Regisseur Martin Weisz wagte sich an eine wahre Horrorgeschichte. Was dabei heraus kam, ist unappetitlich.
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Die amerikanische Studentin Katie Armstrong (Keri Russell) schreibt in Deutschland an ihrer Dissertation über den Kannibalen Oliver Hartwin (Thomas Kretschmann). Ihre Recherchen führen sie in die Welt Hartwins, der per Internetannonce ein menschliches Opfer zum Schlachten und Verzehren suchte und schließlich auch fand: Simon Grombeck (Thomas Huber) war tatsächlich bereit, sich von Hartwin den Penis abtrennen zu lassen, diesen gemeinsam mit seinem Schlachter zu verspeisen und anschließend getötet zu werden, um als Schnitzel auf Hartwins Teller zu enden.
Kritik
Schon während der ersten Minuten des Films, wenn man das Fleisch der übereifrigen Dissertantin im Schwimmbad bewundern kann und dazu aus dem Off leere Phrasen über Kriminalpsychologie hört, ahnt man, dass dieser Ansatz, sich dem Thema Kannibalismus zu nähern, nicht gut gehen kann. Katie Armstrong ist eine vollkommen leere Figur, deren Handeln sich einem noch viel weniger erschließt als das der beiden pervertierten Männer, deren Verhalten sie untersucht. Die volkschullehrerhaften Kommentare, mit denen sie dem Zuschauer alles, was ohnehin zu sehen ist, doppelt und dreifach erklärt, gehen einem ziemlich schnell gewaltig auf die Nerven. Ja, sogar der geisteskranke Oliver Hartwin und sein nicht minder gestörtes Opfer sind einem sympathischer als die Erzählerin.
Die Darstellung von Hartwins und Grombecks Entwicklung kommt nicht ohne zahlreiche Griffe in die Klischeekiste aus. So leidet Hartwin von Kindesbeinen an unter seiner autoritären Mutter. Das scheint der einzige Grund zu sein, weswegen er beginnt, sich nach dem Verzehr von Menschenfleisch zu sehnen. Als diese Sehnsucht immer größer wird, beginnt er – so abwegig es klingt - sich ab und an schwer verdauliche Barbiepuppenschenkel auf einem Jausenbrett herzurichten und genüsslich zu knabbern.
Grombeck wiederum lebt in einer offensichtlich glücklichen Beziehung mit dem nichtsahnenden Felix. Er ist beruflich erfolgreich und auch sonst ganz umgänglich. Hin und wieder überkommt es ihn und er bittet Stricherjungen, ihm den Penis abzubeißen.
Dass es schwierig ist, solche Charaktere für den Zuschauer fassbar auf die Leinwand zu bringen, dürfte klar sein. Regisseur Martin Weisz, der sich in der Vergangenheit hauptsächlich für Musikvideos verantwortlich zeigte - und besser dabei geblieben wäre, - zeigt in Rohtenburg, wie man es auf keinen Fall machen sollte. So ist es beispielsweise keine gute Idee eine Figur einzuführen, deren einzige Entwicklung während des Films darin besteht, dass ihr Augen-Make-Up immer mehr verwischt. Traumsequenzen sollten besser nur dann zum Einsatz kommen, wenn sie zum besseren Verständnis des Gesamtgeschehens beitragen. Außerdem empfiehlt es sich, seine Hauptfiguren nur dann Panikattacken erleiden zu lassen, wenn es irgendeinen plausiblen Grund dafür gibt. Sich darauf zu verlassen, dass ein paar Szenen extrem ekelerregend sind und deshalb dem Zuschauer im Gedächtnis bleiben, darf noch lange kein Grund dafür sein, diese vermeintlichen Filetstückchen im Rahmen eines furchtbar schalen Restfilms zu zeigen.
Trivia - Geschichten und Gschichterln
Die Geschichte des Armin Meiwes, der als Kannibale von Rotenburg Schlagzeilen machte, dient als Grundlage des Films. Meiwes sah durch den Film seine Persönlichkeitsrechte verletzt und ging rechtlich gegen die Produktionsfirma Atlantic Streamline vor. Aufgrund einer einstweiligen Verfügung durfte der Film in Deutschland bis Juni 2009 nicht gezeigt werden.