Fußball, den er dabei unter dem Arm trägt, ist vollgestopft mit Drogen.
Keine der Figuren wirkt flach. Man hat immer das Gefühl, dass die gezeigten Personen, einen Background haben. Sogar die „Bösen“ werden als normale Menschen gezeigt. So steckt hinter dem Schlägertypen Erol ein junger Familienvater, der unter der Kandare seiner Freundin steht, und auch Oberdealer Hamal hat eine riesige Familie.
Die Großstadtgeschichte um Michael Polischka fesselt von Beginn an und entlässt das Publikum nachdenklich, bedingt durch ein offenes Ende. Obwohl die Geschichte einige Brüche aufweist und die Charakterbildung des jungen Hauptdarstellers etwas zu zügig von statten geht, ist die Gesamtkomposition stimmig und lässt keine Langeweile aufkommen.