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Sorry, Mr. C.
© Einhorn FilmEine Transsexuellengeschichte als Imagekorrektur einer Seriendarstellerin? Mitnichten. Die letzte Klappe zu Transamerica fiel bevor Felicity Huffman für Desperate Housewives zu drehen begann. Und was hat das alles mit Syriana zu tun?


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Kritik

George Clooney, mit einem Oscar für den besten Nebendarsteller in Syriana bedacht, hat es uns wieder reingesagt: Er sei stolz, ein Mitglied jener Gemeinschaft zu sein, die heiße Themen angreift und Probleme thematisiert. Wow!
Bei soviel Eigenlob hilft oft ein kritischer Blick.
Wenn auch der Mut, längst jedem Wirtshausdiskutanten bekannte Thesen („Wegen Öl werden böse Dinge getan“ - „Geheimdienste sind kein Knabenchor“) in einen konfusen Film zu verpacken noch unterhalb der Messtoleranz unserer Instrumente liegen mag, könnte bei Transamerica ein echter Fall von Aufzeigen, Sichtbarmachen, Ansprechen von unbequemen Tatsachen vorliegen.

Die Geschichte eines Mannes, der sich schon immer als Frau fühlte, und dies auch mit der Hilfe der modernen Medizin zu werden gedenkt, vereint eine beachtliche Anzahl dessen, was „heiße Themen“ benannt werden zu pflegt:
Transsexuelle, Stricher, Kindesmissbrauch, Drogen und Pornoindustrie – all das kracht in diesem „beinahe-road-movie“ aneinander. Das klingt nach langen, betroffenen Gesichtern im Kino; nach einer Neigung des Kopfes, dessen Gedanken mit der Suche nach der eigenen Schuld, sozusagen Resten der Intoleranz, nach den vergangenen Gelegenheiten, die man benutze, weg zuschauen beschäftigt sind; und nach einem Sich-Aus-Dem-Kino-Verdrücken, die Last der Welt auf den gebeugten Schultern, in den Hosentaschen ein Stück der Schlechtigkeit der Welt, zum bedächtig Schlucken vor dem Schlafengehen.
Bullshit, denn die Abhandlung riskanter Themen, oder dessen was man dafür hält, muss natürlich in einem auf Verwertung ausgerichteten Kunstschöpfungsprozess - und das scheint Mr. Clooney hier, es sei denn er habe seine Aussage ironisch gemeint, entgangen zu sein - immer auch verkaufbar bleiben.
Vater und Sohn: Felicity Huffman und Kevin Zegers
Transamerica ist daher eine - letzten Endes rührselige - Familienkomödie. Das Lachen über die ihrer Lächerlichkeit preis gegebenen Figuren wechselt ab mit Tränen der Rührung. Bree Osbourne, so der Name der/des Held/in, muss sich, bevor die Psychologin die entscheidende Unterschrift unter die Bewilligung für die geschlechts verändernde Operation setzt, einem bisher ihr selbst weit gehend unbekannten Umstand seines/ihres Lebens widmen: Dem eigenen Sohn.
Dieser, von zu Hause ausgebüxt und als Stricher in New York gerade in der Klemme, kommt dem Vater, besorgt um den Operationstermin auf der anderen Seite des Kontintents, alles andere als gelegen. So gibt sich Bree ihm gegenüber als Vertreterin einer christlichen Hilfsorganisation aus, die ihn, um das Problem elegant loszuwerden, zunächst einmal dorthin verfrachten will, wo Toby mit Sicherheit nicht hin will: Zurück in die Heimat. Da der Ursprung der Dinge meistens auch das Problem darstellt, bleibt den beiden nichts über, als sich mit sich selbst und dem anderen zu konfrontieren.
Und über diese Gemengenlage an geschickt gesetzten Plot Points hinwegschreitend, stellt sich immer mehr die Frage: Was einem in den Augen steht, das salzige Fluidum, dass über den schmalen Grad des Lides wandern will, kommt´s vom Lachen oder Weinen?

Damit ist es auch schon heraussen: Transamerica, dessen Held/Heldin mit bewundernstwerter Konsequenz vom Desperate Housewives-Darstellerin Felicity Huffman verkörpert wird, ist ein wunderschöner, humorvoller und sehr humanistischer (eines jener berüchtigten, aber so zutreffenden Adjektive im Werkzeugkästlein jedes Kritikers) Film. Die Entwicklung der - wir nennen sie jetzt mal nur mit diesem weiblichen Artikel (zum ersten aus Respekt vor ihrem eigenen Wunsch und zum zweiten, um hier hinterlistig zu „spoilern“) - also DER Bree Osbourne, stellt die klassische Reise „zu uns selbst“ dar. Und an so humorvoller Selbsterkenntnis gibt es gar nichts herumzumäkeln, sie ist einfach zu genießen.
Eine – freilich von hinten herum gewickelte – Familienkomödie, wenn auch eine handwerklich hervorragend gemachte. Sorry, Mr Clooney, im Gegensatz zu Syriana.